Investoren von Anthropic rechnen laut einem Bericht der Financial Times bei dem für Oktober geplanten Börsengang mit einer Bewertung von mindestens zwei Billionen Dollar. Grundlage ist ein Sprung der annualisierten Umsatzrate von 47 auf 65 Milliarden Dollar zwischen Mai und Ende Juli. Ein Investor hält bei anhaltendem Tempo sogar drei Billionen Dollar für möglich.
Umsatzrate springt um 18 Milliarden Dollar in zwei Monaten
Ende 2025 lag Anthropics Jahresumsatzrate laut früheren Berichten bei rund neun Milliarden Dollar, bis Mai wuchs sie auf 47 Milliarden Dollar – und legte bis Ende Juli auf 65 Milliarden Dollar zu, wie TechCrunch unter Berufung auf Investorenkreise berichtet. Allein zwischen Mai und Juli kamen damit 18 Milliarden Dollar hinzu. Zum Vergleich: Die annualisierte Umsatzrate von Rivale OpenAI liegt demnach bei rund 40 Milliarden Dollar, nachdem das Unternehmen 2025 rund 20 Milliarden Dollar Jahresumsatz erzielt hatte.
Das Wachstum baut auf einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar auf, die Anthropic bei einer Finanzierungsrunde im Mai erzielte – seither ist der Umsatz den Angaben zufolge um rund 38 Prozent gestiegen, während die nun kursierende Bewertungserwartung mehr als doppelt so hoch liegt.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnen mehrere Investoren mit einem Jahresumsatz zwischen 100 und 120 Milliarden Dollar – mehr als das Zehnfache des Standes von Ende 2025. Bereits im Juli hatte Anthropic erste Gespräche mit dem von Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan geführten Bankenkonsortium aufgenommen; ein offizielles Datum für den Börsengang nennt das Unternehmen weiterhin nicht.
Ein Investor hält drei Billionen Dollar für möglich
Sechs mit den Gesprächen vertraute Investoren gehen davon aus, dass Anthropic beim Börsengang mindestens zwei Billionen Dollar wert sein wird – eine Einschätzung, die über die Vorsicht hinausgeht, die Analyst David Merkel Mitte August äußerte, als er eine solche Bewertung für denkbar hielt, aber vor der Unsicherheit einer bloßen Prognose warnte. Ein Investor rechnet bei einem Jahreswachstum von 800 Prozent mit mindestens dem 30-Fachen des Umsatzes als Bewertungsmaßstab – das entspräche rund drei Billionen Dollar. Anthropic selbst habe intern noch keinen Zielwert für die Bewertung festgelegt.
Für das zweite Quartal 2026 hatte Anthropic Investoren bereits im Mai laut einem Bericht des Wall Street Journal einen ersten operativen Quartalsgewinn von 559 Millionen Dollar bei 10,9 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht gestellt – ein Plus von 130 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Wie Fortune einordnet, sagt ein operativer Gewinn allerdings nichts über Zinsen und Steuern aus; ob am Ende ein echter Nettogewinn steht, bleibt offen. Das Unternehmen habe Investoren zugleich gewarnt, geplante Ausgaben für Rechenzentren Ende 2026 und 2027 könnten das Ergebnis wieder ins Minus drücken.
Hohe Preise und Exportkontrollen bremsen das Wachstum
Der erwarteten Rekordbewertung stehen mehrere Risiken gegenüber, die der Bericht auflistet. Anthropics Modelle kosten laut den befragten Investoren rund das 2,5-Fache des Preises von OpenAIs derzeitigem Flaggschiff-Produkt – ein Preisabstand, der preissensible Firmenkunden zum Wechsel auf günstigere Alternativen bewegen könne. Das Umsatzwachstum habe sich zudem nach schärferen US-Exportkontrollen für KI-Chips zeitweise verlangsamt. Zusätzlich belastet ein noch offener Rechtsstreit mit dem US-Verteidigungsministerium das Geschäft, dessen Ausgang die Investoren nicht näher beziffern.
Der hohe Kapitalbedarf hinter dem Wachstum zeigt sich auch an anderer Stelle: Erst im August verknüpfte Google Kredite über 200 Milliarden Dollar mit Chip-Lieferungen, die Anthropic least, um seine Rechenzentren zu füllen. Führen sollen den geplanten Börsengang weiterhin Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan, die bereits im Juli erste Investorengespräche begleiteten.
Offen bleibt, ob Anthropic die versprochene Wachstumsrate bei der für den Börsengang nötigen SEC-Einreichung mit geprüften statt bloß intern kommunizierten Zahlen belegen kann. Bis dahin beruht die Zwei-Billionen-Erwartung auf Angaben von Investoren, die selbst am Ausgang des Börsengangs beteiligt sind – und auf einem Wachstumstempo, das sich angesichts der Exportkontrollen und des Preisdrucks durch OpenAI nicht automatisch fortschreiben lässt.


