KI-Wirtschaft

Nvidia hält 9,3 Prozent am KI-Cloud-Anbieter Nebius

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Nvidia-Grafikprozessoren in einem Serverrack eines Nebius-Rechenzentrums, im Hintergrund ein ansteigender Aktienkurs Generiertes Bild mit GPT Image 2
Nvidia-Grafikprozessoren in einem Serverrack eines Nebius-Rechenzentrums, im Hintergrund ein ansteigender Aktienkurs

TL;DR Too Long; Didn’t read

Nvidia hält laut einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC einen Anteil von 9,3 Prozent am KI-Cloud-Anbieter Nebius. Die Position umfasst rund 22,3 Millionen Aktien und stammt größtenteils aus einem Optionsschein der ursprünglichen Zwei-Milliarden-Dollar-Investition vom März 2026. Die Nebius-Aktie legte nach Bekanntwerden der Offenlegung zeitweise um sieben Prozent zu.

Das Wichtigste in Kürze

  • SEC-Unterlagen zeigen: Nvidia besitzt rund 22,3 Millionen Nebius-Aktien, überwiegend über einen noch ungenutzten Optionsschein.
  • Der Optionsschein darf laut Vereinbarung erst ab dem 11. September 2026 eingelöst oder verkauft werden.
  • Nebius entstand 2024 als Ausgründung aus dem russischen Suchmaschinenkonzern Yandex und notiert seither an der Nasdaq.
  • Das Unternehmen peilt bis Ende 2030 mehr als fünf Gigawatt an Nvidia-gestützter Rechenkapazität an.
  • Nvidia schloss im Januar bereits eine nahezu identische Optionsschein-Vereinbarung mit dem Cloud-Anbieter CoreWeave ab.
  • Der Analyst Freedom Capital Markets stufte Nebius am Montag hoch und verwies auf eine Anleihe über 775 Millionen Dollar.

Der Chiphersteller Nvidia besitzt einen Anteil von 9,3 Prozent am niederländischen KI-Cloud-Betreiber Nebius, wie aus einer am 20. Juli bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Meldung hervorgeht. Der Großteil der rund 22,3 Millionen Aktien liegt als noch nicht ausgeübter Optionsschein vor, der auf eine Zwei-Milliarden-Dollar-Vereinbarung vom März zurückgeht. Anleger reagierten mit Käufen, die Nebius-Aktie legte an zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen deutlich zu.

Optionsschein geht auf Partnerschaft vom März zurück

Nvidia investierte im März 2026 zwei Milliarden Dollar in Nebius – nicht über einen klassischen Aktienkauf, sondern über einen vorfinanzierten Optionsschein auf rund 21,1 Millionen Aktien zum symbolischen Preis von 0,0001 Dollar je Stück. Die Vereinbarung umfasste zugleich eine strategische Partnerschaft: Nebius erhält frühen Zugriff auf Nvidias neueste Hardware-Plattformen sowie Unterstützung beim Design sogenannter KI-Fabriken. Im Gegenzug soll Nebius bis Ende 2030 mehr als fünf Gigawatt an Nvidia-gestützter Rechenkapazität aufbauen.

Nvidia-Chef Jensen Huang begründete den Schritt seinerzeit mit dem wachsenden Rechenbedarf agentischer KI-Systeme, die eigenständig mehrstufige Aufgaben bearbeiten. Eine strukturell nahezu identische Optionsschein-Vereinbarung über ebenfalls zwei Milliarden Dollar hatte Nvidia bereits im Januar 2026 mit dem Cloud-Anbieter CoreWeave getroffen – dem bislang engsten Vergleichsfall für das nun bei Nebius offengelegte Modell. Beide Male band sich Nvidia damit nicht nur als Zulieferer, sondern auch als Kapitalgeber an einen zentralen Baustein seiner eigenen Rechenzentrums-Nachfrage. Beobachter werten das wiederkehrende Muster als Versuch, sich langfristigen Zugriff auf Rechenkapazität zu sichern, ohne selbst zusätzliche Rechenzentren bauen zu müssen.

Nebius baut Cloud-Kapazität abseits der Yandex-Wurzeln auf

Nebius ging 2024 aus dem russischen Technologiekonzern Yandex hervor und hat seinen Sitz inzwischen in Amsterdam; das Unternehmen notiert unter dem Kürzel NBIS an der Nasdaq. Als sogenannter Neocloud-Anbieter – ein auf KI-Rechenzentren spezialisierter Betreiber ohne die breite Produktpalette klassischer Hyperscaler wie Amazon oder Microsoft – stellt Nebius Infrastruktur für Modelltraining, Inferenz und den Aufbau kompletter KI-Fabriken bereit. Neben Nebius zählt vor allem CoreWeave zu den bekanntesten Anbietern dieser Kategorie, die zuletzt stark von der Nachfrage nach GPU-Kapazität profitierten.

Die Nebius-Aktie reagierte auf die SEC-Offenlegung mit Kursgewinnen an zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen: Am Montagabend zog der Kurs nachbörslich um drei Prozent an, am Dienstag im vorbörslichen Handel um bis zu sieben Prozent. Der Börsenwert lag am Dienstagvormittag bei rund 46 Milliarden Dollar – ein unabhängig nicht verifizierter Momentwert, der sich mit dem Kurs fortlaufend ändert. Der Analyst von Freedom Capital Markets stufte die Aktie bereits am Montag auf Kaufen hoch und nannte eine kürzlich platzierte Anleihe über 775 Millionen Dollar als positiven Katalysator für den weiteren Kapazitätsausbau.

Nvidia spannt Beteiligungsnetz über die KI-Lieferkette

Die Nebius-Beteiligung reiht sich in eine Serie ähnlicher Engagements Nvidias entlang der gesamten KI-Lieferkette ein: Der Chipkonzern hält vergleichbare Optionsscheine am Halbleiterzulieferer Marvell Technology, unterstützt zudem Synopsys, Coherent und Lumentum und beteiligte sich mit 30 Milliarden Dollar an OpenAIs 110-Milliarden-Dollar-Finanzierungsrunde sowie an Anthropics 30-Milliarden-Dollar-Runde. Der Anteil an Nebius selbst bleibt vorerst blockiert: Nvidia darf den Optionsschein frühestens ab dem 11. September 2026 einlösen oder die daraus entstehenden Aktien verkaufen.

Kritiker werfen Nvidia vor, sich mit solchen Optionsscheinen zugleich als wichtigster Zulieferer und als Anteilseigner seiner eigenen Großkunden zu positionieren – ein Modell, das die Nachfrage nach eigenen Chips zusätzlich absichert. Nvidia äußerte sich in der SEC-Meldung nicht zu den strategischen Motiven hinter der Beteiligung; die Offenlegung beschränkt sich auf die reinen Eigentumsangaben. Für Wettbewerbshüter werfen solche wiederkehrenden Deals zunehmend die Frage auf, wie unabhängig belieferte Cloud-Anbieter angesichts der finanziellen Verflechtung mit ihrem wichtigsten Zulieferer künftig noch agieren können und Preise frei aushandeln.

Entscheidend wird, ob Nvidia den Optionsschein nach dem 11. September tatsächlich ausübt oder die Beteiligung vorerst als reines Finanzinstrument hält. Mit jeder weiteren Vereinbarung dieser Art verwischt die Grenze zwischen Zulieferer und Anteilseigner in der KI-Infrastruktur-Branche zusehends – für Unternehmen, die Rechenkapazität bei Nebius oder vergleichbaren Anbietern mieten, wächst damit auch die Abhängigkeit von Nvidias Preis- und Lieferentscheidungen.

Häufige Fragen

Was ist ein Optionsschein (Warrant) in diesem Zusammenhang?

Ein Optionsschein räumt Nvidia das Recht ein, zu einem festen, hier symbolischen Preis Nebius-Aktien zu beziehen, ohne dazu sofort verpflichtet zu sein. Erst mit der Ausübung entstehen die tatsächlichen Aktien und damit Stimmrechte.

Kontrolliert Nvidia damit Nebius?

Nein, 9,3 Prozent sind eine bedeutende, aber keine kontrollierende Beteiligung. Nebius bleibt eigenständig geführt und börsennotiert.

Ab wann kann Nvidia die Aktien verkaufen?

Laut der SEC-Meldung darf Nvidia den Optionsschein frühestens ab dem 11. September 2026 ausüben oder die zugrunde liegenden Aktien veräußern.

Wie unterscheidet sich das von der CoreWeave-Vereinbarung?

Nvidia hatte im Januar 2026 bereits einen strukturell nahezu identischen Zwei-Milliarden-Dollar-Optionsschein bei CoreWeave vereinbart. Beide Deals folgen demselben Muster aus Kapital, Vorzugszugang zu Hardware und langfristigen Kapazitätszusagen.

Was bedeutet der Deal für Unternehmen, die KI-Rechenleistung mieten?

Nebius zählt neben CoreWeave zu den größten unabhängigen Anbietern von KI-Rechenzentrumskapazität außerhalb der etablierten Hyperscaler. Nvidias wachsendes Beteiligungsnetz in diesem Segment kann langfristig Preise und Verfügbarkeit von gemieteter GPU-Kapazität beeinflussen, auch wenn sich das kurzfristig noch nicht in Tarifen niederschlägt.


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