Der chinesische KI-Anbieter Moonshot AI bereitet einen Börsengang in Hongkong vor und hat Aktionären dafür einen Beschlussvorschlag zugestellt. Das meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die laufende Finanzierungsrunde bewertet das Unternehmen mit über 30 Milliarden Dollar, ein Sprung gegenüber rund 20 Milliarden Dollar im Mai.
Kimi K3 treibt Jahresumsatz auf 300 Millionen Dollar
Grundlage des geplanten Börsengangs ist der Erfolg des offenen Sprachmodells Kimi K3, das Moonshot Mitte Juli veröffentlichte. Der wiederkehrende Jahresumsatz kletterte bis Juni auf rund 300 Millionen Dollar, nach 200 Millionen Dollar im April und etwa 100 Millionen Dollar im März – eine Verdreifachung binnen weniger Monate. Moonshot erzielt die Erlöse über gestaffelte Chatbot-Abonnements, eine separat abgerechnete Programmierschnittstelle sowie die Agentenplattform Kimi Work für Büroaufgaben.
Die Nachfrage überstieg die eigenen Erwartungen so deutlich, dass Moonshot vorübergehend keine neuen Kimi-K3-Abonnements mehr annahm, wie beckmann.ai berichtete. Nach Unternehmensangaben stiegen die täglichen Verkäufe seit dem Start um das Sechsfache, die vorhandenen Grafikprozessoren gerieten an ihre Kapazitätsgrenze. Die angestrebte Bewertung von über 30 Milliarden Dollar wäre fast das Siebenfache der 4,3 Milliarden Dollar, mit denen Moonshot im vergangenen Dezember noch bewertet war; unabhängig verifiziert ist diese Zahl nicht. Im Mai hatte eine von Meituan angeführte Finanzierungsrunde das Unternehmen erst mit 20 Milliarden Dollar taxiert, keine drei Monate zuvor.
CICC und Goldman Sachs sollen Notierung begleiten
Für die geplante Notierung an der Hongkonger Börse verhandelt Moonshot nach übereinstimmenden Berichten mit den Investmentbanken China International Capital Corporation und Goldman Sachs über deren Rolle als Konsortialbanken. Der Börsengang könnte binnen sechs Monaten erfolgen. Um Vorgaben der chinesischen Wertpapieraufsicht CSRC für Auslandsnotierungen zu erfüllen, löst das Unternehmen zudem seine bisherige Offshore-Struktur auf, eine sogenannte Red-Chip-Struktur, und wechselt zu einem Modell mit Gemeinschaftsunternehmen. Ein solcher Umbau gilt als Voraussetzung für eine reibungslose Zulassung durch die Börsenaufsicht und kostet in der Regel mehrere Monate Vorlaufzeit.
Gegründet wurde Moonshot AI Anfang 2023 von Yang Zhilin, einem früheren Informatik-Dozenten der Tsinghua-Universität, der zuvor bei Meta und Google gearbeitet hatte. Kimi K3 verarbeitet nach Unternehmensangaben 2,8 Billionen Parameter und ein Kontextfenster von bis zu einer Million Textbausteinen. Das Modell übertrifft nach Angaben der Analyseplattform Artificial Analysis auf mehreren Benchmarks alle Konkurrenzmodelle außer Anthropics Claude Fable 5 und OpenAIs GPT-5.6 Sol und führt insbesondere bei Programmieraufgaben. Als offenes Modell lässt sich Kimi K3 zudem lokal betreiben, was es für Unternehmen mit eigener Recheninfrastruktur attraktiv macht.
Chinesische KI-Firmen drängen gemeinsam an die Börse
Moonshot ist nicht die einzige chinesische KI-Firma mit Börsenplänen. Der Konkurrent DeepSeek bereitet laut Berichten eine Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von umgerechnet rund 73,8 Milliarden Dollar vor und peilt für 2027 einen eigenen Börsengang an. Der Anbieter Z.AI nähert sich nach Brancheneinschätzungen einem Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar und bleibt damit vor Moonshot. Hongkong hat sich für chinesische Technologiefirmen zuletzt als bevorzugter Börsenplatz etabliert, während Notierungen in den USA politisch schwieriger geworden sind.
Der Start von Kimi K3 hatte bereits vergangene Woche kurzzeitig die Kurse von Halbleiterwerten gedrückt und zu einem Kursrutsch an der Nasdaq beigetragen, über den beckmann.ai bereits berichtete. Der nahezu zeitgleiche Start von Alibabas Modell Qwen3.8 verschärfte den Wettbewerbsdruck zusätzlich und nährte an den Finanzmärkten Zweifel an der Kostenführerschaft westlicher Anbieter. Für die geplante Notierung von Moonshot dürfte diese Aufmerksamkeit ein zusätzliches Argument gegenüber Investoren sein, auch wenn günstige chinesische Modelle schon mehrfach für kurzfristige Kursschwankungen bei US-Chipherstellern gesorgt haben.
Offen bleibt, ob Moonshot die Auflösung seiner Auslandsstruktur rechtzeitig vor Ablauf der anvisierten sechs Monate abschließt und ob die Hongkonger Börsenaufsicht dem Zeitplan folgt. Der nächste konkrete Schritt ist die Abstimmung der Aktionäre über den vorgelegten Beschlussvorschlag; ein Termin dafür ist bislang nicht bekannt.


