Das schwedische KI-Start-up Lovable hat eine Series-C-Finanzierung über 400 Millionen Dollar abgeschlossen, wie das Unternehmen im eigenen Blog mitteilte. Die neue Bewertung von 13,3 Milliarden Dollar ist doppelt so hoch wie im Dezember 2025. Angeführt wird die Runde von Menlo Ventures gemeinsam mit dem Scaleup Europe Fund, einem von der EU finanzierten Investitionsvehikel.
EU-Fonds greift europäischem KI-Anbieter unter die Arme
Der Scaleup Europe Fund verwaltet ein Volumen von rund fünf Milliarden Euro und wird im Auftrag des Europäischen Innovationsrats vom Investmenthaus EQT gesteuert. Der Fonds hatte Anfang August zunächst das Raumfahrtunternehmen ICEYE mitfinanziert, bevor er sich nun bei Lovable beteiligte. Ziel des Programms ist es, wachstumsstarke europäische Firmen davon abzuhalten, ihren Sitz in die USA zu verlegen oder dort an die Börse zu gehen. EQT-Partner Victor Englesson verwies laut The Next Web auf das britische KI-Unternehmen Nscale, das trotz europäischer Wurzeln einen Börsengang in den USA anstrebe – ein Muster, das der Fonds bei Lovable verhindern soll. Mitgründer Anton Osika sagte, Europa habe „ein Selbstvertrauensproblem, kein Talentproblem”. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Stockholm will diesen trotz internationaler Expansion beibehalten. Die Europäische Innovationsagentur EIC hatte EQT im Mai 2026 mit der Leitung des Fonds beauftragt; die Beteiligung an Lovable zählt zu den ersten öffentlich bekannten Investitionen des Vehikels. Für die EU ist der Einstieg auch ein politisches Signal: Anders als bei früheren europäischen KI-Erfolgen soll das Kapital diesmal von Beginn an aus Europa selbst kommen, statt das Feld US-Investoren zu überlassen.
Nutzerzahlen und Umsatz wachsen rasant
Bei Lovables Vibe Coding – dem Bauen von Software allein durch Texteingaben in natürlicher Sprache, ganz ohne klassischen Programmcode – sind seit dem Start im November 2024 über 60 Millionen Projekte entstanden. Die damit gebauten Anwendungen verzeichnen zusammen mehr als 900 Millionen Besuche im Monat. Der Jahresumsatz kletterte von 200 Millionen Dollar im November 2025 auf zuletzt rund 500 Millionen Dollar im Juni und soll bis Ende August auf 600 Millionen Dollar steigen. Fast zwei Drittel der Fortune-500-Mitarbeiter setzen die Software nach Unternehmensangaben inzwischen ein – unabhängig nicht verifiziert. Zu den Firmenkunden zählen die Deutsche Telekom, Adidas und Nvidia. Seit der Series B im Dezember 2025 hat Lovable zudem Zahlungsfunktionen, KI-Suchwerkzeuge sowie Integrationen mit Google Workspace, Microsoft 365 und Salesforce ergänzt und eine Sicherheitszertifizierung nach dem Standard AIUC-1 erhalten. Das Unternehmen will sein Team bis Ende 2026 auf rund 450 Beschäftigte vergrößern und dabei Standorte in London, Boston, San Francisco und New York ausbauen.
Konkurrenz um KI-Programmierwerkzeuge verschärft sich
Der Wettbewerb um KI-gestützte Programmierwerkzeuge nimmt parallel an Fahrt auf. Rivale Cognition verhandelt derzeit über eine Bewertung von 40 Milliarden Dollar für seinen Programmierassistenten Devin. Der Raumfahrtkonzern SpaceX übernahm im Juni zudem den Cursor-Hersteller Anysphere für 60 Milliarden Dollar in einem reinen Aktiendeal, wie Tech Funding News berichtete. Auch Anthropic, OpenAI, Google und Replit bauen an eigenen Werkzeugen für automatisiertes Programmieren. Osika räumt zugleich eine Schwachstelle ein: Was der generierte Code im laufenden Betrieb tatsächlich tue, sei laut Osika das größere Risiko als seine Entstehung. Um nicht von einem einzelnen Anbieter abhängig zu werden, setzt Lovable nach eigenen Angaben bewusst auf mehrere KI-Modelle verschiedener Hersteller statt auf ein einziges Basismodell. Cursor gehört inzwischen zum SpaceX-Ableger xAI, der damit erstmals in den Markt für KI-gestützte Entwicklerwerkzeuge für professionelle Programmierteams einsteigt. Branchenbeobachter diskutieren zugleich, ob die wachsende Zahl KI-generierter Apps langfristig etablierte Softwareanbieter unter Druck setzen könnte – eine These, die bislang unbelegt ist.
Entscheidend wird, ob der Scaleup Europe Fund tatsächlich verhindern kann, was er verhindern soll: dass wachstumsstarke europäische Techfirmen wie zuvor das britische Unternehmen Nscale ihren Sitz in die USA verlegen oder dort an die Börse gehen. Lovable selbst hält vorerst am Hauptsitz in Stockholm fest, während das Unternehmen sein Team bis Jahresende auf rund 450 Beschäftigte vergrößern will.


