Der Chiphersteller Nvidia besitzt einen Anteil von 9,3 Prozent am niederländischen KI-Cloud-Betreiber Nebius, wie aus einer am 20. Juli bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Meldung hervorgeht. Der Großteil der rund 22,3 Millionen Aktien liegt als noch nicht ausgeübter Optionsschein vor, der auf eine Zwei-Milliarden-Dollar-Vereinbarung vom März zurückgeht. Anleger reagierten mit Käufen, die Nebius-Aktie legte an zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen deutlich zu.
Optionsschein geht auf Partnerschaft vom März zurück
Nvidia investierte im März 2026 zwei Milliarden Dollar in Nebius – nicht über einen klassischen Aktienkauf, sondern über einen vorfinanzierten Optionsschein auf rund 21,1 Millionen Aktien zum symbolischen Preis von 0,0001 Dollar je Stück. Die Vereinbarung umfasste zugleich eine strategische Partnerschaft: Nebius erhält frühen Zugriff auf Nvidias neueste Hardware-Plattformen sowie Unterstützung beim Design sogenannter KI-Fabriken. Im Gegenzug soll Nebius bis Ende 2030 mehr als fünf Gigawatt an Nvidia-gestützter Rechenkapazität aufbauen.
Nvidia-Chef Jensen Huang begründete den Schritt seinerzeit mit dem wachsenden Rechenbedarf agentischer KI-Systeme, die eigenständig mehrstufige Aufgaben bearbeiten. Eine strukturell nahezu identische Optionsschein-Vereinbarung über ebenfalls zwei Milliarden Dollar hatte Nvidia bereits im Januar 2026 mit dem Cloud-Anbieter CoreWeave getroffen – dem bislang engsten Vergleichsfall für das nun bei Nebius offengelegte Modell. Beide Male band sich Nvidia damit nicht nur als Zulieferer, sondern auch als Kapitalgeber an einen zentralen Baustein seiner eigenen Rechenzentrums-Nachfrage. Beobachter werten das wiederkehrende Muster als Versuch, sich langfristigen Zugriff auf Rechenkapazität zu sichern, ohne selbst zusätzliche Rechenzentren bauen zu müssen.
Nebius baut Cloud-Kapazität abseits der Yandex-Wurzeln auf
Nebius ging 2024 aus dem russischen Technologiekonzern Yandex hervor und hat seinen Sitz inzwischen in Amsterdam; das Unternehmen notiert unter dem Kürzel NBIS an der Nasdaq. Als sogenannter Neocloud-Anbieter – ein auf KI-Rechenzentren spezialisierter Betreiber ohne die breite Produktpalette klassischer Hyperscaler wie Amazon oder Microsoft – stellt Nebius Infrastruktur für Modelltraining, Inferenz und den Aufbau kompletter KI-Fabriken bereit. Neben Nebius zählt vor allem CoreWeave zu den bekanntesten Anbietern dieser Kategorie, die zuletzt stark von der Nachfrage nach GPU-Kapazität profitierten.
Die Nebius-Aktie reagierte auf die SEC-Offenlegung mit Kursgewinnen an zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen: Am Montagabend zog der Kurs nachbörslich um drei Prozent an, am Dienstag im vorbörslichen Handel um bis zu sieben Prozent. Der Börsenwert lag am Dienstagvormittag bei rund 46 Milliarden Dollar – ein unabhängig nicht verifizierter Momentwert, der sich mit dem Kurs fortlaufend ändert. Der Analyst von Freedom Capital Markets stufte die Aktie bereits am Montag auf Kaufen hoch und nannte eine kürzlich platzierte Anleihe über 775 Millionen Dollar als positiven Katalysator für den weiteren Kapazitätsausbau.
Nvidia spannt Beteiligungsnetz über die KI-Lieferkette
Die Nebius-Beteiligung reiht sich in eine Serie ähnlicher Engagements Nvidias entlang der gesamten KI-Lieferkette ein: Der Chipkonzern hält vergleichbare Optionsscheine am Halbleiterzulieferer Marvell Technology, unterstützt zudem Synopsys, Coherent und Lumentum und beteiligte sich mit 30 Milliarden Dollar an OpenAIs 110-Milliarden-Dollar-Finanzierungsrunde sowie an Anthropics 30-Milliarden-Dollar-Runde. Der Anteil an Nebius selbst bleibt vorerst blockiert: Nvidia darf den Optionsschein frühestens ab dem 11. September 2026 einlösen oder die daraus entstehenden Aktien verkaufen.
Kritiker werfen Nvidia vor, sich mit solchen Optionsscheinen zugleich als wichtigster Zulieferer und als Anteilseigner seiner eigenen Großkunden zu positionieren – ein Modell, das die Nachfrage nach eigenen Chips zusätzlich absichert. Nvidia äußerte sich in der SEC-Meldung nicht zu den strategischen Motiven hinter der Beteiligung; die Offenlegung beschränkt sich auf die reinen Eigentumsangaben. Für Wettbewerbshüter werfen solche wiederkehrenden Deals zunehmend die Frage auf, wie unabhängig belieferte Cloud-Anbieter angesichts der finanziellen Verflechtung mit ihrem wichtigsten Zulieferer künftig noch agieren können und Preise frei aushandeln.
Entscheidend wird, ob Nvidia den Optionsschein nach dem 11. September tatsächlich ausübt oder die Beteiligung vorerst als reines Finanzinstrument hält. Mit jeder weiteren Vereinbarung dieser Art verwischt die Grenze zwischen Zulieferer und Anteilseigner in der KI-Infrastruktur-Branche zusehends – für Unternehmen, die Rechenkapazität bei Nebius oder vergleichbaren Anbietern mieten, wächst damit auch die Abhängigkeit von Nvidias Preis- und Lieferentscheidungen.


