KI-Wirtschaft

Anthropic mietet bei Nscale Rechenleistung für 45 Milliarden Dollar

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Anthropic mietet für 45 Milliarden Dollar Rechenleistung beim britischen Infrastruktur-Anbieter Nscale. Der Sechsjahresvertrag deckt 460 Megawatt auf dessen Monarch-Campus in West Virginia ab, ausgestattet mit Nvidias neuen Vera-Rubin-Chips. Ursprünglich hatte sich Microsoft die Fläche gesichert, zog sich aber im Sommer 2026 zurück. Es ist der jüngste einer Serie milliardenschwerer Rechenleistungs-Deals vor Anthropics geplantem Börsengang.

Eine Hand mit Anthropic-Logo steckt einen Nvidia-Chip in eine Serverreihe mit Nscale-Logo, im Hintergrund liegt eine Karte von West Virginia unter einem Banknotenstapel. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Sechsjahresvertrag deckt 460 Megawatt Rechenleistung ab – rechnerisch der Jahresstromverbrauch von rund 374.000 US-Haushalten.
  • Nvidias neue Vera-Rubin-Chips sollen die gemietete Kapazität ab Ende 2027 in Betrieb nehmen.
  • Microsoft hatte sich die Fläche im März 2026 per Absichtserklärung gesichert, zog sich aber im Sommer wieder zurück.
  • Nscale, ein Londoner Anbieter mit Sheryl Sandberg und Nick Clegg im Aufsichtsgremium, plant selbst frühestens im September einen US-Börsengang.
  • Der Deal ist Teil von Anthropics 2026 auf über 180 Milliarden Dollar summierten Rechenleistungs-Zusagen.
  • Anthropic hat im Juni 2026 vertraulich einen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht.

Anthropic mietet beim britischen Infrastruktur-Anbieter Nscale für rund 45 Milliarden Dollar Rechenleistung. Der Sechsjahresvertrag sichert dem KI-Konzern 460 Megawatt Kapazität auf einem neuen Rechenzentrums-Campus in West Virginia, ausgestattet mit Nvidias kommenden Vera-Rubin-Chips. Ursprünglich hatte sich Microsoft die Fläche gesichert, zog sich aber im Sommer 2026 wieder zurück.

Nvidia-Chips laufen ab Ende 2027 im Monarch-Campus an

Der Vertrag betrifft Nscales Monarch-Campus im Mason County im US-Bundesstaat West Virginia. Das Gelände umfasst nach Unternehmensangaben bis zu 2.250 Acres, umgerechnet rund 910 Hektar, und soll auf eine Gesamtleistung von mehr als acht Gigawatt wachsen. Anthropics Anteil von 460 Megawatt entspricht rechnerisch etwa dem Jahresstromverbrauch von 374.000 US-Haushalten; unabhängig verifiziert ist diese Vergleichsrechnung nicht. Die Kapazität soll in mehreren Tranchen ab Ende 2027 ans Netz gehen und dann mit Nvidias neuer Vera-Rubin-Generation laufen, die laut TechCrunch mehrere unterschiedliche Chip-Typen in einem gemeinsamen System kombiniert. Nach eigenen Angaben betreibt Nscale auf dem Gelände bereits heute gut ein Gigawatt installierte Kapazität und wirbt zudem mit der Nähe zu den etablierten Rechenzentrums-Regionen um Ashburn und Chicago. Der Betrieb soll komplett unabhängig vom regionalen Stromnetz und ohne Belastung des kommunalen Wassernetzes laufen.

Microsoft weicht der Fläche, Anthropic übernimmt

Die Fläche in West Virginia hatte ursprünglich Microsoft reserviert: Der Software-Konzern unterzeichnete im März 2026 eine Absichtserklärung über 1,35 Gigawatt auf dem Gelände, ebenfalls mit Nvidias Vera-Rubin-Chips. Im Sommer 2026 zog sich Microsoft wieder zurück; Gründe nannte keines der beiden Unternehmen. Anthropic übernahm anschließend einen Teil der frei gewordenen Kapazität.

Nscale selbst ist erst zwei Jahre alt, hat seinen Sitz in London und besetzt sein Aufsichtsgremium prominent: Mit an Bord sitzen die frühere Meta-Managerin Sheryl Sandberg und der frühere britische Vizepremierminister Nick Clegg, der zuletzt Metas globale Kommunikationsabteilung leitete. Laut The Next Web bereitet das Unternehmen einen eigenen Börsengang in den USA vor, möglicherweise bereits im September 2026. Der Anthropic-Vertrag ist damit der bislang größte Einzelposten in Nscales vertraglich gesichertem Umsatzvolumen von 51 Milliarden Dollar, nachdem das Unternehmen zuletzt nur quartalsweise Neuaufträge von rund 100 Millionen Dollar vermeldet hatte.

Deal reiht sich in Anthropics Milliarden-Serie vor dem Börsengang ein

Der Nscale-Vertrag reiht sich in eine lange Serie ähnlicher Vereinbarungen ein, mit denen Anthropic seit Monaten Rechenleistung sichert. Erst im August hatte der Konzern mit den Investoren Macquarie und GIC die Plattform Theseus Infrastructure für weitere US-Rechenzentren gegründet und zuvor beim Start-up Volta Kapazität in Norwegen gemietet; im Juli hatte zudem Meta über einen Zehn-Milliarden-Dollar-Deal mit dem eigentlichen Konkurrenten verhandelt. Insgesamt kommt Anthropic damit im Jahr 2026 Berichten zufolge auf Rechenleistungs-Zusagen von mehr als 180 Milliarden Dollar.

Anthropic begründet den Kapazitätshunger mit der wachsenden Nachfrage nach Claude, die zeitweise zu Verzögerungen und Ausfällen bei Stoßzeiten geführt habe. Der Ausbau soll solche Engpässe für Geschäftskundinnen und -kunden künftig verringern. Die Investitionen fallen zudem in eine sensible Phase: Anthropic hatte im Juni 2026 vertraulich einen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht, nachdem der Konzern im Mai bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar frisches Kapital eingesammelt hatte.

Offen bleibt, ob der zusätzliche Rechenleistungs-Zufluss die Verzögerungen bei Claude tatsächlich spürbar lindert, bevor Anthropic mit dem eigentlichen Börsengang an die Öffentlichkeit geht. Entscheidend wird auch, wie belastbar Nscales eigene Finanzierung ist: Das erst zwei Jahre alte Unternehmen stemmt mit dem Vollausbau des Monarch-Campus ein Projekt im zweistelligen Milliardenbereich, während es parallel selbst um einen Börsengang wirbt.

Häufige Fragen

Ist der Deal zwischen Anthropic und Nscale offiziell bestätigt?

Nein. Beide Unternehmen haben sich bislang nicht öffentlich dazu geäußert; die Angaben stammen aus übereinstimmenden Medienberichten, die sich auf mit den Verhandlungen vertraute Personen berufen.

Wann wirkt sich die zusätzliche Rechenleistung auf Claude aus?

Die Kapazität soll erst in mehreren Tranchen ab Ende 2027 ans Netz gehen, spürbare Effekte auf Claudes Verfügbarkeit dürften also frühestens dann eintreten.

Was unterscheidet den Nscale-Deal von Anthropics anderen Rechenleistungs-Verträgen?

Anders als beim Leasing-Modell mit Macquarie und GIC oder der Kreditkonstruktion mit Google mietet Anthropic bei Nscale direkt Kapazität eines einzelnen, bereits erschlossenen Campus mit eigener Stromversorgung.

Warum hatte Microsoft die Fläche wieder aufgegeben?

Weder Microsoft noch Nscale haben einen Grund für den Rückzug im Sommer 2026 genannt.

Betrifft der Deal auch Kundinnen und Kunden in Deutschland oder Europa?

Nicht direkt – der Campus steht in West Virginia in den USA, vergleichbare Anthropic-Projekte in Europa beschränken sich bislang auf Einzelvorhaben wie den Volta-Standort in Norwegen.

Quellen (4)
  1. TechCrunch: Anthropic continues compute-gobbling streak in $45 billion deal with Nscale
  2. Nscale: 1.35GW AI factory campus in West Virginia (Pressemitteilung)
  3. The Next Web: Anthropic signs $45B compute deal with Britain's Nscale
  4. VKTR: Anthropic Signs $45 Billion Compute Deal With Nscale for 460 Megawatts in West Virginia

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