OpenAI hat am 21. August 2026 die Preise seines teuersten Sprachmodells GPT-5.6 Sol um mehr als 20 Prozent gesenkt. Eine Million Eingabe-Token kosten künftig vier statt fünf US-Dollar, eine Million Ausgabe-Token 20 statt 30 US-Dollar. Damit unterbietet Sol erstmals das Konkurrenzmodell Claude Opus 5 von Anthropic bei beiden Werten.
Sol wird günstiger als Claude Opus 5
Nach eigenen Angaben senkt OpenAI die Sol-Preise ab dem 21. August 2026 für mindestens drei Monate, die Aktion läuft nach Unternehmensangaben bis mindestens zum 21. November 2026. Zwischengespeicherte Eingabe-Token (Cache-Treffer) verbilligen sich parallel von 0,50 auf 0,40 US-Dollar je Million. In Alltagsgrößen übersetzt: Für vier US-Dollar lässt sich künftig ein rund 750.000 Wörter langes Dokument als Eingabe verarbeiten, vorher kostete dieselbe Menge einen ganzen US-Dollar mehr. Anthropics eigene Preisliste weist für Claude Opus 5 fünf US-Dollar je Million Eingabe- und 25 US-Dollar je Million Ausgabe-Token aus. Sol liegt damit nach der Kürzung bei beiden Werten unter Opus 5 – ein Wechsel gegenüber der bisherigen Konstellation, in der Sol das teurere der beiden Spitzenmodelle war. Ausgabe-Token bleiben bei Sol weiterhin fünfmal teurer als Eingabe-Token, an diesem Verhältnis ändert die Kürzung nichts. Für Entwicklerinnen und Entwickler mit hohem Volumen an Ausgabetext, etwa bei automatisierter Berichterstellung, macht sich der Rabatt am stärksten bemerkbar, weil Ausgabe-Token ein Drittel weniger kosten als zuvor. Ob Anthropic auf die neue Preislücke reagiert, ist offen; das Unternehmen hat bislang keine eigene Ankündigung gemacht.
Rabatt gilt nur für API, Codex und ChatGPT Work
Die reduzierten Preise gelten für den direkten API-Zugang, für Guthaben im Programmierwerkzeug Codex sowie für berechtigte Tarife von ChatGPT Work, dem Agenten-Produkt für Unternehmen. Nach Angaben von OpenAI rollt die Kürzung schrittweise über die berechtigten Pläne aus; ein festes Datum für den vollständigen Abschluss nennt der Konzern nicht.
Ausdrücklich unverändert bleiben die Consumer-Abonnements Free, Plus, Pro und Business – wer ChatGPT als Privatperson oder über ein Standard-Firmenabo ohne API-Zugang nutzt, zahlt weiterhin den bisherigen Preis. Eine Region wie Deutschland oder die EU wird in der Ankündigung nicht gesondert erwähnt; die API-Preise gelten wie bei früheren Kürzungen einheitlich in US-Dollar weltweit, lokale Steuern können bei der Abrechnung hinzukommen. Zugang erhalten Unternehmen wie gewohnt über ihr OpenAI-Konto; ein gesondertes Antragsverfahren für den Rabatt gibt es nicht.
Die Kürzung setzt OpenAIs Preisstrategie vom Sommer fort
Sol blieb bei der ersten Kürzung der GPT-5.6-Familie am 30. Juli 2026 noch unangetastet: Damals senkte OpenAI die Preise der günstigeren Modelle Luna um 80 und Terra um 20 Prozent, während das Flaggschiff nur einen schnelleren Verarbeitungsmodus erhielt. Beim Marktstart am 9. Juli 2026 hatte OpenAI Sol noch zu den nun ebenfalls gekürzten Ursprungspreisen positioniert. Reuters ordnet die aktuelle Sol-Kürzung als Reaktion auf wachsenden Wettbewerbsdruck durch Anthropic und chinesische Anbieter ein. Zu diesem Druck zählen etwa DeepSeeks V4-Pro mit einer Million Token Kontextfenster, Alibabas Qwen3.8-Max und SpaceXAIs Grok 4.6, das mit zwei beziehungsweise sechs Dollar je Million Token rund 60 Prozent unter dem bisherigen Sol-Preis lag. Kimi K3 von Moonshot, das größte offene Modell mit bislang veröffentlichten Gewichten, verschärft den Preisdruck zusätzlich, auch wenn ein direkter Vergleich zu Sol mangels einheitlicher Tarifstruktur schwerfällt. Auch Google hatte erst am 13. August mit einer Preissenkung für Gemini 3.7 Flash reagiert. Der Preiskampf bei Sprachmodellen verlagert sich damit zunehmend von reinen Leistungsvergleichen auf die Kosten pro erledigter Aufgabe.
Entscheidend wird, ob Anthropic auf die neue Preislücke bei Opus 5 reagiert oder stattdessen auf höhere Modellqualität setzt, wie das Unternehmen es bei früheren Kürzungen der Konkurrenz bereits getan hat. Läuft die Sol-Aktion wie angekündigt am 21. November 2026 aus, zeigt sich, ob OpenAI die niedrigeren Preise dauerhaft hält oder nur auf den aktuellen Wettbewerbsdruck reagiert.


