Der Zahlungsdienstleister Visa streicht laut einer Behördenmeldung 320 Stellen an seinem Hauptsitz in Foster City, Kalifornien – Teil eines weltweiten Abbaus von 2.600 Arbeitsplätzen. Betroffen sind auch sechs Vizepräsidenten und 37 Senior Directors. Vorstandschef Ryan McInerney nennt in einem internen Memo den verstärkten Einsatz Künstlicher Intelligenz als einen der Gründe für den Umbau.
Behördenmeldung beziffert den Abbau am US-Sitz
Visa reichte die Meldung am 31. Juli bei der kalifornischen Arbeitsbehörde EDD ein, wie aus dem von Kanzleien veröffentlichten WARN-Bericht hervorgeht. Das zugrundeliegende WARN-Gesetz verpflichtet US-Firmen, größere Stellenabbauten mindestens 60 Tage im Voraus offiziell zu melden. Die Kündigungen in Foster City werden demnach zum 1. Oktober wirksam. Von den 320 betroffenen Stellen entfallen sechs auf Vizepräsidenten und 37 auf Senior Directors. Weitere 16 Stellen betreffen leitende Ingenieurs- und Architektenposten, der Rest verteilt sich auf Software-Entwicklung und technische Forschung. Zuvor ausgeschriebene Vizepräsidentenstellen an diesem Standort waren mit Jahresgehältern zwischen 235.700 und 458.000 Dollar bewertet. Der Abbau in Foster City ist Teil eines weltweiten Stellenabbaus von rund 2.600 Positionen, gut sieben Prozent der zuletzt gut 34.000 Beschäftigten. Nach Berichten über ein internes Memo McInerneys trifft der Schritt vor allem Technik- und Produktteams weltweit, nicht nur den Standort Foster City. McInerney schreibt darin, er habe „tiefe Überzeugung”, damit richtig für Visa und seine Kunden zu handeln.
KI-Investitionen begleiten den Sparkurs
Ob Künstliche Intelligenz der Hauptgrund für den Abbau ist, bleibt unklar: Berichten zufolge spiele sie eine wichtige, aber nicht die alleinige Rolle. Beim Ergebnisbericht für das dritte Fiskalquartal verwies McInerney auf mehr als 150 firmenintern eingesetzte KI-Anwendungen. Über sogenannte agentische Teamstrukturen habe sich die Produktentwicklungszeit demnach um 65 Prozent verkürzt. Der Konzern verbuchte im selben Quartal Abfindungskosten von 563 Millionen Dollar. Nur wenige Tage nach der Behördenmeldung kündigte Visa zudem die Übernahme des israelischen Betrugserkennungs-Spezialisten BioCatch für 2,4 Milliarden Dollar in bar an. BioCatch analysiert Tipp- und Mausverhalten sowie den Einsatz von KI-Agenten, um Betrug und gekaperte Konten frühzeitig zu erkennen. Solche Betrugsfälle verursachen nach Visa-Angaben weltweit jährlich Schäden von mehr als einer Billion Dollar. Visa reiht sich damit in eine wachsende Liste von Firmen ein, die Stellenabbau mit dem Umbau zu KI-gestützter Arbeit begründen. Erst Ende Juli hatte der Softwareanbieter Monday.com rund 620 Stellen gestrichen und dabei einen ähnlichen Kurs eingeschlagen. Bei Meta klagen unterdessen 26 Beschäftigte gegen eine KI-gestützte Kündigungswelle. Sie werfen dem Konzern vor, ein internes System habe gezielt Eltern- und Pflegezeiten berücksichtigt – ein Vorwurf, den Meta zurückweist. Bei Visa liegt bislang keine vergleichbare Klage vor.
Entscheidend wird, ob sich der aktuelle Abbau als einmalige Kostensenkung erweist oder als Auftakt eines dauerhaften Umbaus der Belegschaft. Offen bleibt zudem, wie viele der gestrichenen Rollen mittelfristig durch neue, KI-nahe Positionen ersetzt werden.


