Nvidia garantiert eine Finanzierung von bis zu 105 Milliarden Dollar für ein neues Rechenzentrum, das OpenAI in Ohio betreiben will. Zusätzlich steigt der Chiphersteller mit 1,5 Milliarden Dollar direkt beim Projektentwickler SB Energy ein. Die Anlage entsteht auf dem Gelände einer stillgelegten Uran-Anreicherungsanlage und soll am Ende acht Gigawatt Rechenleistung liefern.
Rechenzentrum entsteht auf früherem Atomanlagen-Gelände
Standort ist die frühere Urananreicherungsanlage Portsmouth im Pike County im US-Bundesstaat Ohio, wie der Sender WOSU berichtet. Von 1954 bis 2001 lieferte die Anlage angereichertes Uran für das US-Atomwaffenprogramm und zivile Reaktoren. SB Energy, eine Tochter der japanischen SoftBank Group, baut, besitzt und betreibt das neue Rechenzentrum künftig auf demselben Gelände und vermietet es 20 Jahre lang exklusiv an OpenAI, wie Nvidia in einer eigenen Mitteilung bestätigt. Die erste Ausbaustufe mit 4,25 Gigawatt Rechenleistung soll ab 2028 ans Netz gehen, ein Ausbau um weitere 3,75 Gigawatt auf insgesamt acht Gigawatt ist optional vereinbart. Acht Gigawatt liegen in der Größenordnung des Strombedarfs mehrerer Millionen Haushalte. Für die Kühlung setzt das Projekt auf ein geschlossenes Wassersystem mit Luftkühlung statt auf klassische Verdunstungskühltürme; der laufende Wasserverbrauch soll später dem eines gewöhnlichen Bürogebäudes entsprechen. Auf dem gesamten Gelände sollen ausschließlich Nvidia-Chips laufen, der Konzern sichert sich damit langfristig einen Großkunden für seine neue DSX-Plattform.
Nvidia übernimmt Rolle als Finanzierungspartner
Bloomberg und CNBC berichten übereinstimmend, dass Nvidia eine Finanzierung von bis zu 105 Milliarden Dollar für das Projekt garantiert – unabhängig nicht verifiziert, da weder Nvidia noch OpenAI diese Gesamtsumme in ihren eigenen Mitteilungen exakt beziffern. Bestätigt ist dagegen die direkte Beteiligung: Nvidia investiert 1,5 Milliarden Dollar in SB Energy und reiht sich damit neben SoftBank und OpenAI als Kapitalgeber ein. SB Energy und SoftBank kündigen zusätzlich mindestens 4,2 Milliarden Dollar für den regionalen Stromnetzausbau gemeinsam mit dem Netzbetreiber AEP Ohio an. Für die Standortgemeinde stellen SB Energy und OpenAI je 40 Millionen Dollar bereit, zusammen 80 Millionen Dollar. OpenAI ergänzt das um bis zu 84 Millionen Dollar an Codex-Guthaben für rund 844.000 Studierende und Auszubildende in Ohio im Studienjahr 2026/2027. Das Projekt soll bis 2032 rund 35.000 Bauarbeitsplätze schaffen, dauerhaft bleiben den Beteiligten zufolge 2.500 Stellen für den laufenden Betrieb. Damit wollen die Partner ausdrücklich lokale Vorbehalte gegen den enormen Strom- und Flächenbedarf des Projekts abfedern.
Kritiker warnen vor zirkulärer Finanzierung
Der Deal reiht sich in eine Serie ähnlicher Finanzierungsvereinbarungen ein: Erst am 10. August hatte Nvidia mit sechs Finanzkonzernen eine Plattform über 500 Milliarden Dollar für KI-Rechenzentren angekündigt, bei der die eigenen Chips selbst als Kreditsicherheit dienen. Schon im Juli war bekannt geworden, dass Nvidia 9,3 Prozent am KI-Cloud-Anbieter Nebius hält – eine von mehreren Beteiligungen an den eigenen Großkunden. Nur wenige Wochen zuvor hatte zudem Amazon sein 50-Milliarden-Dollar-Investment in OpenAI abgeschlossen. Kritiker werfen Nvidia deshalb vor, mit sogenannter zirkulärer Finanzierung eigene Kunden künstlich zu stützen, damit diese wiederum Nvidia-Hardware kaufen. Firmenchef Jensen Huang weist den Vorwurf laut Benzinga zurück und sieht stattdessen eine Marktchance von 600 Milliarden Dollar für Rechenleistung insgesamt. Zum Auftakt der Partnerschaft erklärte Huang laut Nvidia, künstliche Intelligenz werde „zur Infrastruktur – dem Fundament für Intelligenz in jeder Branche”. Auch Konkurrent Anthropic hat zuletzt mehrere milliardenschwere Rechenzentrums-Deals abgeschlossen, etwa mit den Investoren Macquarie und GIC. Der Wettlauf um Rechenkapazität treibt damit die gesamte Branche, nicht nur Nvidia und OpenAI. Für Anleger wird die Ankündigung so zum weiteren Beleg, wie sehr der KI-Boom inzwischen von wenigen, eng verflochtenen Großverträgen abhängt.
Entscheidend wird, ob die kreditbasierte Struktur trägt, sollte die Nachfrage nach KI-Rechenleistung langsamer wachsen als geplant. Die ersten 800 Megawatt aus Pike County sollen 2028 ans Netz gehen – bis dahin bleibt offen, wie viele der weiteren Finanzierungszusagen aus Nvidias Serie von Rechenzentrums-Deals tatsächlich abgerufen werden.


