Black Forest Labs aus Freiburg hat am 23. September 2026 mit FLUX 3 Action ein offenes Robotik-Modell vorgestellt, das Kamerabilder und Sprachbefehle direkt in Roboterbewegungen übersetzt. Mit sieben Milliarden Parametern erreicht es nach eigenen Angaben auf dem Nvidia-Benchmark RoboLab-120 eine Erfolgsquote von 42,92 Prozent und übertrifft damit das bisher beste offene Modell.
Benchmarkwert ist bislang nicht unabhängig bestätigt
FLUX 3 Action baut auf dem multimodalen Grundmodell FLUX 3 auf und verarbeitet Videodaten, Robotersensorik und Sprachbefehle in einem gemeinsamen System. Mit sieben Milliarden Parametern kommt es nach Unternehmensangaben mit weniger als der Hälfte der Größe von Nvidias Cosmos-3-Nano-Policy mit 16 Milliarden Parametern aus und arbeitet dabei deutlich schneller. Der Vergleichswert auf RoboLab-120, Nvidias Benchmark für Robotersteuerung, liege laut Black Forest Labs bei 42,92 Prozent Erfolgsquote – 6,1 Prozentpunkte vor dem bisherigen Spitzenreiter unter offenen Modellen, wie VentureBeat berichtet. Dieser Wert ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unabhängig nicht verifiziert: Er tauchte zunächst nicht auf Nvidias öffentlicher Rangliste auf. Das Fachmedium Superpower Daily weist zudem darauf hin, dass die gezeigten Demonstrationsvideos nur ausgewählte Szenen zeigten und Vergleiche zwischen unterschiedlich großen Modellen methodisch nicht direkt vergleichbar seien. Entscheidend sei, ob externe Teams den Benchmark auf eigener Hardware nachvollziehen können. Eine gesonderte Auswertung des Unternehmens Positronic Robotics an einem Franka-Roboterarm kam auf 28 von 30 erfolgreich gelösten Aufgaben.
Modellgewichte sind vorerst nicht öffentlich verfügbar
Anders als bei früheren FLUX-Modellen hält Black Forest Labs die Gewichte von FLUX 3 Action derzeit noch zurück. Zugang erhalten zunächst ausgewählte Forschungs- und Industriepartner, darunter das Schweizer Robotik-Start-up mimic robotics. Mit mimic robotics hatte Black Forest Labs bereits im Juli 2026 das Video-Aktions-Modell FLUX-mimic vorgestellt, das der Autohersteller Audi in seiner Fertigung testet. Zur Fertigstellung des neuen Systems arbeitet Black Forest Labs zudem mit Nvidia an einer Anbindung an die Simulationsumgebung Isaac Lab und die Jetson-Hardware. Mit Hugging Face kooperiert das Unternehmen zusätzlich an einer Integration in das Robotik-Framework LeRobot. Einen Termin für die breite Veröffentlichung, eine Lizenz oder eine API-Preisliste nennt das Unternehmen bislang nicht. Die gezeigten Demonstrationen stützen sich nach eigenen Angaben auf rund 200 per Teleoperation aufgezeichnete Trainingsepisoden für die Feinabstimmung auf konkrete Aufgaben. Damit bleibt vorerst offen, wie zuverlässig sich die gezeigten Fähigkeiten außerhalb der von Black Forest Labs ausgewählten Testumgebungen reproduzieren lassen. Für Industriepartner in Europa entscheidet sich daran, ob sich die Technik in eigene Fertigungslinien übernehmen lässt.
Freiburger Unternehmen behauptet sich in Europas KI-Szene
Black Forest Labs wurde im März 2024 von einer Gruppe früherer Forscherinnen und Forscher um Robin Rombach gegründet. Sie hatten zuvor bei der Londoner Firma Stability AI an den Grundlagen der Bildgenerierung Latent Diffusion und Stable Diffusion gearbeitet. Der Firmensitz liegt in Freiburg im Breisgau, ein zweiter Standort in San Francisco. Nach einer Series-B-Runde über 300 Millionen Dollar wird das Unternehmen mit 3,25 Milliarden Dollar bewertet und zählt laut einer Zusammenstellung von beckmann.ai zu den wertvollsten deutschen KI-Unternehmen. Mit FLUX 3 Action tritt Black Forest Labs erstmals mit einem eigenständigen Robotik-Modell gegen Wettbewerber wie Nvidia an. Auch das französische Unternehmen Mistral hatte in diesem Feld bereits mit Robostral Navigate eine kamerabasierte Navigationslösung vorgestellt. Für den Wirtschaftsstandort ist der Vorstoß ein Signal, dass europäische Anbieter nicht nur bei Sprachmodellen, sondern auch bei physischer KI mitforschen wollen. Die kommerzielle Verwertung steht dabei noch am Anfang.
Entscheidend wird, ob Black Forest Labs die versprochene breitere Veröffentlichung der Gewichte tatsächlich liefert und ob externe Labore die RoboLab-120-Ergebnisse nachstellen können. Bis dahin bleibt FLUX 3 Action vor allem ein Signal an die Robotikbranche, weniger ein einsatzbereites Produkt. Für die deutsche KI-Wirtschaft ist es dennoch ein weiterer Beleg dafür, dass Freiburg neben den großen US-Laboren ein eigenständiges Forschungsprofil in der physischen KI aufbaut.


