Auf der Technikmesse IFA in Berlin kommen in diesem Jahr rund 931 der etwa 1.900 Aussteller aus China – fast jeder zweite Stand. Im Vorjahr waren es noch rund 700. Den stärksten Zuwachs verzeichnet die Robotik: Allein im Ausstellungsbereich IFA Next zeigen rund 300 Firmen humanoide Roboter und KI-gestützte Haushaltstechnik.
Humanoide Roboter treten auf dem Laufsteg an
Höhepunkt des Robotik-Programms ist die Show „Robots on the Runway“. Humanoide und vierbeinige Maschinen laufen an diesem Samstag über einen Laufsteg in der Palais-Halle 19. Laut Veranstalter zählen dazu chinesische Anbieter wie Agibot und Unitree, dessen Börsendebüt erst im August für Aufsehen sorgte. Agibots Modell H1 ist laut Herstellerangaben bereits in rund 8.400 Exemplaren im Einsatz.
Auch Xiaomi ist erstmals mit einer eigenen Halle vertreten. Neben Smartphones und E-Autos zeigt der Konzern den humanoiden Roboter CyberOne, der laut Hersteller Muttern in 98 von 100 Versuchen zuverlässig festschraubt. Der südkoreanische Konzern LG stellt mit CLoiD einen teilautonomen Roboter vor, der Wäsche faltet und Haushaltsgeräte bedient; bis Jahresende soll er auf 100.000 Trainingsstunden kommen.
Samsung ist dagegen nicht auf dem Hauptgelände vertreten und richtet stattdessen eine kleinere eigene Schau aus. Sony hatte sich bereits in den Vorjahren zurückgezogen. Insgesamt verteilen sich die rund 1.900 Marken aus 49 Ländern auf 190.000 Quadratmeter in 27 Hallen, erwartet werden 220.000 Besucherinnen und Besucher aus 140 Ländern.
Chinesische Anbieter drängen auf den europäischen Markt
IFA-Organisatorin Carine Chardon bezeichnet Robotik als einen echten Wachstumsbereich der Messe. Wie schnell humanoide Modelle tatsächlich in Privathaushalte kämen, hänge von Entwicklung, Skalierung und Preisen ab. Die c’t-Redakteurin Ulrike Kuhlmann führt den chinesischen Vorsprung auf ordentliche Qualität zu vergleichsweise niedrigen Preisen zurück. Damit besetzten die Hersteller Marktsegmente, die westliche Konkurrenz weitgehend aufgegeben habe.
China habe 2025 rund 12.800 humanoide Roboter produziert, neun von zehn weltweit gefertigten Exemplaren. Hinzu kämen 556.000 Industrieroboter. Diese Zahlen sind unabhängig nicht verifiziert und schwanken je nach Quelle.
Der Kurs der Messe steht im Kontrast zur US-Politik. Die amerikanische Regulierungsbehörde FCC hatte im Juli neue humanoide und vierbeinige Roboter aus China wegen Sicherheitsbedenken für den US-Markt gesperrt. In Berlin dagegen bekommen dieselben Hersteller eine große Bühne und direkten Zugang zum europäischen Publikum. Mehr als 900 chinesische Robotik-Firmen richten ihr Geschäft nach Marktschätzungen inzwischen gezielt auf Europa aus, dessen Markt sie auf umgerechnet rund 230 Milliarden Dollar taxieren.
Nachfrage nach smarter Haushaltstechnik wächst spürbar
Der Trend zeigt sich auch in den Verkaufszahlen abseits der Roboter-Show. Saugroboter legten in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 um 18 Prozent zu, KI-PCs ebenfalls um 18 Prozent. Große Fernseher wuchsen um 14 Prozent, Espressomaschinen um 21 Prozent.
Weltweit wuchs der Elektronikmarkt seit 2021 nominal um 16 Prozent, inflationsbereinigt aber nur um 2,4 Prozent. Am stärksten legten der Nahe Osten und Afrika mit 15 Prozent zu, gefolgt von asiatischen Schwellenländern mit 12 Prozent. Der chinesische Markt selbst schrumpfte dagegen um 5 Prozent.
Fast die Hälfte der befragten Deutschen kann sich laut einer von der Messe zitierten Umfrage vorstellen, künftig einen KI-gesteuerten Haushaltsroboter zu nutzen. Einstiegsmodelle wie der humanoide Assistenzroboter AnAn-Panda des Anbieters Mind With Heart Robotics kosten laut Hersteller zwischen 1.000 und 1.500 Dollar. Einen Vertriebsstart in Deutschland oder der EU gibt es dafür bislang nicht.
Wer die Messe selbst besuchen möchte, zahlt im Online-Vorverkauf 21,50 Euro, an der Tageskasse 28 Euro. Für Privatbesucher ist noch bis einschließlich Dienstag, den 8. September, ab 10 Uhr geöffnet.
Entscheidend wird, ob europäische und amerikanische Hersteller bis zum Ende der Messe eigene Antworten auf die chinesische Robotik-Offensive zeigen. Für Verbraucher in Deutschland bedeutet die verschärfte Konkurrenz zunächst vor allem mehr Auswahl bei sinkenden Preisen für smarte Haushaltsgeräte.


