Die Kurswoche der beobachteten KI-Firmen war zweigeteilt. Nvidia erholte sich von einem Kursrutsch am Montag und beendete die Woche 6,8 Prozent im Plus bei 232,24 Dollar, getragen von der am Freitag besiegelten Übernahme des Open-Source-Anbieters Hugging Face. Am Freitag selbst geriet ein Teil der hochbewerteten Technologiewerte – Tesla, Apple, Palantir – unter Druck, während Chip-Aktien wie ASML, Arm und AMD demselben Gegenwind trotzten.
Nvidia: Vom Kursrutsch zur Erholung
Nvidia: +6,8 % auf 232,24 Dollar
Die Woche begann für Nvidia mit einem Rückschlag: Am Montag investierte der Chipkonzern 3,5 Milliarden Dollar in Wandelanleihen des Partners MediaTek – eine Anleihe, die Investoren später in Aktien tauschen können. Die Nvidia-Aktie schloss daraufhin knapp fünf Prozent tiefer bei 217,55 Dollar, weil Anlegerinnen und Anleger laut Bloomberg erneut zirkuläre Finanzierungsstrukturen in der KI-Branche fürchteten. Im Wochenverlauf drehte die Aktie: Am Freitag besiegelte Nvidia den Kauf von Hugging Face für 12,93 Milliarden Dollar, nachdem zwischenzeitlich sogar von rund 14 Milliarden Dollar die Rede gewesen war. Am selben Tag wurde bekannt, dass Nvidias Beteiligungsportfolio an anderen Firmen binnen zwölf Monaten auf 99 Milliarden Dollar gewachsen ist. Die Aktie notiert damit nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 235,74 Dollar.
Wachstumswerte geraten am Freitag unter Druck
Tesla: -6,2 % auf 353,08 Dollar
Tesla verlor am Freitag rund sechs Prozent. Auslöser war laut 24/7 Wall St. ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht für August, der die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der Sitzung der US-Notenbank (Fed) am 16. September auf über 60 Prozent steigen ließ – ein Umfeld, das besonders hoch bewertete Wachstumswerte belastet. Bei Tesla kam laut Forbes hinzu, dass Anlegerinnen und Anleger vor dem geplanten Robotaxi-Start des Cybercab in Austin in dieser Woche Gewinne mitnahmen; mehr als drei von zehn Dollar der Tesla-Bewertung hingen demnach mittlerweile am Robotaxi-Geschäft, das bislang unter einem halben Prozent des Konzernumsatzes ausmache.
Apple: -2,9 % auf 318,68 Dollar
Apple fiel am Freitag im Sog desselben Zinsschrecks. Einen eigenen, gesondert datierten Anlass für die Apple-Aktie an diesem Tag gibt es nicht – die Aktie bewegte sich damit ohne erkennbaren unternehmensspezifischen Auslöser im Gleichschritt mit dem breiten Markt.
Palantir: -3,6 % auf 176,05 Dollar
Auch Palantir setzte am Freitag eine Talfahrt fort, die laut Motley Fool bereits am Dienstag begonnen hatte: Die Aktie war nach einer Rally, die den Titel zeitweise auf das 144-Fache des erwarteten Jahresgewinns getrieben hatte, deutlich zurückgekommen – selbst ein neuer Auftrag der US-Armee im Rahmen des Titan-Programms habe daran nichts geändert, da Anlegerinnen und Anleger Gewinne mitnahmen.
Chip-Zulieferer trotzen dem Zinsschreck
ASML: +3,9 % auf 1.709,81 Dollar
Während Tesla, Apple und Palantir nachgaben, legten Chip-Aktien am Freitag zu. ASML gewann fast vier Prozent, nachdem mehrere Investmentbanken – darunter UBS, Citi, Deutsche Bank und RBC – ihre Kursziele zuletzt wegen der robusten Nachfrage nach EUV-Lithografie-Anlagen für KI-Chips angehoben hätten, wie Leverage Shares berichtet. Auch Arm (+3,8 % auf 251,81 Dollar), AMD (+3,0 % auf 469,94 Dollar) und der taiwanische Auftragsfertiger TSMC (+2,2 % auf 426,25 Dollar) stiegen. Der Halbleiterindex SOXX – ein Börsenbarometer für Chip-Aktien – habe den breiteren Technologieindex Nasdaq nach Angaben von 24/7 Wall St. am Freitag um rund drei Prozentpunkte übertroffen, getragen von anhaltender Zuversicht in die KI-Chipnachfrage trotz der gestiegenen Zinssorgen.
Die deutschen und europäischen Werte im Beckmann-Katalog bewegten sich diese Woche kaum: SAP notierte zuletzt bei 215,67 Dollar (-0,6 %), Siemens, Siemens Energy, Infineon, Aixtron und Süss MicroTec zeigten zum Wochenschluss keine nennenswerten Ausschläge – ein Ruhepol gegenüber der Volatilität bei den großen US-Werten.
Für das Gesamtbild bedeutet die Woche eine Verschiebung: Nicht mehr allein KI-Investitionsdeals wie bei Nvidia bewegen die Kurse, sondern zunehmend auch die Zinserwartungen der US-Notenbank, die hoch bewertete Wachstumswerte und Chip-Aktien unterschiedlich treffen. In der kommenden Woche schließen Nvidia und MediaTek ihre Wandelanleihe ab (8. September), am 16. September entscheidet die Fed über die Leitzinsen.
Dieser Überblick ist journalistische Berichterstattung, keine Anlageberatung.


