Der chinesische Roboterhersteller Unitree ist am 19. August erstmals an der Börse gehandelt worden und schloss seinen ersten Handelstag am Shanghaier STAR-Market 460 Prozent über dem Ausgabepreis. Die Aktie sprang zeitweise um bis zu 629 Prozent, die Marktkapitalisierung erreichte am Handelsende umgerechnet rund 50 Milliarden Dollar.
Kurs schließt 460 Prozent über dem Ausgabepreis
Die Aktie startete den Handel deutlich über ihrem Ausgabepreis von 150,80 Yuan und kletterte im Tagesverlauf zeitweise auf 1.100 Yuan, ein Plus von 629 Prozent. Zum Handelsschluss lag der Kurs bei 845 Yuan, ein Tagesgewinn von 460 Prozent. Die Marktkapitalisierung erreichte damit am Höhepunkt umgerechnet rund 66 Milliarden Dollar und pendelte sich zum Handelsende bei etwa 342 Milliarden Yuan beziehungsweise rund 50 Milliarden Dollar ein, wie die South China Morning Post berichtet.
Der Kurssprung übertraf den durchschnittlichen Ersttagsgewinn neuer Notierungen in China von 279 Prozent in diesem Jahr deutlich. Bemerkenswert: Der breitere Star-Market-Composite-Index verlor am selben Tag 7,2 Prozent, der Shanghaier Leitindex gab rund 2,4 Prozent nach. Anleger setzten also gezielt auf Unitree, während der Gesamtmarkt schwächelte. Rund 23,2 Milliarden Yuan wechselten während der Sitzung den Besitzer – ein für einen einzelnen Debüttitel außergewöhnlich hohes Handelsvolumen und fast das Vierfache des gesamten Emissionserlöses von 6,1 Milliarden Yuan, den Unitree Anfang August eingesammelt hatte.
Wang Xingxing und Meituan zählen zu den größten Gewinnern
Firmengründer Wang Xingxing hält weiterhin gut 31 Prozent der Anteile; sein Aktienpaket war zum Handelsschluss rechnerisch rund 103 Milliarden Yuan wert, wie Fortune berichtet. Forbes hatte sein Vermögen unmittelbar nach der Preisfestsetzung Anfang August auf 2,4 Milliarden Dollar geschätzt; nach dem Kurssprung ist sein Anteil umgerechnet auf rund das Sechsfache dieses Werts gestiegen, unabhängig nicht verifiziert bleibt allerdings die genaue Berechnungsgrundlage solcher Vermögensschätzungen.
Auch frühe Unternehmensinvestoren profitierten deutlich. Der Essenslieferant Meituan hält Berichten zufolge rund 8,7 Prozent an Unitree und erzielte damit das rund 70-Fache seines ursprünglichen Investments – eine der lukrativsten Wetten des Konzerns auf die chinesische Robotikbranche. Strategische Investoren wie die KI-Firma DeepSeek, die sich bereits bei der Preisfestsetzung Anteile im Wert von 141 Millionen Yuan gesichert hatte, unterliegen dagegen einer zwölfmonatigen Haltefrist und können ihre Kursgewinne vorerst nicht realisieren. Bleibt der Kurs bis zum Ablauf dieser Sperrfrist im August 2027 auch nur annähernd auf dem aktuellen Niveau, säßen DeepSeek, Tencent, PetroChina und China Southern Power Grid auf nicht realisierten Milliardengewinnen aus einem Einstieg, der erst wenige Wochen zurückliegt.
Analysten streiten über die Substanz des Booms
Die japanische Bank Nomura führt Unitrees schnelle Produktentwicklung und kontinuierliche Innovationskraft als Grundlage für den Wettbewerbsvorteil an. HSBC-Analysten äußern sich deutlich skeptischer: Der Auftrags- und Lieferboom bei Robotikherstellern könne sich als trügerisch erweisen, sollten die tatsächlichen KI-Fähigkeiten der Maschinen nicht mit den Erwartungen mithalten.
Der Streit spiegelt eine größere Debatte über den Robotikmarkt wider. Nach Branchendaten entfielen im ersten Halbjahr 2026 rund 97 Prozent aller weltweit ausgelieferten humanoiden Roboter auf chinesische Hersteller. Unitrees Bewertung übertrifft mit umgerechnet 50 bis 66 Milliarden Dollar bereits den US-Konkurrenten Figure AI, der bei seiner letzten Finanzierungsrunde im September 2025 mit 39 Milliarden Dollar bewertet wurde, während viele westliche Anbieter bislang kaum kommerzielle Umsätze erzielen.
Entscheidend wird, ob sich Unitrees Bewertung an der Börse stabilisiert oder ob die von HSBC angemahnte Lücke zwischen Auftragsboom und tatsächlicher KI-Leistungsfähigkeit die Kurse in den kommenden Wochen wieder drückt. Der Handelsstart reiht sich zugleich in eine breitere Welle chinesischer KI-Börsengänge ein, zu der auch der geplante Hongkonger Börsengang von Moonshot AI zählt – ein Gradmesser dafür, wie viel Anleger derzeit bereit sind, für chinesische KI- und Robotik-Wetten zu zahlen.


