Adobe hat das einjährige indische Start-up Rilo übernommen, dessen KI-Agenten Marketing-Teams komplette Arbeitsabläufe aus einer einzigen Texteingabe heraus bauen und ausführen lassen. Das sechsköpfige Rilo-Team wechselt vollständig zu Adobe, die eigenständige Plattform wird abgeschaltet. Finanzielle Details zu dem Deal nennt keine der beiden Seiten.
Rilo baut Marketing-Workflows aus einfachen Anweisungen
Die Gründer Dhruv Jaglan und Georgi Boby, beide Absolventen des IIT Bombay, hatten Rilo erst 2025 gestartet. Jaglan gründete zuvor die KI-Recruiting-Plattform Babblebots.ai, Boby leitete zuvor die Technik beim Robotik-Unternehmen CloudChef. Wie TechCrunch berichtet, können Nutzerinnen und Nutzer ohne Programmierkenntnisse Arbeitsabläufe in einfachem Englisch beschreiben, die KI-Agenten anschließend eigenständig über Hunderte angebundene Werkzeuge hinweg ausführen. Die Plattform richtete sich gezielt an Prosumer und technisch weniger versierte Marketing-Teams.
Zu den Einsatzfeldern zählen Konkurrenzbeobachtung, die Aufbereitung und Verteilung von Inhalten, automatisierte Ansprache über LinkedIn und Reddit sowie die Auswertung von Vertriebsgesprächen für die Kampagnenrecherche – ähnlich wie bei Metas Ads MCP Server für KI-Agenten. Rilo hatte zuvor eine Million Dollar Startkapital bei einer Bewertung von zehn Millionen Dollar eingesammelt, unter anderem von Peak XV, DeVC und Day Zero Ventures.
Die Nutzerzahl wuchs binnen weniger Monate auf rund 10.000 Konten – zwischen Gründung und Übernahme verging damit nicht einmal ein Jahr. Rahul Gupta von Day Zero Ventures bezeichnet den Workflow-Baukasten als seiner Zeit voraus und wertvoll für einen Konzern wie Adobe.
Deal reiht sich in Serie leiser KI-Zukäufe ein
Adobe bestätigte den Kauf nur knapp als Lizenz- und Team-Übernahme und nennt weder Kaufpreis noch weitere Vertragsdetails. Investorinnen und Investoren erhalten damit einen Ausstieg, während das komplette sechsköpfige Rilo-Team samt geistigem Eigentum zu Adobe wechselt. Für bestehende Rilo-Kundinnen und -Kunden endet der Zugang zur Plattform mit dem Deal, ein eigenständiges Produkt bleibt nicht bestehen. Es ist bereits Adobes zweite Übernahme eines indischen KI-Unternehmens nach dem Videotool Rephrase.ai im Jahr 2023.
Genutzt wurde Rilo vor allem von Vertriebs- und Marketingteams wachstumsstarker Softwarefirmen, wie YourStory und Business Standard übereinstimmend beschreiben. Der Zukauf fällt in eine Phase, in der Adobe im Marketingsoftware-Geschäft verstärkt Konkurrenz von Canva sowie von KI-Anbietern wie Anthropic und OpenAI spürt, die eigene Agenten-Funktionen für Marketing-Teams ausbauen.
Ähnlich leise verlief zuletzt OpenAIs Übernahme des Präsentationstools NextSlide, ebenfalls ohne genannten Kaufpreis. Auch Stripes deutlich größerer Kauf des KI-Gateways OpenRouter für rund sieben Milliarden Dollar reiht sich in eine wachsende Serie von Zukäufen ein, mit denen etablierte Softwarefirmen fertige Agenten-Teams statt eigener Neuentwicklung einkaufen.
Offen bleibt, wie tief Adobe die Rilo-Technologie in die eigene Suite integriert und ob eigenständige Agenten-Funktionen für Marketing-Teams noch 2026 erscheinen. Der Fall zeigt zugleich, dass etablierte Softwarekonzerne im Wettlauf um agentische Werkzeuge zunehmend kleine, bereits wachsende Teams einkaufen, statt selbst von vorn zu entwickeln.


