Anthropic hat den früheren Google-Manager Amir Salek für sein Compute-Team gewonnen und treibt damit den Aufbau einer eigenen Chip-Sparte voran. Salek leitete von 2013 bis 2022 Googles Tensor-Processing-Unit-Programm und lieferte in dieser Zeit sieben Chip-Generationen aus. Er berichtet künftig an Compute-Chef James Bradbury.
Salek verantwortete sieben TPU-Generationen bei Google
Salek gilt als einer der Architekten des Tensor-Processing-Unit-Programms von Google, spezialisierter Chips, mit denen der Konzern eigene KI-Modelle trainiert und betreibt. Von 2013 bis 2022 leitete er das Geschäft und verantwortete die Auslieferung der ersten sieben TPU-Generationen. Vor seiner Zeit bei Google arbeitete Salek beim Grafikchip-Hersteller Nvidia. Nach seinem Abschied von Google wechselte er zur Beteiligungsgesellschaft Cerberus Capital Management, wo er zuletzt als Senior Managing Director tätig war.
Die Nachricht über seinen Wechsel verbreitete zuerst die Bloomberg-Reporterin Dina Bass über die Plattform X. Bei Anthropic ordnet sich Salek in das Compute-Team ein und berichtet an James Bradbury, der die Rechenleistungs-Strategie des Unternehmens verantwortet. Ingenieure mit seiner Erfahrung sind selten: Nur wenige Fachleute weltweit haben eine komplette TPU-Chip-Generation von der Architektur bis zur Serienfertigung verantwortet – geschweige denn sieben davon. Genau dieses Wissen über eng verzahnte Chip- und Software-Entwicklung – im Fachjargon Co-Design genannt – gilt in der Branche als Voraussetzung, um mit spezialisierten Chips spürbare Effizienzgewinne gegenüber general-purpose-Grafikprozessoren zu erzielen.
Anthropic bestellt zusätzlich Chips bei Fractile
Der Schritt reiht sich in eine Serie milliardenschwerer Rechenleistungs-Deals ein, die Anthropic seit Sommer 2026 abschließt. Bereits im August hatte das Unternehmen bestätigt, ein eigenes Chip-Design-Team aufzubauen – geleitet vom früheren OpenAI-Ingenieur Clive Chan. Mit Salek erhält dieses Vorhaben nun einen zweiten hochrangigen Kopf mit jahrzehntelanger Erfahrung in der TPU-Entwicklung.
Zusätzlich hat Anthropic laut einem Bericht von Business Standard einen Anfangsauftrag über rund 250 Millionen Dollar beim britischen Chip-Start-up Fractile platziert. Die Summe ist unabhängig nicht verifiziert. Eine spätere Ausweitung des Auftrags gilt als vorgesehen. Der KI-Anbieter bezieht Rechenleistung bislang von Nvidia, Google und Amazon; Google hatte zuletzt gemeinsam mit Partnern eine Kreditfinanzierung über rund 200 Milliarden Dollar für weitere Anthropic-Chip-Käufe verknüpft. Weitere Kapazitätsverträge unterhält Anthropic mit den Firmen Riot Platforms und Volta Infra Holdings. Konkurrent OpenAI verfolgt mit dem gemeinsam mit Broadcom entwickelten Inferenz-Chip Jalapeño, der noch in diesem Jahr zum Einsatz kommen soll, eine ähnliche Strategie.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Kurz vor Saleks Wechsel berichtete Fortune über Preiserhöhungen von mehr als 15 Prozent, die Nvidia für kommende Chip-Generationen wie Vera Rubin und Grace Blackwell angekündigt habe. Das gilt als Signal für steigenden Kostendruck in der gesamten Branche. Entscheidend wird, ob Anthropic aus der Erfahrung seiner neuen Personalie tatsächlich einen eigenen, serienreifen Chip ableitet oder ob das Vorhaben – wie bei vielen KI-Labors – Jahre bis zur ersten Auslieferung benötigt.


