Anthropic bringt mit Claude Opus 5 ein neues KI-Modell auf den Markt, das nahe an die Leistung des Spitzenmodells Fable 5 heranreicht – zum halben Preis. Das Unternehmen behält dabei die Kosten des Vorgängers Opus 4.8 bei: fünf Dollar je Million Eingabe-Token, 25 Dollar je Million Ausgabe-Token. Opus 5 ersetzt Opus 4.8 als Standardmodell im Abo Claude Max.
Opus 5 kostet die Hälfte von Fable 5
Anthropic hat die Preise für Opus 5 gegenüber dem Vorgängermodell Opus 4.8 nicht verändert. Laut der offiziellen Preisliste des Unternehmens kostet eine Million Eingabe-Token fünf Dollar, eine Million Ausgabe-Token 25 Dollar. Fable 5, das weiterhin leistungsstärkste Modell im Angebot, verlangt exakt das Doppelte:
- Claude Opus 5: 5 Dollar je Million Eingabe-Token, 25 Dollar je Million Ausgabe-Token
- Claude Fable 5: 10 Dollar je Million Eingabe-Token, 50 Dollar je Million Ausgabe-Token
- Batch-Verarbeitung Opus 5: 2,50 Dollar je Million Eingabe-Token, 12,50 Dollar je Million Ausgabe-Token
- Batch-Verarbeitung Fable 5: 5 Dollar je Million Eingabe-Token, 25 Dollar je Million Ausgabe-Token
Für zwischengespeicherte Eingaben (Prompt-Caching) gilt bei beiden Modellen der übliche Aufschlag von 25 Prozent beim Schreiben und ein Rabatt von 90 Prozent beim Lesen aus dem Zwischenspeicher. Opus 5 ist über die Claude-API unter der Modellkennung claude-opus-5 verfügbar, außerdem in Claude.ai, Claude Code und Claude Cowork. In den Abos ersetzt es Opus 4.8 als Standardmodell bei Claude Max und bleibt die stärkste Option im günstigeren Claude-Pro-Tarif.
Effort-Stufen steuern Tempo und Kosten
Ein zentrales neues Merkmal von Opus 5 sind konfigurierbare Aufwandsstufen. Nutzer können laut einem Bericht des Magazins Fortune zwischen niedrigem, mittlerem und hohem Effort wählen und damit gezielt zwischen Antwortgeschwindigkeit, Tokenverbrauch und Ergebnisqualität abwägen. Bei niedrigem Effort spart das Modell Token und antwortet schneller, bei hohem Effort prüft es Zwischenergebnisse gründlicher und arbeitet länger an einer Aufgabe. Anthropic bewirbt Opus 5 zudem als Modell, das eigenständiger arbeitet als seine Vorgänger: Es soll Fehler in eigenen Zwischenschritten erkennen und korrigieren, ohne dass Nutzer jeden Schritt einzeln nachsteuern müssen.
Zwei weitere Neuerungen richten sich an Entwickler. Die Claude-API erlaubt nun, verfügbare Werkzeuge mitten in einem laufenden Gespräch zu ändern, ohne den bestehenden Prompt-Cache ungültig zu machen – bislang erzwang jede Werkzeugänderung einen teuren Neuaufbau des Caches. Lehnt das Modell eine Anfrage aus Sicherheitsgründen ab, leitet die API die Anfrage zudem automatisch an ein anderes Modell weiter, statt lediglich eine Fehlermeldung zurückzugeben. Beide Funktionen richten sich vor allem an lang laufende Agenten-Workflows, in denen sich Werkzeuge und Kontext häufig ändern.
Fable 5 bleibt bei Benchmarks weiterhin vorn
Bei eigenen Benchmark-Tests meldet Anthropic deutliche Fortschritte gegenüber Opus 4.8: Auf dem Test Frontier-Bench v0.1 verdopple sich der Wert von Opus 5 mehr als, bei gleichzeitig geringeren Kosten pro Aufgabe. Beim Coding-Benchmark CursorBench liege Opus 5 nur rund 0,5 Prozentpunkte hinter Fable 5 – zum halben Preis. Bei komplexen Problemlöseaufgaben im Test ARC-AGI-3 erreiche Opus 5 die dreifache Punktzahl von Opus 4.8, bei chemischen und protein-analytischen Aufgaben lägen die Zugewinne zwischen 7,7 und 10,2 Prozentpunkten. Die Zahlen stammen aus Anthropics eigener Ankündigung und sind unabhängig nicht verifiziert.
Nicht in jeder Disziplin liegt Opus 5 vorn: Bei Aufgaben zum Aufspüren und Ausnutzen von Sicherheitslücken rangiert es laut Anthropic hinter Mythos 5, dem auf solche Aufgaben spezialisierten Modell des Unternehmens. Für autonome Aufgaben, die sich über mehrere Tage erstrecken, empfiehlt Anthropic weiterhin Fable 5. Das Modell hatte in den vergangenen Wochen eine wechselhafte Geschichte: Nach zeitweiser Sperrung durch US-Exportkontrollen im Juni band Anthropic den Zugang ab dem 20. Juli dauerhaft an die teureren Tarife Max und Team Premium. Der niedrigere Preis von Opus 5 dürfte auch als Reaktion auf wachsenden Konkurrenzdruck zu verstehen sein: Erst Anfang Juli hatte SpaceXAI mit Grok 4.5 ein Coding-Modell vorgestellt, das Opus 4.8 im Preis deutlich unterbot.
Entscheidend wird, ob Unternehmen und Entwickler den Preisvorteil von Opus 5 tatsächlich nutzen oder für anspruchsvolle Aufgaben trotz der Mehrkosten bei Fable 5 bleiben. Mit den neuen Effort-Stufen verschiebt Anthropic die Abwägung zwischen Tempo, Kosten und Qualität erstmals direkt in die Hände der Nutzer, statt sie allein über die Modellwahl zu treffen. Wie stark das die Nachfrage nach dem teureren Fable 5 dämpft, dürfte sich erst in den kommenden Wochen an den eigenen Nutzungszahlen zeigen.


