Anthropic hat laut übereinstimmenden Medienberichten einen Cloud-Computing-Vertrag über 35 Milliarden Dollar mit dem Nvidia-nahen Anbieter Lambda geschlossen. Die Rechenleistung soll aus einem rund 350-Megawatt-Rechenzentrum in Texas stammen, das der frühere Bitcoin-Miner Hut 8 baut. Offiziell bestätigt haben beide Unternehmen den Deal bislang nicht.
Lambda liefert Nvidia-Chips aus einem texanischen Rechenzentrum
Hut 8, ein vom Bitcoin-Mining zum KI-Rechenzentrumsbetreiber gewandeltes Unternehmen, entwickelt den sogenannten Beacon-Point-Campus im texanischen Nueces County mit einer Kapazität von rund 350 Megawatt. Das Wall Street Journal meldete den Deal am 31. August zuerst: Nvidia hält demnach selbst die Mietrechte an der Fläche, während Lambda dort Nvidia-Chips installiert und die daraus entstehende Rechenleistung an Anthropic weiterverkauft. Reuters bestätigte die Vereinbarung mit einer eigenen, unabhängigen Quelle. Die Vertragslaufzeit blieb in den Berichten offen, ebenso die Summe, die Lambda selbst an Nvidia für den Zugang zur Fläche zahlt.
Weder Anthropic noch Lambda äußerten sich bislang öffentlich zu den Berichten. Ein Anthropic-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab, Nvidia, Lambda und Hut 8 reagierten zunächst nicht auf Presseanfragen. Die Deal-Summe von 35 Milliarden Dollar selbst ist unabhängig nicht verifiziert. Die verschachtelte Struktur aus vier beteiligten Firmen zeigt, wie stark Nvidia inzwischen sowohl als Zulieferer als auch als Finanzier und Flächen-Mieter im Rechenzentrumsgeschäft seiner eigenen Kunden auftritt.
Weitere Milliardenverträge sichern Rechenleistung für Claude
Der Lambda-Deal ist nicht der erste seiner Art. Erst Ende August hatte sich Anthropic für 45 Milliarden Dollar Rechenleistung bei Nscale gesichert, ausgestattet mit Nvidias neuen Vera-Rubin-Chips in West Virginia. Zwei weitere Deals kommen laut Bloomberg hinzu: 50 Milliarden Dollar mit dem Anbieter Fluidstack und 45 Milliarden Dollar mit Elon Musks SpaceX. Anthropic reagiert damit auf einen Engpass bei Rechenleistung, der Anfang 2026 auftrat, als die Nachfrage nach Claude schneller wuchs als die verfügbare Infrastruktur – zuletzt musste Anthropic deshalb die Nutzungsgrenzen für Claude Code senken.
Parallel baut Anthropic eigene Chip-Kompetenz auf: Ein eigenes Chip-Design-Team soll die Inferenzkosten senken, verstärkt durch den früheren Google-TPU-Chef Amir Salek im Compute-Team. Zusätzlich hatte Google im August Kredite über 200 Milliarden Dollar mit eigenen Chip-Lieferungen an Anthropic verknüpft. Die Investitionen fallen in eine Phase, in der Anthropic seinen für Herbst 2026 geplanten Börsengang vorbereitet und Investoren dabei eine Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar in Aussicht stellt.
Hut 8 profitiert am stärksten von der Ankündigung
Börsianer reagierten schneller als die beteiligten Unternehmen selbst: Die Aktie des Rechenzentrumsbetreibers Hut 8 legte im vorbörslichen Handel um bis zu vier Prozent zu. Alle 18 Analysten, die den Titel abdecken, empfehlen ihn zum Kauf, wie eine Auswertung von Yahoo Finance zeigt. Der Analyst Mark Palmer von Benchmark hob sein Kursziel auf 195 Dollar an – rund 143 Prozent über dem damaligen Kurs – und nannte den Deal eine „Bestätigung der ‘Power First’-These”, wonach knappe Energie in langfristig vermietete Infrastruktur umgewandelt wird.
Hut 8 hatte bereits im Mai einen 15-Jahres-Vertrag über 9,8 Milliarden Dollar mit Nvidia für die Fläche am Beacon-Point-Campus geschlossen, der sich mit drei Verlängerungsoptionen auf bis zu 25,1 Milliarden Dollar summieren kann. Der neue Lambda-Anthropic-Vertrag baut auf dieser Basis auf, ohne dass die beteiligten Unternehmen den finanziellen Zusammenhang zwischen beiden Verträgen offengelegt haben. Für Hut 8 bedeutet die Konstruktion vor allem ein geringeres Risiko: Weil Nvidia als Mieter auftritt, trägt der einstige Krypto-Miner das Auslastungsrisiko der milliardenschweren Anlage nicht allein.
Offen bleibt, ob die vier Rechenleistungs-Deals zusammen mit dem eigenen Chip-Team ausreichen, um den Engpass endgültig zu beheben, bevor Anthropic im Herbst an die Börse geht. Die Summe der bislang bekannten Verträge übersteigt 175 Milliarden Dollar, ohne dass ein einziges Unternehmen alle Zahlen offiziell bestätigt hat. Entscheidend wird, ob Investoren vor dem Börsengang genauere Vertragsdetails einfordern, als es Journalisten bislang gelungen ist.


