Der Computerhersteller Dell hat im zweiten Fiskalquartal 2027 einen Auftragsbestand von 95 Milliarden Dollar für KI-Server gemeldet, so viel wie nie zuvor. Der Konzernumsatz stieg um 58 Prozent auf 47 Milliarden Dollar, das Geschäft mit KI-Servern verdoppelte sich auf 16,4 Milliarden Dollar. Dell hebt daraufhin seine Jahresprognose deutlich an.
Bestellungen wachsen schneller als die Auslieferung
Im Quartal gingen laut Mitteilung von Dell Technologies neue Bestellungen für KI-optimierte Server im Rekordwert von 60,9 Milliarden Dollar ein. Da die Fertigung mit der Nachfrage nicht Schritt hält, wuchs der offene Auftragsbestand binnen eines Quartals auf 95 Milliarden Dollar. Über die vergangenen zwölf Monate summierten sich die Bestellungen für KI-Server auf 131,7 Milliarden Dollar. Auf Basis dieser Zahlen erhöht Dell die Umsatzprognose fürs laufende Geschäftsjahr um 25 Milliarden auf rund 192 Milliarden Dollar. Beim KI-Server-Umsatz rechnet der Konzern nun mit 74 Milliarden Dollar, knapp dreimal so viel wie im Vorjahr. Finanzchef David Kennedy begründet die Anhebung mit der beschleunigten Nachfrage nach KI-Technik im gesamten Portfolio. Auch das übrige Geschäft wuchs kräftig: Die Sparte Infrastrukturlösungen (ISG) legte um 89 Prozent auf 31,8 Milliarden Dollar zu, klassische Server und Netzwerktechnik sogar um 122 Prozent. Die operative Marge der Sparte kletterte um 6,2 Punkte auf 15 Prozent, der Gewinn je Aktie verdreifachte sich nahezu auf 7,04 Dollar.
Kundenkreis reicht längst über Cloud-Konzerne hinaus
Mehr als 6500 Kunden bestellen inzwischen KI-Server bei Dell, verteilt auf drei Gruppen: spezialisierte Cloud-Anbieter, staatliche Programme und klassische Unternehmen. Die Nachfrage reicht damit über die anfängliche Konzentration auf wenige große Hyperscaler hinaus. Zugleich räumt Dell anhaltende Lieferengpässe bei Arbeitsspeicher, Flash-Speicher, Prozessoren und weiteren KI-Bauteilen ein. Wie zuvor bei Nvidias Quartalszahlen sichtbar wurde, treiben knappe Speicherchips die Kosten für Hersteller von KI-Hardware branchenweit nach oben.
Die Aktie legte nach der Veröffentlichung zunächst im nachbörslichen und vorbörslichen Handel um rund neun Prozent zu. Am folgenden Handelstag fiel sie laut 24/7 Wall St. jedoch wieder um 7,3 Prozent auf 422,72 Dollar. Für das laufende dritte Quartal stellt Dell einen Umsatz von 49 Milliarden Dollar in Aussicht, ebenfalls über den bisherigen Erwartungen der Analysten. Die Verwaltungskosten sanken zugleich auf 8,5 Prozent vom Umsatz, den niedrigsten Stand der Firmengeschichte.
Entscheidend wird, ob Dell die Lücke zwischen bestelltem und tatsächlich ausgeliefertem Volumen schließen kann, bevor im Dezember die nächsten Zahlen anstehen. Jeff Clarke bezifferte die Chance durch KI-Infrastruktur bis zum Jahr 2030 auf mehr als eine Billion Dollar, gestützt auf eine erwartete 87-fache Zunahme der Rechenlast für KI-Anwendungen im laufenden Betrieb. Ob sich diese Prognose hält, hängt auch davon ab, wie schnell sich die Engpässe bei Speicherchips auflösen.


