Der Grafikchip-Hersteller Nvidia steckt laut einem Bericht der Information in Gesprächen über eine milliardenschwere Beteiligung am KI-Suchdienst Perplexity. Die verhandelte Bewertung liegt bei mehr als 30 Milliarden Dollar – gut die Hälfte mehr als vor einem Jahr. Perplexitys Umsatz hat sich seit Januar mehr als verdreifacht.
Umsatz von Perplexity verdreifacht sich binnen acht Monaten
Perplexity hatte seine letzte Finanzierungsrunde im September 2025 bei einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar abgeschlossen, nur zwei Monate nach einer Runde über 100 Millionen Dollar bei 18 Milliarden Dollar Bewertung im Juli desselben Jahres. Die nun verhandelte Bewertung von über 30 Milliarden Dollar würde diesen Wert binnen eines Jahres um mehr als die Hälfte steigern. Parallel dazu ist der annualisierte Umsatz des Unternehmens der Information zufolge von unter 250 Millionen Dollar zu Jahresbeginn auf inzwischen mehr als 750 Millionen Dollar gestiegen – eine Verdreifachung binnen acht Monaten. Einen wesentlichen Anteil am Wachstum habe Perplexity Computer, ein cloudbasierter KI-Agent, der Büroaufgaben für professionelle Nutzer automatisiert. Perplexity hatte zudem Anfang des Jahres eine 750-Millionen-Dollar-Vereinbarung mit Microsoft über die Nutzung von Azure-Cloud-Diensten geschlossen. Bei der verhandelten Bewertung entspräche das rund dem 40-Fachen des laufenden Jahresumsatzes – ein für die Suchbranche unabhängig nicht verifizierter, aber von mehreren Finanzmedien übereinstimmend genannter Faktor.
Nvidia baut Kapitalbeteiligungen an KI-Firmen systematisch aus
Der Chiphersteller ist bereits seit 2023 Investor bei Perplexity und hatte in den vergangenen Monaten auch über eine mehrstellige Milliardenlizenz für eigene Technologie verhandelt, statt direkt Kapital einzubringen. Eine Beteiligung an der aktuellen Runde wäre damit ein Wechsel der Strategie hin zu einer direkten Eigenkapitalposition. Das Muster ist bei Nvidia inzwischen etabliert: Erst kürzlich garantierte der Konzern 105 Milliarden Dollar für ein OpenAI-Rechenzentrum in Ohio und hält 9,3 Prozent am KI-Cloud-Anbieter Nebius. Mitte August hatte Nvidia zudem mit sechs Finanzkonzernen Plattformen vereinbart, die mehr als 500 Milliarden Dollar externes Kapital für den Ausbau von KI-Rechenzentren bereitstellen sollen. In allen Fällen verknüpft Nvidia Kapital mit langfristigen Liefer- oder Nutzungsverträgen für die eigenen Chips. Beobachter werten solche Deals als Versuch, Nvidias Abhängigkeit vom reinen Chipverkauf zu verringern und zugleich Einfluss auf die Software-Schicht der KI-Wertschöpfung zu behalten, zu der auch Such- und Antwortdienste zählen. Für Perplexity wiederum sichert ein finanzstarker Ankerinvestor wie Nvidia zusätzlichen Zugang zu knapper Rechenkapazität.
Weitere Geldgeber und Börsenpläne bis 2028
Neben Nvidia zählen Reuters zufolge bereits Amazon-Gründer Jeff Bezos und die japanische SoftBank Group zu Perplexitys Investoren; frühere Runden summierten das bislang eingesammelte Kapital auf gut 1,5 Milliarden Dollar. Perplexity war zuvor vor allem durch seinen unaufgeforderten Übernahmeversuch für den Google-Browser Chrome im Wert von 34,5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr aufgefallen – ein Angebot, das Google ablehnte, das aber die Ambitionen des Unternehmens jenseits der reinen Suchfunktion zeigte. Perplexity-Chef Aravind Srinivas hatte im Juni erklärt, an einem Börsengang für 2028 festzuhalten – unabhängig davon, wie sich mögliche Notierungen von Anthropic und OpenAI entwickeln. Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der KI-Chatbots verstärkt in Konkurrenz zu etablierten Suchmaschinen treten und Nvidia als Kapitalgeber auf mehreren Seiten dieses Wettbewerbs gleichzeitig vertreten ist. Bislang lehnten sowohl Perplexity als auch Nvidia eine Stellungnahme zu den laufenden Gesprächen ab; Details zu Investitionssumme und Zeitplan der neuen Runde blieben offen.
Offen bleibt, ob Nvidia bei Perplexity diesmal tatsächlich als Kapitalgeber einsteigt oder erneut vor allem über langfristige Chip-Lieferverträge Einfluss sichert. Bestätigt sich die Bewertung von über 30 Milliarden Dollar, wäre das ein weiteres Signal, dass Investoren trotz jüngster Kursschwankungen bei KI-Werten bereit sind, für die vermeintlichen nächsten Gewinner der Branche deutlich höhere Preise zu zahlen als noch vor einem Jahr.


