Anthropic hat mit dem Cloud-Anbieter Akamai einen Sieben-Jahres-Vertrag über 11,6 Milliarden Dollar geschlossen – der größte Auftrag in der Firmengeschichte des Cloud-Anbieters. Eine Erweiterungsoption um weitere neun Milliarden Dollar könnte das Gesamtvolumen auf rund zwanzig Milliarden Dollar treiben. Als Gegenleistung erhält Anthropic einen Optionsschein auf bis zu fünf Prozent der Akamai-Aktien.
Optionsschein sichert Anthropic bis zu fünf Prozent an Akamai
Der Optionsschein berechtigt Anthropic zum Bezug von Vorzugsaktien, die sich in bis zu 7,7 Millionen Akamai-Stammaktien umwandeln lassen – rund fünf Prozent der ausstehenden Anteile, zu einem Ausübungspreis von 111,33 Dollar je Aktie. Die Freischaltung erfolgt laut der SEC-Meldung des Unternehmens in vier Tranchen: 40 Prozent werden mit der ersten Zahlung fällig, die übrigen drei Tranchen zu je 20 Prozent erst, wenn Anthropic zusätzliche Verträge über jeweils drei Milliarden Dollar abschließt. Es ist das erste Mal, dass Akamai einen Cloud-Deal mit einem Optionsschein verknüpft. Anleger reagierten deutlich: Die Akamai-Aktie legte im nachbörslichen Handel um rund zwanzig Prozent zu. Das Volumen übertrifft einen früheren, im Mai 2026 bekannt gewordenen Vertrag zwischen beiden Unternehmen über 1,8 Milliarden Dollar um mehr als das Sechsfache. Akamai-Mitgründer und Vorstandschef Tom Leighton erklärte, Anthropic treibe die KI-Revolution voran und Akamai freue sich, dass sich das Unternehmen für die eigenen Fähigkeiten entschieden habe.
Akamai liefert CPU-Kapazität statt Trainings-Hardware
Anders als viele der bisherigen Milliardendeals von Anthropic dreht sich der Akamai-Vertrag nicht um GPU-Cluster fürs Training, sondern um verteilte Cloud-Infrastruktur für CPU-Workloads. Akamai betreibt tausende Zugangspunkte weltweit und stellt Anthropic darüber verwaltete Rechenkapazität sowie Support-Leistungen bereit. Für Akamai bedeutet der Auftrag eigenen Angaben zufolge Investitionsausgaben von schätzungsweise 5,5 Milliarden Dollar für die Basisvereinbarung, weitere 1,7 Milliarden Dollar sollen in den Vorkauf von Lieferkettenkomponenten wie Arbeitsspeicher fließen. Nennenswerte Einnahmen aus dem Vertrag erwartet das Unternehmen frühestens ab der zweiten Jahreshälfte 2027; bis Ende 2028 soll die jährliche Run-Rate bei etwa 1,7 Milliarden Dollar liegen. Die eigene Umsatzprognose für 2026 ändert der Deal nicht. Der zeitliche Abstand zwischen Vertragsunterzeichnung und spürbaren Einnahmen zeigt, wie langfristig solche Infrastruktur-Vorleistungen angelegt sind – für beide Seiten eine Wette auf anhaltend hohe Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Anwendungen.
Vertrag reiht sich in Anthropics Serie milliardenschwerer Rechen-Deals ein
Der Akamai-Vertrag ist nicht Anthropics erster Griff zu externer Rechenkapazität in diesem Jahr. Im August hatte sich das Unternehmen bereits für 45 Milliarden Dollar Rechenleistung beim Anbieter Nscale gesichert, zuvor folgte ein 35-Milliarden-Dollar-Deal mit Lambda. Berichten von The Information zufolge kommt Anthropic damit binnen elf Monaten auf Rechenleistungs-Zusagen von bis zu 517 Milliarden Dollar – eine Summe, die das Unternehmen selbst nicht offiziell bestätigt. Auch mit Meta verhandelte Anthropic im Sommer über einen möglichen Zehn-Milliarden-Dollar-Deal für Rechenkapazität, ohne dass beide Seiten einen Abschluss bestätigten. Die Serie an Vereinbarungen fällt in eine Phase, in der sich Anthropic Berichten zufolge auf einen Börsengang vorbereitet und parallel milliardenschwere Verpflichtungen eingeht, die künftige Einnahmen absichern sollen, aber auch das Ausfallrisiko einzelner Cloud-Partner erhöhen.
Entscheidend wird, ob Anthropic die volle Kapazität aus dem Akamai-Vertrag überhaupt abruft, bevor 2027 die ersten Zahlungen fällig werden, oder ob der Bedarf an CPU-nahen Workloads schneller wächst als die derzeit im Fokus stehenden GPU-Cluster. Auffällig ist zudem das Muster: Anthropic bezahlt Infrastruktur-Partner zunehmend nicht nur in bar, sondern räumt ihnen wie bei Akamai auch Optionsscheine ein – ein Signal dafür, dass sich Cloud-Anbieter zunehmend als Mitinvestoren an Anthropics Wachstum beteiligen wollen, statt nur als Dienstleister aufzutreten.


