Google baut eine Aufnahmefunktion direkt in Google Slides ein: Mit einem Klick auf den neuen Aufnahme-Button entsteht aus einer Präsentation ein fertiges, vertontes Video statt nur einer Foliensammlung. Wer bislang für ein Erklärvideo extra Software brauchte, spart sich diesen Schritt. Die Funktion rollt seit dem 20. August 2026 aus und steht auch privaten Google-Konten offen.
Ein neuer Button verwandelt Folien in ein Video
Bislang ließ sich eine Präsentation in Google Slides nur als Bilderfolge zeigen oder musste mit externer Software mühsam in ein Video verwandelt werden. Ein neuer Aufnahme-Button im rechten Seitenmenü ändert das: Nutzerinnen und Nutzer wählen zwischen Kamera und Bildschirm gemeinsam, nur der eigenen Stimme oder ausschließlich den Folien. Im Hintergrund übernimmt Google Vids, das hauseigene Videowerkzeug von Google, die Aufbereitung.
Bislang halfen KI-Werkzeuge vor allem beim Erstellen der Folien selbst, etwa wenn ChatGPT Folien direkt in PowerPoint baut oder Copilot Word-Berichte in fertige PowerPoint-Folien verwandelt. Die neue Google-Funktion setzt einen Schritt später an, bei der fertigen Präsentation.
So startet die Aufnahme:
- Präsentation öffnen und den Aufnahme-Button im Seitenmenü anklicken.
- Aufnahme-Art wählen: Kamera und Bildschirm, nur Ton oder nur die Folien.
- Kamera und Mikrofon auswählen und die Aufnahme starten.
- Nach dem Stopp öffnet sich Google Vids zur Nachbearbeitung.
- Fertiges Video über einen Link freigeben.
Alltagsbeispiel: Eine Assistenz erstellt eine Einweisung für ein neues internes Formular. Statt Kolleginnen und Kollegen einzeln zu erklären, wie das Formular auszufüllen ist, nimmt sie die bestehende Foliensammlung einmal mit eigener Stimme auf und verschickt anschließend nur den Link.
Aufgenommene Folien sparen Zeit im Büroalltag
Der Vorteil zeigt sich überall dort, wo Informationen bisher mehrfach mündlich erklärt wurden: bei der Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen, bei Erklärvideos zu internen Abläufen oder bei Zusammenfassungen für Kunden, die einen Termin verpasst haben. Wer eine Präsentation ohnehin für ein Meeting vorbereitet hat, muss sie nicht zusätzlich live vortragen, sondern nimmt sie einmal auf und verschickt sie an alle, die zeitlich nicht können.
Besonders hilfreich: Google Vids erstellt automatisch ein Transkript der Aufnahme und markiert Füllwörter sowie lange Sprechpausen. Mit einem Klick lassen sich diese Stellen herausschneiden, ohne das Video neu aufzunehmen oder in einem separaten Schnittprogramm zu bearbeiten. Für Berichte, Quartalsupdates oder Schulungsvideos entfällt damit ein Arbeitsschritt, der bislang oft an externe Dienstleister ging oder liegen blieb, weil die Zeit für die passende Software fehlte.
Auch standortübergreifend lässt sich die Funktion nutzen: Ein einmal aufgenommenes Video geht per Link an Kolleginnen und Kollegen an anderen Standorten, die es sich zeitversetzt ansehen, ganz ohne gemeinsamen Kalendertermin über mehrere Zeitzonen hinweg.
Der Zugang steht fast allen Google-Konten offen
Die Aufnahmefunktion kostet laut Google nichts zusätzlich und ist an keinen separaten Vertrag gebunden. Sie steht Firmenkunden mit Google Workspace, Einzelabonnentinnen von Google Workspace Individual und, anders als viele neue KI-Funktionen zuletzt, auch privaten Google-Konten offen, wie aus der offiziellen Ankündigung hervorgeht. Der Rollout begann am 20. August 2026 zunächst für sogenannte Rapid-Release-Domains und kann dort bis zu 15 Tage dauern; Organisationen mit dem langsameren Scheduled-Release-Modell folgen erst ab dem 7. September 2026. Auch Android Authority bestätigt den weltweiten Rollout unabhängig.
Für die Aufnahme selbst setzt Google laut eigener Hilfeseite den Browser Chrome oder Edge voraus; zum Ansehen eines fertigen Videos reicht jeder gängige Browser. Die Blog-Ankündigung spricht von breiter Verfügbarkeit für alle Kontotypen, während die Google-Hilfeseite an einer Stelle noch von „bestimmten Firmen- oder Schulkonten” spricht: unabhängig nicht verifiziert ist daher, ob wirklich jedes Konto von Beginn an den vollen Funktionsumfang erhält. Wer den Button im Slides-Menü noch nicht sieht, dürfte ihn in den kommenden Tagen bekommen.
Entscheidend wird, wie zuverlässig die automatische Nachbearbeitung tatsächlich funktioniert: Wer sich bei einer wichtigen Kundenpräsentation allein auf die KI-Schnittfunktion verlässt, sollte das Ergebnis vor dem Versand noch einmal gegenhören. Offen bleibt zudem, ob Aufnahmen mit sensiblen Kunden- oder Firmendaten künftig genauso freizügig über einen offenen Link geteilt werden sollten wie ein internes Schulungsvideo, dafür lohnt vorher ein kurzer Blick in die eigenen Datenschutzrichtlinien. Der nächste Prüfstein ist der 7. September 2026, wenn auch trägere Firmenkonten die Funktion erhalten.


