Der britische Infrastruktur-Anbieter Nscale hat sich vor seinem geplanten Börsengang an der New Yorker Börse 3,36 Milliarden Dollar über Wandelanleihen gesichert. Angeführt hat die Runde der Hedgefonds Third Point, rund eine Milliarde Dollar davon kommt Mitte November von Bestandsinvestor Nvidia. Das Kapital soll vor allem den weltweiten Ausbau der Rechenzentren des Unternehmens finanzieren.
Wandelanleihen sichern Aktien beim Börsengang
Wie Nscale in einer Pressemitteilung bekanntgab, zeichnete neben Third Point ein breiter Kreis institutioneller Investoren die Anleihe, darunter Apollo, Citadel, die Abu Dhabi Investment Council, Wellington Management sowie mehrere spezialisierte Hedgefonds. 2,36 Milliarden Dollar fließen sofort, die restliche Milliarde von Nvidia folgt Mitte November. Die Wandelanleihen wandeln sich automatisch in Stammaktien um, sobald der Börsengang abgeschlossen ist – Nvidia erhält dabei stimmrechtslose Anteile und damit keinen direkten Einfluss auf die Unternehmensführung. Solche Wandelanleihen sind bei kapitalhungrigen KI-Infrastrukturfirmen inzwischen ein verbreitetes Instrument, weil sie Investoren einen späteren Umtausch in Aktien zum Börsenpreis sichern, ohne dass vorher eine feste Unternehmensbewertung feststehen muss. Nscale hatte bereits am 18. September eine Registrierungserklärung bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und will an der New Yorker Börse unter dem Kürzel NSCL notieren. Der Börsenprospekt nennt eine angestrebte Bewertung von bis zu 35 Milliarden Dollar; beim eigentlichen Börsengang will das Unternehmen zusätzlich rund drei Milliarden Dollar einsammeln. Federführend bei der Emission sind laut Prospekt Goldman Sachs, J.P. Morgan und Morgan Stanley.
Microsoft und Anthropic tragen den Großteil der Verträge
Nscale ist erst 2024 aus dem australischen Krypto-Miner Arkon Energy hervorgegangen und hat sich seither zu einem der größten Neocloud-Anbieter für gemietete KI-Rechenleistung entwickelt, mit Sitz in London und Rechenzentren unter anderem in Norwegen und im US-Bundesstaat West Virginia. Im Aufsichtsgremium sitzen mit der früheren Meta-Managerin Sheryl Sandberg und dem früheren britischen Vizepremier Nick Clegg zwei prominente Namen, die dem Unternehmen vor dem Börsengang zusätzliche Sichtbarkeit verschaffen. Aus dem Börsenprospekt geht ein Vertragsvolumen von rund 103 Milliarden Dollar hervor, von dem laut Fortune ein Teil noch nicht endgültig bindend ist. Etwa 85 Prozent entfallen auf zwei Kunden: Microsoft sichert sich Rechenleistung im Wert von 43,8 Milliarden Dollar bis 2033, und Anthropic mietet für 45 Milliarden Dollar Kapazität auf dem Monarch-Campus in West Virginia, wie beckmann.ai bereits berichtete. Auch der Roboterhersteller Figure zählt zu den Kunden: Er sicherte sich im September Rechenleistung im Wert von 3,5 Milliarden Dollar, mit Option auf über sechs Milliarden. Zum Vergleich: Der bereits an der Nasdaq notierte Konkurrent CoreWeave erzielt laut Fortune rund 77 Prozent seines Umsatzes mit nur zwei Großkunden. Die Konzentration auf wenige Vertragspartner gilt in der Branche als Risiko, weil ein ausbleibender Auftrag die Auslastung der teuren Rechenzentren empfindlich träfe.
Verluste wachsen schneller als der Umsatz
Der Umsatz von Nscale stieg im ersten Halbjahr 2026 nach Angaben aus dem Prospekt von 10,4 auf 140,6 Millionen Dollar. Gleichzeitig kletterte der Nettoverlust im selben Zeitraum von 369 Millionen auf 1,02 Milliarden Dollar – eine Folge der hohen Vorlaufkosten für Chips, Grundstücke und Stromanschlüsse, die beim Aufbau neuer Rechenzentren anfallen, bevor die zugehörigen Verträge Umsatz einspielen. Eine solche Lücke zwischen Umsatz und Verlust gilt in der Branche als typisch für die frühe Bauphase kapitalintensiver Rechenzentrums-Campusse, deren Erträge oft erst Jahre nach dem ersten Spatenstich anfallen. Nvidia-Chef Jensen Huang verteidigte das Engagement seines Unternehmens gegenüber Fortune: „Ohne unsere Unterstützung wäre Nscale nicht dort, wo es heute steht.” Der Satz beschreibt ein Muster, das in der Branche zunehmend Kritik auf sich zieht: Nvidia investiert in Cloud-Anbieter wie Nscale, die wiederum Nvidia-Chips kaufen und an KI-Firmen weitervermieten – ein Kreislauf, der Nachfrage und Lieferantenbindung zugleich sichert. Ähnliche Dynamiken prägen inzwischen die gesamte Branche: Anthropic allein kommt Berichten zufolge auf branchenweite Rechenleistungs-Zusagen von bis zu 517 Milliarden Dollar.
Offen bleibt, ob Anleger einem Unternehmen mit einem Halbjahresverlust in Milliardenhöhe tatsächlich eine Bewertung von 35 Milliarden Dollar zugestehen, sobald die Aktie handelbar ist. Ein konkretes Datum für den Börsengang hat Nscale bislang nicht genannt; die Investoren der aktuellen Wandelanleihe tragen das Risiko bis dahin bereits mit, da sich ihr Kapital erst beim Listing in Aktien umwandelt.


