Der chinesische Technologiekonzern Xiaomi hat sein Robotik-Grundlagenmodell Xiaomi-Robotics-1 als quelloffene Software veröffentlicht. Seit dem 3. August liegen Code und Modellgewichte auf GitHub und Hugging Face bereit, öffentlich angekündigt hat Xiaomi den Schritt zwei Tage später. Trainiert mit über 100.000 Stunden realer Bewegungsdaten, übertrifft das System frühere offene Modelle in internen Benchmarks um bis zu 58 Prozent.
Modell lernt aus über 100.000 Stunden Bewegungsdaten
Xiaomi-Robotics-1 kombiniert ein vortrainiertes Sprach-Bild-Modell mit einer Diffusion-Transformer-Architektur, die daraus konkrete Bewegungsbefehle für Roboterarme berechnet. Die veröffentlichte Version umfasst 1,5 Milliarden Parameter. Die Trainingsdaten stammen der Projektseite des Herstellers zufolge aus mehr als 1.700 Alltagsszenarien, aufgezeichnet mit tragbaren UMI-Kameras statt an echten Robotern – das senkt die Kosten der Datensammlung deutlich gegenüber klassischen Teleoperations-Aufnahmen. Für die Feinabstimmung kamen zusätzlich über 7.200 Stunden Aufnahmen von echten Robotern hinzu, teils aus eigenen Beständen, teils aus gefilterten offenen Datensätzen.
In vier Standard-Testreihen für Roboter-Manipulation erreicht das Modell laut Hersteller neue Bestwerte: Im RoboCasa365-Test steigt die Erfolgsquote um 23,2 Prozentpunkte gegenüber dem bisherigen Spitzenwert, im RoboDojo-Test um 58,3 Prozent. Auch in den Testreihen RoboCasa und VLABench liegt das Modell vor allen bisher veröffentlichten Systemen. Die Zahlen stammen aus Xiaomis eigenem Preprint und der Projektseite, eine unabhängige Prüfung durch Dritte steht bislang aus. Dem GitHub-Repository zufolge ist die Architektur für den Einsatz auf handelsüblichen Grafikkarten ausgelegt, konkrete Mindestanforderungen nennt Xiaomi nicht.
Neue Aufgaben gelingen mit wenigen Demonstrationen
Der praktische Vorteil des Modells zeigt sich laut Xiaomi vor allem bei neuen, bislang ungesehenen Aufgaben: Mit weniger als zehn Stunden zusätzlicher Vorführung erreicht das System bei komplexen Greifaufgaben eine Erfolgsquote von 75 Prozent – also drei von vier Versuchen gelingen. Frühere Robotik-Modelle benötigten für vergleichbare Anpassungen deutlich größere Mengen aufgabenspezifischer Demonstrationsdaten, was die Einrichtung neuer Anwendungen bislang verlangsamte. Das könnte die Umstellung von Greifarmen in Lagerhallen oder Werkstätten auf neue Sortier- und Verpackungsaufgaben beschleunigen, weil weniger manuelle Trainingsdurchläufe pro Aufgabe nötig wären.
Das Modell folgt zudem Anweisungen in natürlicher Sprache und soll sich auf unbekannte Umgebungen sowie neue Objekte übertragen lassen, ohne dass die Steuerungslogik für jeden Einzelfall neu programmiert werden muss. Verfügbar sind aktuell die 1,5-Milliarden-Parameter-Version auf Hugging Face sowie der vollständige Trainings- und Auswertungscode auf GitHub und ModelScope, jeweils unter der kommerziell nutzbaren Apache-2.0-Lizenz. Für Privathaushalte ist das Modell nicht gedacht – es richtet sich an Entwicklerteams, die eigene Roboterarme oder mobile Manipulatoren programmieren.
Xiaomi reiht sich in wachsendes Feld offener Robotik-Modelle ein
Die Veröffentlichung reiht sich in eine Serie offener Grundlagenmodelle für Roboter ein, die chinesische Unternehmen in den vergangenen Wochen vorgelegt haben. Erst im Juli hatte die Ant-Group-Robotikeinheit Robbyant ihr Modell LingBot-VA 2.0 quelloffen veröffentlicht, das Roboterarme in Simulationstests mit einer Erfolgsquote von 93,6 Prozent steuert. Auch das Pekinger Forschungsinstitut BAAI hatte mit Orca ein Weltmodell für Robotersteuerung vorgestellt, das ganz ohne gekennzeichnete Aktionsdaten auskommt.
Parallel dazu bringen internationale Anbieter wie 1X, Generalist AI und Boston Dynamics eigene Fortschritte bei Roboterhänden und Greifsystemen, während Unternehmen wie Figure und Tesla bereits humanoide Roboter in Logistikzentren testen. Der Wettbewerb verlagert sich damit zunehmend von reinen Sprachmodellen hin zu Systemen, die Wahrnehmung, Sprache und Bewegungssteuerung in einem einzigen Modell vereinen – und offene Gewichte senken die Einstiegshürde für kleinere Robotik-Start-ups zusätzlich.
Entscheidend wird, ob Entwickler außerhalb Chinas das Modell tatsächlich in eigene Roboterplattformen integrieren – bislang demonstriert Xiaomi die Fähigkeiten vor allem an Greifarmen im eigenen Labor. Offen bleibt auch, ob die Veröffentlichung auf Xiaomis eigene Pläne für Haushaltsroboter einzahlt, zu denen der Konzern bislang keine konkreten Termine genannt hat.


