Der Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber Crusoe sammelt mehr als drei Milliarden Dollar ein und erreicht damit eine Bewertung von rund 30 Milliarden Dollar. Das wäre fast das Dreifache der gut zehn Milliarden Dollar von Oktober 2025. Ausschlaggebend war offenbar ein Fünf-Jahres-Vertrag mit der Handelsfirma Jane Street über rund 13 Milliarden Dollar für Grafikchips und Cloud-Kapazität.
Investoren verdreifachen Crusoes Bewertung binnen elf Monaten
Crusoe hat nach Angaben von Bloomberg mehr als drei Milliarden Dollar in einer neuen Finanzierungsrunde eingesammelt. Die Runde bewertet den Rechenzentrumsbetreiber mit rund 30 Milliarden Dollar nach Einzahlung des Kapitals – eine Zahl, die unabhängig nicht verifiziert ist. Angeführt wird die Runde von Atreides Management und Valor Equity Partners, beteiligt ist zudem Mubadala Capital, ein Tochterfonds des staatlichen Investors aus Abu Dhabi. Erst im Oktober 2025 hatte Crusoe eine Series E über 1,375 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von gut zehn Milliarden Dollar abgeschlossen – die neue Runde verdreifacht diesen Wert binnen elf Monaten nahezu. Das 2018 gegründete Unternehmen wandelte sich vom Krypto-Miner zum Betreiber von KI-Rechenzentren und beliefert nach eigenen Angaben unter anderem Meta, Microsoft, OpenAI und Oracle mit Rechenkapazität. Für OpenAI baut Crusoe im texanischen Abilene einen Rechenzentrums-Cluster mit 1,2 Gigawatt Leistung. Der jetzige Kapitalsprung setzt eine Serie rasch wachsender Runden fort: Schon die Series D 2024 brachte 600 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 2,8 Milliarden Dollar, angeführt von Founders Fund mit Nvidia und Fidelity als weiteren Geldgebern.
Milliardenvertrag mit Jane Street weckt Investoreninteresse
Den Ausschlag für das gestiegene Investoreninteresse gab ein Cloud-Vertrag mit der Handelsfirma Jane Street im Volumen von rund 13 Milliarden Dollar über fünf Jahre. Jane Street bezieht darüber Grafikprozessor-Cluster und weitere Infrastruktur für KI-Training und -Inferenz über die Cloud-Plattform von Crusoe – Bloomberg zufolge der bislang prominenteste Cloud-Kunde des Unternehmens. Entsprechende Anfragen der Nachrichtenagentur Reuters zu dem Vertrag ließen sowohl Crusoe als auch Jane Street zunächst unbeantwortet. Anders als eine Kapitalbeteiligung fließt das Geld aus dem Fünf-Jahres-Vertrag nicht in Form von Anteilen, sondern als Umsatz für gemietete Rechenkapazität – ein Modell, das für Cloud-Anbieter wie Crusoe zunehmend zur zweiten Finanzierungsquelle neben Venture Capital wird. Jane Street, eine auf algorithmischen Wertpapierhandel spezialisierte Investmentfirma, tritt damit erstmals in großem Stil als Abnehmer von KI-Rechenleistung auf. Die Runde reiht sich in eine Serie von Milliardenbewertungen für KI-Infrastruktur und -Anwendungen ein, zu denen zuletzt auch Cognitions Verhandlungen um 47 Milliarden Dollar sowie Dells Rekord-Auftragsbestand für KI-Server zählten.
Offen bleibt, ob sich die kolportierten Zahlen bei einer offiziellen Bestätigung halten – bereits im Juli 2026 hatten Berichte über Gespräche zur selben Zielbewertung kursiert, ohne dass ein Abschluss feststand. Entscheidend wird zudem, ob parallele Berichte über Sondierungsgespräche mit den Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley zu einem Börsengang führen, der Crusoe erstmals der öffentlichen Bilanzkontrolle unterwerfen würde.


