KI-Wirtschaft

IFA Berlin: China stellt fast jeden zweiten Aussteller

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Von den rund 1.900 Ausstellern der IFA 2026 in Berlin stammen 931 aus China – fast jeder zweite Stand, mehr als die rund 700 im Vorjahr. Rund 300 Firmen zeigen humanoide Roboter, Xiaomi debütiert mit einer eigenen Halle. Die USA hatten vergleichbare chinesische Roboter im Juli aus Sicherheitsgründen verboten, Berlin bietet ihnen dagegen die große Bühne.

Mehrere humanoide Roboter laufen über einen roten Laufsteg vor der Silhouette des Berliner Funkturms. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • 931 der rund 1.900 IFA-Aussteller kommen 2026 aus China, im Vorjahr waren es rund 700.
  • Rund 300 Firmen zeigen im Bereich IFA Next humanoide Roboter und smarte Haushaltstechnik.
  • Xiaomi debütiert mit eigener Halle und dem Roboter CyberOne, LG zeigt den Wäsche-Falter CLoiD.
  • Die US-Behörde FCC hatte chinesische Roboter im Juli wegen Sicherheitsbedenken verboten, in Berlin fehlt diese Hürde.
  • Saugroboter- und KI-PC-Verkäufe legten in Deutschland im ersten Halbjahr je 18 Prozent zu.
  • Fast jeder zweite befragte Deutsche kann sich einen KI-gesteuerten Haushaltsroboter vorstellen.

Auf der Technikmesse IFA in Berlin kommen in diesem Jahr rund 931 der etwa 1.900 Aussteller aus China – fast jeder zweite Stand. Im Vorjahr waren es noch rund 700. Den stärksten Zuwachs verzeichnet die Robotik: Allein im Ausstellungsbereich IFA Next zeigen rund 300 Firmen humanoide Roboter und KI-gestützte Haushaltstechnik.

Humanoide Roboter treten auf dem Laufsteg an

Höhepunkt des Robotik-Programms ist die Show „Robots on the Runway“. Humanoide und vierbeinige Maschinen laufen an diesem Samstag über einen Laufsteg in der Palais-Halle 19. Laut Veranstalter zählen dazu chinesische Anbieter wie Agibot und Unitree, dessen Börsendebüt erst im August für Aufsehen sorgte. Agibots Modell H1 ist laut Herstellerangaben bereits in rund 8.400 Exemplaren im Einsatz.

Auch Xiaomi ist erstmals mit einer eigenen Halle vertreten. Neben Smartphones und E-Autos zeigt der Konzern den humanoiden Roboter CyberOne, der laut Hersteller Muttern in 98 von 100 Versuchen zuverlässig festschraubt. Der südkoreanische Konzern LG stellt mit CLoiD einen teilautonomen Roboter vor, der Wäsche faltet und Haushaltsgeräte bedient; bis Jahresende soll er auf 100.000 Trainingsstunden kommen.

Samsung ist dagegen nicht auf dem Hauptgelände vertreten und richtet stattdessen eine kleinere eigene Schau aus. Sony hatte sich bereits in den Vorjahren zurückgezogen. Insgesamt verteilen sich die rund 1.900 Marken aus 49 Ländern auf 190.000 Quadratmeter in 27 Hallen, erwartet werden 220.000 Besucherinnen und Besucher aus 140 Ländern.

Chinesische Anbieter drängen auf den europäischen Markt

IFA-Organisatorin Carine Chardon bezeichnet Robotik als einen echten Wachstumsbereich der Messe. Wie schnell humanoide Modelle tatsächlich in Privathaushalte kämen, hänge von Entwicklung, Skalierung und Preisen ab. Die c’t-Redakteurin Ulrike Kuhlmann führt den chinesischen Vorsprung auf ordentliche Qualität zu vergleichsweise niedrigen Preisen zurück. Damit besetzten die Hersteller Marktsegmente, die westliche Konkurrenz weitgehend aufgegeben habe.

China habe 2025 rund 12.800 humanoide Roboter produziert, neun von zehn weltweit gefertigten Exemplaren. Hinzu kämen 556.000 Industrieroboter. Diese Zahlen sind unabhängig nicht verifiziert und schwanken je nach Quelle.

Der Kurs der Messe steht im Kontrast zur US-Politik. Die amerikanische Regulierungsbehörde FCC hatte im Juli neue humanoide und vierbeinige Roboter aus China wegen Sicherheitsbedenken für den US-Markt gesperrt. In Berlin dagegen bekommen dieselben Hersteller eine große Bühne und direkten Zugang zum europäischen Publikum. Mehr als 900 chinesische Robotik-Firmen richten ihr Geschäft nach Marktschätzungen inzwischen gezielt auf Europa aus, dessen Markt sie auf umgerechnet rund 230 Milliarden Dollar taxieren.

Nachfrage nach smarter Haushaltstechnik wächst spürbar

Der Trend zeigt sich auch in den Verkaufszahlen abseits der Roboter-Show. Saugroboter legten in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 um 18 Prozent zu, KI-PCs ebenfalls um 18 Prozent. Große Fernseher wuchsen um 14 Prozent, Espressomaschinen um 21 Prozent.

Weltweit wuchs der Elektronikmarkt seit 2021 nominal um 16 Prozent, inflationsbereinigt aber nur um 2,4 Prozent. Am stärksten legten der Nahe Osten und Afrika mit 15 Prozent zu, gefolgt von asiatischen Schwellenländern mit 12 Prozent. Der chinesische Markt selbst schrumpfte dagegen um 5 Prozent.

Fast die Hälfte der befragten Deutschen kann sich laut einer von der Messe zitierten Umfrage vorstellen, künftig einen KI-gesteuerten Haushaltsroboter zu nutzen. Einstiegsmodelle wie der humanoide Assistenzroboter AnAn-Panda des Anbieters Mind With Heart Robotics kosten laut Hersteller zwischen 1.000 und 1.500 Dollar. Einen Vertriebsstart in Deutschland oder der EU gibt es dafür bislang nicht.

Wer die Messe selbst besuchen möchte, zahlt im Online-Vorverkauf 21,50 Euro, an der Tageskasse 28 Euro. Für Privatbesucher ist noch bis einschließlich Dienstag, den 8. September, ab 10 Uhr geöffnet.

Entscheidend wird, ob europäische und amerikanische Hersteller bis zum Ende der Messe eigene Antworten auf die chinesische Robotik-Offensive zeigen. Für Verbraucher in Deutschland bedeutet die verschärfte Konkurrenz zunächst vor allem mehr Auswahl bei sinkenden Preisen für smarte Haushaltsgeräte.

Häufige Fragen

Wann und wo findet die IFA 2026 statt?

Vom 4. bis 8. September 2026 auf dem Berliner Messegelände unter dem Funkturm; für Privatbesucher öffnen die Hallen ab 10 Uhr.

Was kostet der Eintritt zur IFA 2026?

Tickets im Online-Vorverkauf kosten 21,50 Euro, an der Tageskasse 28 Euro.

Warum zeigt Berlin chinesische Roboter, während die USA sie verbieten?

Die FCC hatte neue humanoide und vierbeinige Roboter aus China im Juli wegen Sicherheitsbedenken für den US-Markt gesperrt. Die EU kennt kein vergleichbares Verbot, sodass Hersteller wie Unitree und Agibot in Berlin frei ausstellen können.

Wann kommen humanoide Haushaltsroboter für Privatleute nach Deutschland?

Ein festes Datum nennt die Messe nicht. Laut IFA-Organisatorin Carine Chardon hängt die Verbreitung von weiterer Entwicklung, Skalierung und sinkenden Preisen ab.

Welche großen Marken fehlen 2026 auf der IFA?

Samsung ist nicht auf dem Hauptgelände vertreten und veranstaltet eine eigene, kleinere Schau. Sony hatte sich bereits in früheren Jahren zurückgezogen.

Quellen (3)
  1. ZDFheute: IFA 2026 Berlin – KI-Produkte, Hersteller aus China vorn
  2. heise online: Innovation for all – IFA 2026 in the sign of AI and robotics
  3. ad-hoc-news: IFA 2026 – China dominiert mit 932 Ausstellern und 84,7 % aller Roboter

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