Anthropic gründet mit dem Finanzinvestor Macquarie Asset Management und dem Staatsfonds GIC ein neues Gemeinschaftsunternehmen für Rechenzentren: Theseus Infrastructure. Die Plattform soll Rechenzentren in den USA bauen und ausschließlich an Anthropic vermieten. Wie viel Geld die drei Partner investieren, teilen sie nicht mit.
Macquarie und GIC tragen das Baurisiko
Theseus Infrastructure entsteht als eigenständige Plattform, die Rechenzentren plant, baut und betreibt – und die fertigen Anlagen anschließend langfristig an Anthropic vermietet. Laut der gemeinsamen Mitteilung von Macquarie übernehmen von Macquarie Asset Management verwaltete Fonds gemeinsam mit dem Staatsfonds GIC den Großteil des benötigten Eigenkapitals für jedes einzelne Projekt. Anthropic selbst tritt als Ankermieter auf und zahlt über die Vertragslaufzeit für die Nutzung der Kapazität, baut die Anlagen aber nicht auf eigene Rechnung. Das Modell ähnelt einem Leasing: Statt Milliarden in eigene Bauprojekte zu stecken, sichert sich der KI-Konzern Rechenleistung über feste Mietverträge, während die Investoren das Baurisiko tragen. Zusätzlich verpflichtet sich Anthropic, Strompreiserhöhungen auszugleichen, die Anwohnerinnen und Anwohner durch Bau und Betrieb der Rechenzentren treffen könnten. Wie viele Standorte geplant sind, welche Leistung sie in Megawatt liefern sollen oder wann der erste Spatenstich fällt, teilen die drei Partner nicht mit.
Der Deal reiht sich in eine Serie von Kapazitäts-Vereinbarungen ein
Theseus ist bereits die dritte große Rechenleistungs-Vereinbarung, die Anthropic innerhalb weniger Wochen bekanntgibt. Anfang August hatte sich der Konzern laut übereinstimmenden Berichten Rechenleistung für zehn Milliarden Dollar beim norwegischen Start-up Volta gesichert, das dafür ein Rechenzentrum im Ort Tydal baut. Wenige Tage zuvor hatte Anthropic zusammen mit Google, Broadcom, Apollo und Blackstone eine rund 200 Milliarden Dollar schwere Kreditkonstruktion aufgesetzt, um sich Zugang zu Googles Rechenchips zu sichern – obwohl das Unternehmen über kein eigenes Kreditrating verfügt. Bereits im Juli hatten New York Times und Reuters übereinstimmend berichtet, dass sogar Meta über einen möglichen Zehn-Milliarden-Dollar-Deal mit dem direkten Konkurrenten Anthropic verhandelt. Gemeinsam ist allen drei Vereinbarungen, dass Anthropic selbst kaum eigenes Kapital einsetzt, sondern Rechenleistung mietet oder über Drittfinanzierung sichert. Bloomberg ordnet das Theseus-Vorhaben in eine Reihe mit dem Stargate-Programm von OpenAI ein, das ein ähnliches Ziel mit anderer Finanzierungsstruktur verfolgt.
Der Bauboom bei KI-Rechenzentren beschleunigt sich
Der Theseus-Deal reiht sich in einen branchenweiten Bauboom ein. Der Auftragsfertiger TSMC vermeldete für Juli ein Umsatzplus von 45 Prozent, Intel sammelte zuletzt 15 Milliarden Dollar frisches Kapital ein, und Nvidia beteiligte sich mit bis zu drei Milliarden Dollar am Stromversorger Lancium – Investitionen, die vor allem den steigenden Energiebedarf von KI-Rechenzentren decken sollen. Laut Mitteilung der Partner sollen durch Theseus Infrastructure tausende Bau- und Betriebsstellen in den jeweiligen Standort-Regionen entstehen, eine genaue Zahl nennen sie nicht. Auch Amazon und Microsoft bauen derzeit eigene Kapazitäten aus, etwa mit einem Gaskraftwerk in Texas beziehungsweise neuen Servern in der Azure-Cloud. Anders als bei diesen Projekten übernimmt Anthropic bei Theseus weder Bau noch Betrieb selbst, sondern bindet sich nur über Mietverträge. Für Investoren wie Macquarie und GIC, die üblicherweise in Infrastruktur wie Häfen oder Stromnetze investieren, werden KI-Rechenzentren damit zu einer neuen, planbaren Anlageklasse mit langfristigen Cashflows.
Offen bleibt, wie groß Theseus Infrastructure tatsächlich wird und ob die Plattform künftig auch außerhalb der USA aktiv wird – für Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland und Europa hat der Deal bislang keinen direkten Bezug, da sich vergleichbare Anthropic-Projekte in Europa bisher auf Einzelvorhaben wie den Volta-Standort in Norwegen beschränken. Entscheidend wird, ob sich das Leasing-Modell als tragfähiger erweist als die schuldenbasierten Konstruktionen der vergangenen Monate – oder ob Anthropic am Ende beide Wege parallel braucht, um mit dem Rechenleistungsbedarf für Claude Schritt zu halten.


