Anthropic-Kunden geben inzwischen mehr für das günstigere Modell Claude Opus 5 aus als für das teurere Spitzenmodell Fable 5 – das zeigt eine Auswertung des Zahlungsdienstleisters Ramp bei 70.000 Unternehmen. Fable 5 pendelt sich bei rund elf Prozent der Anthropic-Ausgaben ein, obwohl es nur sechs Prozent der gekauften Token ausmacht.
Fable 5 stagniert bei elf Prozent der Ausgaben
Ramp wertet für seinen AI Index laufend die Zahlungsdaten von 70.000 Unternehmen aus, die Anthropic-Modelle über die eigene Token-Verwaltung buchen. Zwei Monate nach dem Marktstart im Juni liegt der Ausgabenanteil von Fable 5 an allen Anthropic-Kosten bei rund elf Prozent, während das Modell nur sechs Prozent des tatsächlichen Token-Verbrauchs stellt – ein Hinweis darauf, dass es zwar für einzelne, besonders aufwendige Aufgaben gebucht wird, aber selten zum Standardmodell im Arbeitsalltag wird. Der Preisunterschied erklärt einen Teil davon: Fable 5 kostet zehn Dollar je Million Eingabe- und 50 Dollar je Million Ausgabe-Token, Opus 5 nur die Hälfte. Unabhängig von Ramp bestätigt der Infrastrukturanbieter Vercel über seine eigene Abrechnungsplattform einen ähnlichen Wert: Dort kommt Fable 5 auf 13,2 Prozent der gesamten Modell-Ausgaben. Im Juli erzielte Fable 5 zudem nur 75 Prozent des Umsatzes, den OpenAIs Modell GPT-5.6 Sol bei etwa halbem Preis erwirtschaftete.
Anthropic bleibt trotzdem Marktführer bei Firmen
Der verhaltene Erfolg von Fable 5 bedeutet nicht, dass Anthropic insgesamt an Boden verliert. Im Juli nutzten laut Ramp 43,5 Prozent der erfassten US-Firmen Anthropic-Produkte, ein Plus von 1,1 Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat – vor OpenAI mit 39,7 Prozent. Anthropics Jahresumsatzrate stieg im selben Zeitraum von 47 auf 65 Milliarden Dollar. Der Rückstand von Fable 5 betrifft also vor allem die interne Modellwahl, nicht die Position von Anthropic gegenüber der Konkurrenz. Ein zusätzlicher Reibungspunkt könnte laut Ramp die für Fable 5 geltende 30-tägige Datenaufbewahrungspflicht sein, die Anthropic im Juli fest an die teureren Tarife Max und Team Premium band – ein Schritt, der frühere Pläne zur Abschaffung des Modells widerrief.
Investoren werten den Trend als Preistest
In der Investorenszene gilt die Entwicklung als erster Beleg dafür, ob KI-Anbieter ihre teuersten Modelle dauerhaft zu Premiumpreisen verkaufen können. Wie das Fachportal Implicator berichtet, sagte Accel-Partner Miles Clements gegenüber der Financial Times, „die meisten Nutzer müssen nicht an der Spitze arbeiten”. Die Zahlen bestätigen damit auch die im Juli veröffentlichten Benchmark-Ergebnisse: Opus 5 hatte Fable 5 bereits dort in drei von vier Vergleichstests geschlagen und blieb nur bei mehrtägigen autonomen Aufgaben zurück – ein Vorsprung, für den offenbar nur wenige Kunden bereit sind, das Doppelte zu zahlen.
Entscheidend wird, ob Anthropic auf die Zahlen reagiert, etwa mit einem günstigeren Fable-Nachfolger oder einer Preissenkung für das bestehende Modell. Für ein Unternehmen, das nach eigenen Investorenangaben eine Bewertung im zweistelligen Billionenbereich anstrebt, ist die Erkenntnis unbequem: Der Umsatz wächst zwar insgesamt kräftig, doch ausgerechnet das teuerste und margenstärkste Modell trägt davon nur einen kleinen Teil.


