Google schaltet in Gmail eine neue Stufe der Schreibhilfe frei: Die Funktion „Hilf mir schreiben“ nimmt ab sofort präzise Freitext-Wünsche entgegen, statt nur feste Buttons wie „Kürzen“ anzubieten. Wer einen Liefertermin ergänzt haben möchte, tippt das einfach ein, und die KI passt den Entwurf sofort an. Der Rollout läuft bereits und soll bis zum 20. Juli 2026 abgeschlossen sein.
Freitext statt feste Buttons: Das ändert sich in Gmail
Bisher bot „Hilf mir schreiben“ nur vorgegebene Überarbeitungen an: den Entwurf glätten, förmlicher formulieren oder kürzen. Individuelle Wünsche ließen sich damit nicht umsetzen, wer etwas anderes wollte, musste den Text von Hand nachbearbeiten. Wie Google im offiziellen Workspace-Blog mitteilt, lässt sich nun zusätzlich ein freier Text eingeben, der genau beschreibt, was am Entwurf geändert werden soll.
Die Gmail-KI setzt diese Anweisung unmittelbar um und zeigt den überarbeiteten Text zur Kontrolle an. Ein neuer Rückgängig-Knopf erlaubt es, einzelne Änderungen zurückzunehmen, ohne den gesamten Entwurf neu erstellen zu lassen. So lässt sich der Text in mehreren kleinen Schritten verfeinern, bis er passt, ähnlich wie bei einer kurzen Rückfrage an eine Kollegin, die den Entwurf redigiert.
Die Funktion ist Teil des bestehenden „Hilf mir schreiben“-Werkzeugs, das direkt beim Verfassen einer E-Mail über das Stiftsymbol erscheint. Es muss also nichts neu installiert oder gesucht werden. Die festen Buttons für Ton und Länge bleiben daneben bestehen, sie eignen sich weiterhin für schnelle Standardänderungen ohne eigene Formulierung.
Ein Beispiel aus dem Büroalltag
Eine Sachbearbeiterin in der Kundenbetreuung lässt sich von Gmail einen Antwortentwurf zu einer Reklamation erstellen. Der erste Entwurf liest sich gut, es fehlen jedoch die Reklamationsnummer und ein neuer Liefertermin. Statt den Text selbst umzuschreiben, tippt sie in das Freitextfeld: „Ergänze im ersten Absatz die Reklamationsnummer 48213 und nenne als neuen Liefertermin den 25. Juli.“ Gmail baut beide Angaben direkt an der richtigen Stelle ein.
So entstehen aus einem allgemeinen KI-Entwurf innerhalb weniger Sekunden fertige, konkrete E-Mails, ohne dass Formulierungen von Hand angepasst werden müssen. Passt eine Änderung nicht, tippt sie einfach nach, etwa „schreibe den zweiten Absatz kürzer“, statt den kompletten Entwurf zu verwerfen und neu anzufordern. Genutzt wird die Funktion in wenigen Schritten:
- E-Mail wie gewohnt öffnen und „Hilf mir schreiben“ auswählen.
- Ersten Entwurf erstellen oder eine vorhandene Notiz eingeben lassen.
- Freitextfeld unterhalb des Entwurfs öffnen.
- Konkrete Änderung eintippen, etwa einen fehlenden Termin oder einen anderen Ton.
- Ergebnis prüfen, bei Bedarf mit „Rückgängig“ zurücksetzen und senden.
Verfügbar nur mit bestimmten Abos, Rollout bis 20. Juli
Kostenlose, private Gmail-Konten erhalten die neue Freitext-Verfeinerung laut Google zunächst nicht. Zugriff haben Nutzerinnen mit Google-Workspace-Business- oder -Enterprise-Tarifen (jeweils Starter, Standard und Plus), mit den kostenpflichtigen Abos Google AI Plus, Pro und Ultra sowie mit Google AI Pro for Education. Auch Kundinnen mit dem Zusatzpaket „AI Expanded Access“ und dem Tarif Frontline Plus sind eingeschlossen.
Eine separate Aktivierung ist nicht nötig: Die Funktion erscheint automatisch im Gmail-Postfach der berechtigten Konten, sobald der Rollout dort angekommen ist. Die Verteilung über alle Rapid- und Scheduled-Release-Domains soll bis zum 20. Juli 2026 abgeschlossen sein, eine Einschränkung auf einzelne Länder oder Sprachen nennt die Ankündigung nicht. Ein Bericht von Chrome Unboxed bestätigt den weltweiten Rollout unabhängig.
Entscheidend wird, ob Beschäftigte die Freitext-Eingabe tatsächlich nutzen oder aus Gewohnheit bei den festen Buttons bleiben. Wer Kunden- oder Firmendaten in den Entwurf einträgt, sollte dabei die internen Vorgaben zum Umgang mit KI-Werkzeugen im Unternehmen beachten, auch wenn Workspace-Business- und Enterprise-Konten vertraglich strengere Datenschutzregeln als kostenlose Konten haben.


