Der chinesische Technologiekonzern Alibaba hat am 19. Juli 2026 mit Qwen3.8-Max-Preview ein neues KI-Sprachmodell vorgestellt, das nach eigenen Angaben 2,4 Billionen Parameter umfasst. Das Unternehmen positioniert es als zweitstärkstes Modell der Welt, direkt hinter Anthropics Claude Fable 5. Unabhängige Tests dazu stehen bislang aus.
Vorstellung folgt zwei Tage nach Kimi K3
Der Auftritt fällt in eine Phase intensiven Wettbewerbs unter chinesischen KI-Anbietern. Qwen kündigte das neue Modell auf der Plattform X als eines der leistungsfähigsten heute verfügbaren Systeme an. Es sei vergleichbar mit führenden Grenzmodellen und liege nach eigenen Angaben nur hinter Fable 5. Nur zwei Tage zuvor hatte das ebenfalls chinesische Unternehmen Moonshot AI mit Kimi K3 ein offenes Modell mit 2,8 Billionen Parametern vorgestellt. Dessen Gewichte sollen laut einem Bericht von Startup Fortune am 27. Juli veröffentlicht werden. Qwen3.8-Max-Preview lässt sich bereits jetzt über Alibabas Cloud-Abonnement Token Plan sowie die hauseigenen Programmierwerkzeuge Qoder und QoderWork nutzen. Alibaba hielt zudem einen Anteil von rund 36 Prozent an Moonshot AI, wie aus dem von der South China Morning Post zitierten Geschäftsbericht für das Fiskaljahr 2024 hervorgeht; die beiden Unternehmen bleiben damit trotz der Konkurrenz eng miteinander verflochten, auch wenn eine aktuellere, unabhängig bestätigte Beteiligungsquote angesichts zwischenzeitlicher Finanzierungsrunden bei Moonshot nicht vorliegt. Einen Termin für die versprochene Veröffentlichung offener Gewichte zu Qwen3.8 nannte Alibaba bislang nicht. Der Vorstoß reiht sich in eine Serie chinesischer Modellankündigungen der vergangenen Wochen ein. Dazu zählen auch Zhipus GLM-5.2 und weitere Systeme aus dem Umfeld von DeepSeek, die insgesamt auf eine Mehrere-Billionen-Parameter-Ära chinesischer Entwickler verweisen.
Unabhängige Tests zur Leistung fehlen bisher
Belastbare externe Prüfungen der Angaben gibt es derzeit nicht. Alibaba veröffentlichte weder Ergebnisse in gängigen Benchmarks wie SWE-Bench noch in der LMSYS-Arena. Auch Zahlen dazu, wie viele der 2,4 Billionen Parameter pro Anfrage tatsächlich aktiviert werden, nannte der Konzern nicht – eine Kennzahl, die die realen Rechenkosten eines Modells bestimmt. Bei früheren Qwen-Modellen lag dieser Anteil deutlich unter der Gesamtzahl: Qwen3-235B-A22B etwa aktiviert nur 22 der 235 Milliarden Parameter je Token. Auch Lizenzbedingungen, ein Modellkarten-Dokument und die eigentlichen Gewichtsdateien für Plattformen wie Hugging Face fehlen noch. Fachportale wie Kie.ai weisen darauf hin, dass sich eine tatsächliche Übernahme durch Entwicklerinnen und Entwickler erst an nutzbaren Lizenzen, geprüften Gewichten und einem stabilen Inferenz-Unterbau entscheidet. Eine einzelne, selbst verkündete Kennzahl reiche dafür nicht aus. Beobachter werten die Einstufung als zweitstärkstes Modell der Welt deshalb vorerst als Marketingaussage. Sie lasse sich erst mit öffentlich nachvollziehbaren Tests überprüfen.
Rabatte senken Kosten wie beim Vorgängermodell
Bei der Preisgestaltung knüpft Alibaba an die Strategie des Vorgängers Qwen3.7-Max an. Dieses Modell kostete 1,25 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 3,75 US-Dollar je Million Ausgabe-Token – deutlich günstiger als viele westliche Spitzenmodelle. Für Qwen3.8-Max-Preview nennt Alibaba noch keine tokenbasierten API-Preise. Zugang erhalten Nutzerinnen und Nutzer stattdessen über gestaffelte Abonnements des Token Plan. Die Einstiegsstufe kostet rund sechs US-Dollar im Monat, die mittlere Stufe etwa zwanzig und die Pro-Stufe rund siebzig US-Dollar, wie aus einer Aufstellung der Preistabelle hervorgeht. In den Programmierwerkzeugen Qoder und QoderWork gewährt Alibaba zusätzliche Rabatte auf Rechenkontingente: in regulären Zeiten um 95 Prozent, außerhalb der Stoßzeiten um bis zu 99 Prozent. Zum Vergleich verlangt Moonshot AI für Kimi K3 nach eigenen Angaben 3 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 15 US-Dollar je Million Ausgabe-Token über die eigene API. Ein direkter Preisvergleich zwischen beiden Modellen ist damit bislang nur eingeschränkt möglich, da Alibaba kein vergleichbares API-Preismodell veröffentlicht hat.
Entscheidend wird, ob Alibaba die versprochenen offenen Gewichte zeitnah veröffentlicht und ob unabhängige Labore die behauptete Rangfolge hinter Fable 5 bestätigen. Offen bleibt zudem, wie viele der 2,4 Billionen Parameter im laufenden Betrieb überhaupt aktiv sind. Davon hängt ab, wie teuer der Betrieb des Modells für Alibaba selbst ausfällt und wie günstig der Zugang für Kundinnen und Kunden am Ende tatsächlich bleibt.


