Nvidia hat sich am 10. August 2026 mit sechs Finanzkonzernen auf neue Finanzierungsplattformen für KI-Rechenzentren geeinigt. Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR sollen zusammen mehr als 500 Milliarden Dollar an externem Kapital für den Ausbau von Recheninfrastruktur bereitstellen. Nvidias eigene Chips dienen den Investoren dabei erstmals selbst als Sicherheit für die Kredite.
Sechs Partner strukturieren Kredite für Rechenzentren
Die neuen Plattformen entstehen als eigenständige Finanzierungsvehikel außerhalb der Nvidia-Bilanz, teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Apollo stellt eine breite, langfristige Kapitalbasis bereit, BlackRock verbindet institutionelles Kapital mit der Infrastruktur, und Blackstone baut sein bestehendes Engagement im Nvidia-Ökosystem weiter aus. Brookfield bringt Erfahrung beim Skalieren von KI-Fabriken ein, Goldman Sachs übernimmt Investment- und Vertriebsrollen sowie den Aufbau neuer Kreditmärkte, KKR setzt langfristiges Infrastrukturkapital ein.
Verbindliche Verträge stehen noch aus: Die sechs Häuser haben bislang lediglich Absichtserklärungen mit Nvidia unterzeichnet, ein Zeitplan für die ersten Transaktionen fehlt. Ziel sei es, Nvidia-Kunden – KI-Labore, Unternehmen und Cloud-Anbieter – Zugang zu langfristigen Krediten zu attraktiven Konditionen für den Bau von Rechenzentren zu verschaffen, statt dass diese allein auf Eigenkapital oder klassische Bankkredite angewiesen bleiben.
Für Nvidia hat die Konstruktion einen weiteren Vorteil: Bislang finanzierte der Konzern einen Teil seiner Kundenbeziehungen über eigene Beteiligungen und Vorabzahlungen, etwa bei OpenAI und CoreWeave. Die neuen Plattformen verlagern einen Großteil dieses Kapitalbedarfs auf externe Investoren und entlasten damit die eigene Bilanz, während Nvidia weiterhin an jedem verkauften Chip verdient.
Nvidia-Chips werden zur Sicherheit für Milliardenkredite
Kern der Konstruktion ist, dass Nvidias Rechenchips selbst als werthaltige, langlebige Vermögenswerte gelten. Firmenchef Jensen Huang sagte gegenüber Yahoo Finance, dies sei „das erste Mal, dass Technologie-Chips zu einer investierbaren Anlageklasse werden”. Rechenzentren-Hardware erzeuge wiederkehrende Umsätze, lasse sich flexibel zwischen Kunden umverteilen und werde durch Nvidias Software CUDA über Jahre hinweg nutzbar gehalten.
Für einzelne Projekte übernehme Nvidia zusätzlich eine Restwertgarantie von bis zu 25 Prozent, falls die finanzierte Infrastruktur an Wert verliert – unabhängig nicht verifiziert, da weder Nvidia noch die Partner Details zu einzelnen Kapitalzusagen offenlegen. Die beteiligten institutionellen Investoren bewerten dafür jeweils eigenständig, wie belastbar Kundennachfrage, Zahlungsströme und der Wiederverkaufswert der Anlagen sind, bevor sie Kapital bereitstellen.
Anders als bei klassischen Firmenkrediten hängt die Kreditwürdigkeit hier also nicht an der Bonität einzelner KI-Start-ups, sondern an der Werthaltigkeit der Nvidia-Hardware selbst. Das erleichtert Finanzierungen auch für junge, noch nicht profitable Unternehmen, die als eigenständige Kreditnehmer bei Banken kaum Chancen hätten – ein Modell, das Nvidia bereits bei einzelnen Rechenzentrumsprojekten getestet hat, nun aber auf breiter Front über sechs Partner ausrollt.
Aktie fällt trotz Rekordsumme, Kritiker warnen vor Zirkelgeschäften
Trotz der historischen Summe reagierte die Börse verhalten: Die Nvidia-Aktie gab am Ankündigungstag im regulären Handel rund drei Prozent nach und erholte sich nachbörslich nur um 0,7 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt das Papier mit knapp 17 Prozent im Plus – deutlich hinter dem Halbleiterindex Philadelphia Semiconductor, der im gleichen Zeitraum um mehr als 74 Prozent zulegte.
Ein Teil der Zurückhaltung dürfte, wie The National berichtet, an wachsender Sorge um zirkuläre Finanzierung liegen: Nvidia hat in den vergangenen Monaten bereits Hunderte Milliarden Dollar an Geschäften mit Kunden aus dem eigenen KI-Ökosystem abgeschlossen, was manche Investoren als künstlich angeheizte Nachfrage werten. Die neue Plattform reiht sich in eine Serie ähnlicher Finanzierungskonstruktionen ein, darunter der 200-Milliarden-Dollar-Chipdeal zwischen Google und Anthropic sowie Anthropics neues Rechenzentrums-Gemeinschaftsunternehmen Theseus Infrastructure mit Macquarie und dem Staatsfonds GIC. Auch die vor zwei Jahren gegründete AI Infrastructure Partnership von BlackRock, Microsoft und dem Investmentvehikel MGX der Vereinigten Arabischen Emirate verfolgt ein ähnliches Modell.
Der eigentliche Knackpunkt ist, ob die beteiligten Vermögensverwalter tatsächlich unabhängig bewerten, wie werthaltig Recheninfrastruktur über zehn oder mehr Jahre Kreditlaufzeit bleibt, wenn neue Chip-Generationen ältere Anlagen schneller entwerten als in klassischen Rechenzentren üblich. Bislang fehlen sowohl unterschriebene Endverträge als auch ein öffentlicher Zeitplan für die ersten Transaktionen der sechs Finanzpartner.


