Adobe hat die Übernahme des KI-Unternehmens Topaz Labs zum 23. September 2026 abgeschlossen, gut drei Monate nach der ersten Ankündigung im Juni. Der Softwarekonzern bindet damit die preisgekrönte Bild- und Videoschärfung von Topaz direkt in Photoshop und Firefly ein. Topaz bleibt als eigene Marke mit eigenständigen Apps bestehen.
Photoshop und Firefly übernehmen die Schärfungs-Technik zuerst
Topaz Labs hat sich in mehr als zwanzig Jahren auf KI-Modelle für die Bild- und Videobearbeitung spezialisiert. Sie vergrößern niedrig aufgelöste Fotos, entfernen Bildrauschen, stabilisieren wackelige Videos und erzeugen zusätzliche Zwischenbilder für Zeitlupenaufnahmen. Die zugrunde liegende Technik heißt Neurostream und läuft wahlweise auf dem eigenen Rechner oder über einen Cloud-Dienst von Topaz, wie Adobe im Ankündigungs-Blogbeitrag mitteilt. Ein Teil davon steckt bereits jetzt in Photoshop und Firefly. Nutzerinnen und Nutzer können Fotos und generierte Bilder dort direkt hochskalieren, ohne eine zusätzliche App zu installieren. Solange ein bestehendes Creative-Cloud-Abo läuft, fallen für diese eingebaute Schärfung keine gesonderten Kosten an. Tiefer eingebunden werden die Werkzeuge als Nächstes in Premiere und Lightroom, etwa für die Restaurierung von Archivmaterial und die Aufhellung unterbelichteter Aufnahmen. Einen festen Zeitplan dafür nennt Adobe bislang nicht, die Rede ist nur von den kommenden Monaten. Für Kreative in Deutschland und der übrigen EU ändert sich an der Verfügbarkeit nichts: Photoshop und Firefly laufen dort über dasselbe Creative-Cloud-Abo wie in den USA.
Topaz bleibt eigene Marke, Gründer wechselt zu Adobe
Anders als bei vollständigen Produktabschaltungen bleiben die eigenständigen Topaz-Apps vorerst weiter erhältlich. Photo AI, Video AI, Gigapixel, Astra und Bloom laufen unverändert für Desktop, Web und Mobilgeräte weiter. Bestehende Kundinnen und Kunden sollen laut Unternehmensangaben denselben Support-Level behalten wie vor der Übernahme. Auch die Preise der eigenständigen Apps bleiben nach bisherigem Stand unverändert. Topaz-Gründer und -Chef Eric Yang wechselt ins Digital-Video-und-Audio-Team von Adobe. Sein Unternehmen war 2025 mit einem Emmy für Videotechnologie ausgezeichnet worden, weil die Upscaling-Technik auch bei starker Vergrößerung einen natürlichen Bildeindruck erhält. „Technologie soll menschlicher Kreativität dienen, nicht sie ersetzen”, kommentiert Yang gegenüber PetaPixel die Übernahme. Schon im Juni, bei der ersten Ankündigung des Deals, betonte Adobe-Manager David Wadhwani, Kreative mischten zunehmend aufgenommenes und generiertes Material. Sie bräuchten dafür mehr Qualität und Kontrolle über das Ergebnis. Einen Kaufpreis nannten Adobe und Topaz Labs zu keinem der beiden Zeitpunkte. Noch bevor generative KI zum Massenphänomen wurde, zählten Gigapixel und Photo AI bereits zu den Standardwerkzeugen professioneller Fotografinnen und Filmemacher. Diesen Ruf will Adobe mit dem Erhalt der eigenständigen Marke offenbar sichern, statt Topaz wie kleinere Zukäufe rasch aufzulösen.
Kreativszene reagiert mit Skepsis auf die Übernahme
Auf dem Fotografie-Portal Fstoppers äußern sich Nutzerinnen und Nutzer in den Kommentaren skeptisch. Adobe habe übernommene Techniken in der Vergangenheit oft nur so lange eigenständig weitergeführt, bis sie vollständig ins eigene Abo-System eingegliedert waren. Offen ist etwa, ob die eigenständigen Topaz-Apps langfristig eine Creative-Cloud-Lizenz voraussetzen. Unklar bleibt auch, wie die lokale Verarbeitung über Neurostream langfristig zur sonst stark cloud-basierten Strategie von Adobe passt, die Rechenlast meist auf eigene Server verlagert. Die Übernahme reiht sich zudem in eine Serie von KI-Zukäufen des Softwarekonzerns ein. Erst im September hatte Adobe mit dem Kauf des KI-Start-ups Rilo sein Angebot für automatisierte Marketing-Agenten erweitert, ebenfalls ohne veröffentlichten Kaufpreis. Bei Rilo schaltete Adobe die eigenständige Plattform ab, sobald das sechsköpfige Team ins eigene Marketing-Angebot eingebunden war. Bei Topaz hat Adobe den Fortbestand der Apps dagegen öffentlich zugesagt. Ob dieses Versprechen über Jahre trägt, lässt sich anhand der bisherigen Ankündigungen allein nicht beurteilen.
Entscheidend wird, ob die eigenständigen Topaz-Apps ihre heutigen Preise und die lokale Verarbeitung dauerhaft behalten oder ob Adobe sie schrittweise in das Creative-Cloud-Abo überführt. Der nächste konkrete Prüfstein ist die angekündigte Einbindung in Premiere und Lightroom, für die Adobe bislang kein Datum genannt hat.


