KI-Wirtschaft

Lovable sammelt 400 Millionen Dollar von der EU ein

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Das schwedische KI-Start-up Lovable hat 400 Millionen Dollar Wagniskapital eingesammelt und wird nun mit 13,3 Milliarden Dollar bewertet. Mitinvestor ist der von der EU finanzierte Scaleup Europe Fund, der wachstumsstarke europäische Techfirmen am Umzug in die USA hindern soll. Der Jahresumsatz von Lovable soll bis Ende August auf 600 Millionen Dollar steigen.

Ein Baum mit Lovable-Logo-Sticker in der Krone wächst aus einem mit EU-Sternen verzierten Blumentopf, während eine Gießkanne Dollarscheine über ihn gießt. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Lovable verdoppelt seine Bewertung binnen acht Monaten von 6,6 auf 13,3 Milliarden Dollar.
  • Der EU-nahe Scaleup Europe Fund steigt mit einer seiner ersten Investitionen bei Lovable ein.
  • Seit dem Start im November 2024 entstanden über 60 Millionen Projekte auf der Plattform.
  • Fast zwei Drittel der Fortune-500-Mitarbeiter nutzen Lovable eigenen Angaben zufolge bereits.
  • Konkurrent Cognition verhandelt zeitgleich über eine Bewertung von 40 Milliarden Dollar.
  • Lovable will sein Team bis Ende 2026 auf rund 450 Beschäftigte aufstocken.

Das schwedische KI-Start-up Lovable hat eine Series-C-Finanzierung über 400 Millionen Dollar abgeschlossen, wie das Unternehmen im eigenen Blog mitteilte. Die neue Bewertung von 13,3 Milliarden Dollar ist doppelt so hoch wie im Dezember 2025. Angeführt wird die Runde von Menlo Ventures gemeinsam mit dem Scaleup Europe Fund, einem von der EU finanzierten Investitionsvehikel.

EU-Fonds greift europäischem KI-Anbieter unter die Arme

Der Scaleup Europe Fund verwaltet ein Volumen von rund fünf Milliarden Euro und wird im Auftrag des Europäischen Innovationsrats vom Investmenthaus EQT gesteuert. Der Fonds hatte Anfang August zunächst das Raumfahrtunternehmen ICEYE mitfinanziert, bevor er sich nun bei Lovable beteiligte. Ziel des Programms ist es, wachstumsstarke europäische Firmen davon abzuhalten, ihren Sitz in die USA zu verlegen oder dort an die Börse zu gehen. EQT-Partner Victor Englesson verwies laut The Next Web auf das britische KI-Unternehmen Nscale, das trotz europäischer Wurzeln einen Börsengang in den USA anstrebe – ein Muster, das der Fonds bei Lovable verhindern soll. Mitgründer Anton Osika sagte, Europa habe „ein Selbstvertrauensproblem, kein Talentproblem”. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Stockholm will diesen trotz internationaler Expansion beibehalten. Die Europäische Innovationsagentur EIC hatte EQT im Mai 2026 mit der Leitung des Fonds beauftragt; die Beteiligung an Lovable zählt zu den ersten öffentlich bekannten Investitionen des Vehikels. Für die EU ist der Einstieg auch ein politisches Signal: Anders als bei früheren europäischen KI-Erfolgen soll das Kapital diesmal von Beginn an aus Europa selbst kommen, statt das Feld US-Investoren zu überlassen.

Nutzerzahlen und Umsatz wachsen rasant

Bei Lovables Vibe Coding – dem Bauen von Software allein durch Texteingaben in natürlicher Sprache, ganz ohne klassischen Programmcode – sind seit dem Start im November 2024 über 60 Millionen Projekte entstanden. Die damit gebauten Anwendungen verzeichnen zusammen mehr als 900 Millionen Besuche im Monat. Der Jahresumsatz kletterte von 200 Millionen Dollar im November 2025 auf zuletzt rund 500 Millionen Dollar im Juni und soll bis Ende August auf 600 Millionen Dollar steigen. Fast zwei Drittel der Fortune-500-Mitarbeiter setzen die Software nach Unternehmensangaben inzwischen ein – unabhängig nicht verifiziert. Zu den Firmenkunden zählen die Deutsche Telekom, Adidas und Nvidia. Seit der Series B im Dezember 2025 hat Lovable zudem Zahlungsfunktionen, KI-Suchwerkzeuge sowie Integrationen mit Google Workspace, Microsoft 365 und Salesforce ergänzt und eine Sicherheitszertifizierung nach dem Standard AIUC-1 erhalten. Das Unternehmen will sein Team bis Ende 2026 auf rund 450 Beschäftigte vergrößern und dabei Standorte in London, Boston, San Francisco und New York ausbauen.

Konkurrenz um KI-Programmierwerkzeuge verschärft sich

Der Wettbewerb um KI-gestützte Programmierwerkzeuge nimmt parallel an Fahrt auf. Rivale Cognition verhandelt derzeit über eine Bewertung von 40 Milliarden Dollar für seinen Programmierassistenten Devin. Der Raumfahrtkonzern SpaceX übernahm im Juni zudem den Cursor-Hersteller Anysphere für 60 Milliarden Dollar in einem reinen Aktiendeal, wie Tech Funding News berichtete. Auch Anthropic, OpenAI, Google und Replit bauen an eigenen Werkzeugen für automatisiertes Programmieren. Osika räumt zugleich eine Schwachstelle ein: Was der generierte Code im laufenden Betrieb tatsächlich tue, sei laut Osika das größere Risiko als seine Entstehung. Um nicht von einem einzelnen Anbieter abhängig zu werden, setzt Lovable nach eigenen Angaben bewusst auf mehrere KI-Modelle verschiedener Hersteller statt auf ein einziges Basismodell. Cursor gehört inzwischen zum SpaceX-Ableger xAI, der damit erstmals in den Markt für KI-gestützte Entwicklerwerkzeuge für professionelle Programmierteams einsteigt. Branchenbeobachter diskutieren zugleich, ob die wachsende Zahl KI-generierter Apps langfristig etablierte Softwareanbieter unter Druck setzen könnte – eine These, die bislang unbelegt ist.

Entscheidend wird, ob der Scaleup Europe Fund tatsächlich verhindern kann, was er verhindern soll: dass wachstumsstarke europäische Techfirmen wie zuvor das britische Unternehmen Nscale ihren Sitz in die USA verlegen oder dort an die Börse gehen. Lovable selbst hält vorerst am Hauptsitz in Stockholm fest, während das Unternehmen sein Team bis Jahresende auf rund 450 Beschäftigte vergrößern will.

Häufige Fragen

Was genau ist Vibe Coding, wie es Lovable anbietet?

Nutzer beschreiben in natürlicher Sprache, welche Anwendung sie bauen wollen, und die KI erzeugt daraus lauffähige Software – ganz ohne klassischen Programmcode von Hand.

Wie viel kostet Lovable, und ist der Dienst in Deutschland nutzbar?

Lovable bietet eine kostenlose Stufe mit täglichem Guthaben sowie kostenpflichtige Pläne ab 25 Dollar im Monat für mehr Nutzung; der Dienst ist als Web-Anwendung weltweit und damit auch in Deutschland und der EU zugänglich.

Wer sind die wichtigsten Geldgeber der neuen Runde?

Angeführt wird die Series C von Menlo Ventures und dem EU-nahen Scaleup Europe Fund, dazu kommen unter anderem Balderton Capital, Tencent und die bisherigen Investoren Accel und Salesforce Ventures.

Wie unterscheidet sich Lovable von Konkurrenten wie Cognition oder Cursor?

Lovable richtet sich stärker an Nicht-Programmierer, die komplette Anwendungen aus Texteingaben bauen, während Cognitions Devin und der inzwischen zu SpaceX gehörende Cursor eher etablierte Entwicklerteams unterstützen.

Was plant Lovable als Nächstes?

Das Unternehmen will sein Team bis Ende 2026 auf rund 450 Beschäftigte vergrößern, neue Standorte in London, Boston, San Francisco und New York aufbauen und den Hauptsitz in Stockholm behalten.

Quellen (6)
  1. Lovable: We just raised $400M in Series C funding
  2. TechStartups: Swedish vibe-coding startup Lovable raises $400 million
  3. SiliconANGLE: Vibe coding startup Lovable doubles valuation to $13.3B
  4. The Next Web: 'It's still day zero' - Lovable is worth $13.3bn
  5. Tech Funding News: SpaceX buys Cursor-maker Anysphere for $60B
  6. Private Equity Wire: EQT-managed EU fund invests in $400m Lovable round

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