Moonshot AI hat die Neuanmeldung für sein KI-Modell Kimi K3 vorübergehend gestoppt. Der Chatbot-Anbieter reagiert damit auf eine Nachfragewelle, die binnen 48 Stunden nach dem Start am 16. Juli die eigenen Grafikprozessoren an ihre Belastungsgrenze brachte. Bestehende Abonnentinnen und Abonnenten sind von der Sperre nicht betroffen.
Anmeldestopp soll laufende Kundschaft schützen
Das Interesse an Kimi K3 habe die eigenen Erwartungen deutlich übertroffen, teilte Moonshot AI am 19. Juli auf der Plattform X mit, und die vorhandenen Grafikprozessoren seien dadurch an ihre Belastungsgrenze gestoßen. Das Modell war erst am 16. Juli gestartet und hatte binnen kürzester Zeit für ungewöhnlich hohe Zugriffszahlen gesorgt. Um den laufenden Betrieb für zahlende Kundinnen und Kunden zu sichern, öffnet das Unternehmen vorerst keine neuen Abonnements mehr. Bestehende Mitgliedschaften funktionieren nach Angaben von Moonshot unverändert weiter, weil die vorhandene Rechenleistung vorrangig für sie reserviert bleibt.
Neue Interessenten sollen künftig in kontrollierten Gruppen freigeschaltet werden, sobald zusätzliche Serverkapazität bereitsteht. Einen festen Termin für die Wiederöffnung nennt das Unternehmen nicht. Gleichzeitig kündigte Moonshot an, das bisherige Tarifmodell aufzuspalten: Eine Mitgliedschaft deckt künftig die Nutzung über die Website, die App und die Büroanwendung Kimi Work ab, eine zweite, eigenständige Mitgliedschaft ist für die Programmierumgebung Kimi Code reserviert. Die Trennung soll verhindern, dass rechenintensive Programmieraufgaben die Kapazität für gewöhnliche Chat-Anfragen aufzehren.
Fünf Tarife reichen von kostenlos bis 159 Dollar
Sobald die Anmeldung wieder öffnet, gilt laut der offiziellen Kimi-Preisseite eine fünfstufige Tarifstruktur. Die kostenlose Stufe Adagio erlaubt einfache Chats, Datei-Uploads und Websuche, jedoch nur ein begrenztes Guthaben für Agenten-Funktionen. Die kostenpflichtigen Stufen Moderato, Allegretto, Allegro und Vivace kosten bei jährlicher Abrechnung 15, 31, 79 beziehungsweise 159 Dollar pro Monat und schalten mehr gleichzeitige Aufgaben, ein höheres Agenten-Guthaben sowie eine schnellere Kimi-Code-Nutzung frei. Wer das Modell über eine eigene Anwendung per Schnittstelle ansteuert, zahlt getrennt nach Textbausteinen, den sogenannten Token: drei Dollar je eine Million Eingabe-Token, mit Zwischenspeicherung nur 30 Cent, sowie 15 Dollar je eine Million Ausgabe-Token. An diesen Preisen ändert der Anmeldestopp nichts, sie gelten unverändert für alle Tarifstufen.
Ob und wie Moonshot den Dienst offiziell auch in Deutschland oder der Europäischen Union anbietet, bleibt offen. Das Unternehmen nennt auf seinen Seiten keine regionalen Einschränkungen, verweist aber auch nicht ausdrücklich auf einen Marktstart in der EU. Zugang ist bislang über die Website, eine App sowie die genannte Programmierschnittstelle möglich.
Kimi K3 hatte bereits die Börsen bewegt
Kimi K3 hatte schon vor dem Kapazitätsengpass für Aufsehen gesorgt: Das offene Modell mit 2,8 Billionen Parametern und einem Kontextfenster von bis zu einer Million Token löste unmittelbar nach seinem Start einen kurzen Kurseinbruch bei Nvidia aus und verhalf Apple kurzzeitig zum höchsten Börsenwert der Welt, wie beckmann.ai berichtete. Der jetzige Anmeldestopp liest sich für Beobachter als Beleg dafür, dass die Nachfrage nach dem günstigen offenen Modell real ist und nicht nur auf dem Papier besteht.
Laut übereinstimmenden Berichten von Yahoo Finance und Crypto Briefing wird Moonshot inzwischen mit mehr als 20 Milliarden Dollar bewertet, nach einer jüngsten Finanzierungsrunde von rund zwei Milliarden Dollar. Beim Jahresumsatz weichen die Angaben der beiden Portale voneinander ab: Yahoo Finance nennt mehr als 300 Millionen Dollar, Crypto Briefing spricht von über 200 Millionen Dollar – unabhängig verifiziert ist keine der beiden Zahlen. Für Entwicklerinnen und Entwickler, die das Modell selbst betreiben wollen, hält Moonshot am ursprünglichen Termin fest: Die vollständigen Modellgewichte sollen bis zum 27. Juli erscheinen.
Entscheidend wird, ob Moonshot seine Serverkapazität schnell genug ausbaut, um das Versprechen einer baldigen Wiederöffnung einzulösen. Bleibt der Anmeldestopp über Wochen bestehen, dürfte das offene Gewichtsmodell ab dem 27. Juli zum eigentlichen Ventil werden: Wer selbst Rechenleistung besitzt, wäre dann nicht mehr auf Moonshots eigene Infrastruktur angewiesen.


