Alibaba platziert am 23. August 2026 neue Aktien im Wert von umgerechnet 10,2 Milliarden Dollar an der Börse Hongkong. Der chinesische Technologiekonzern will die gesamten Nettoerlöse in eigene Chips, Rechenzentren und KI-Modelle stecken. Es ist die größte Kapitalerhöhung eines in Hongkong notierten Unternehmens.
Platzierung finanziert den gesamten KI-Stack
Alibaba gibt in einer Börsenmitteilung 710 Millionen neue Aktien zu je 112,70 Hongkong-Dollar aus, ein Abschlag von 3,6 Prozent zum letzten Schlusskurs. Das Gesamtvolumen liegt bei rund 80 Milliarden Hongkong-Dollar. Die Abwicklung ist für den 26. August 2026 vorgesehen, vorbehaltlich der üblichen Abschlussbedingungen. Der Konzern begründet den Schritt damit, seine globale Führungsposition bei Künstlicher Intelligenz ausbauen zu wollen: Das Kapital fließt vollständig in den kompletten KI-Stack, von eigenen Prozessoren über Rechenzentren bis zur Weiterentwicklung firmeneigener Modelle wie Qwen3.8. US-Investoren sind von der Zeichnung ausgeschlossen, da das Angebot ausschließlich außerhalb der Vereinigten Staaten läuft und nicht nach US-Wertpapierrecht registriert ist. Morgan Stanley, HSBC, UBS und CICC begleiten die Platzierung als Bookrunner, wie Reuters berichtet. Die Agentur ordnet das Volumen zudem als weltweit drittgrößte Kapitalerhöhung eines börsennotierten Unternehmens im laufenden Jahr ein, hinter Angeboten von Alphabet und Intel – eine Einstufung, die unabhängig nicht verifiziert ist. Die Nachfrage bei institutionellen Investoren, darunter auch Staatsfonds, sei stark gewesen. Das ursprünglich vorgesehene Volumen wurde im Zuge der Überzeichnung noch aufgestockt. Die Aktien werden ausschließlich in Hongkong platziert, wo Alibaba neben der Notierung an der New Yorker Börse seit 2019 eine zweite Primärnotiz führt.
Quartalsgewinn sinkt wegen hoher Investitionen
Die Platzierung folgt auf Quartalszahlen vom 20. August: Der Umsatz stieg im April-Juni-Quartal um 9 Prozent auf 268,95 Milliarden Yuan, die Investitionsausgaben legten um 75 Prozent auf 67,7 Milliarden Yuan zu – umgerechnet etwa 10 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn brach im selben Zeitraum um 75 Prozent ein, wie Bloomberg berichtete. Konzernchef Eddie Wu argumentiert, der Konzern müsse zunächst in ausreichend Rechenkapazität investieren, um künftiges Wachstum überhaupt abschöpfen zu können. Werde bei eigenen Chips künftig der Zukauf fremder Prozessoren ersetzt, rechne er mit spürbar höheren Bruttomargen und höherer Profitabilität. Die KI-Investitionen sollen sich laut Wu bei den derzeitigen durchschnittlichen Bruttomargen innerhalb von drei Jahren amortisieren. Das Cloud-Geschäft wuchs im Quartal um 45 Prozent, die Erlöse aus KI-Produkten legten laut Unternehmensangaben das zwölfte Quartal in Folge dreistellig zu. Für den Zeitraum 2026 bis 2029 hat der Konzern insgesamt 380 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 56,4 Milliarden Dollar, für den KI-Ausbau eingeplant. Bis zum aktuellen Quartal ist davon bereits etwa die Hälfte investiert. Die frischen Mittel aus der Aktienplatzierung kommen zu diesem laufenden Budget hinzu, ersetzen es aber nicht.
Anleger reagierten verhalten: Die Alibaba-Aktie gab am Tag der Ankündigung zeitweise rund 2,5 Prozent nach. Offen bleibt, ob sich Wus Amortisationsprognose bestätigt, sobald firmeneigene Chips die bislang zugekauften Prozessoren in den Rechenzentren tatsächlich ersetzen – und ob weitere chinesische Techkonzerne dem Beispiel folgen und frisches Kapital direkt in den Ausbau eigener KI-Infrastruktur lenken.


