Der US-Anbieter Clay sichert sich in einer neuen Finanzierungsrunde 115 Millionen Dollar und wird dabei mit 7,1 Milliarden Dollar bewertet – mehr als doppelt so viel wie im August 2025. Angeführt hat die Runde der Vermögensverwalter Wellington Management. Mehr als 17.000 Unternehmen setzen die KI-Software bereits ein, um Vertriebsrecherche und Kundenansprache zu automatisieren.
Wellington Management führt Rekordrunde für Vertriebs-KI an
Clay hat die neue Kapitalrunde am 9. September 2026 in einer eigenen Ankündigung bestätigt. Den größten Anteil der 115 Millionen Dollar steuert der Vermögensverwalter Wellington Management bei, der die Runde anführt. Beteiligt sind zudem bekannte Investoren wie Sequoia Capital, der Wagniskapitalfonds Perennial von Andreessen Horowitz, StepStone Group, Meritech, DST Global sowie Alphabets Investmentarm CapitalG. Auch die kleineren Geldgeber BoxGroup, Boldstart Ventures, Bloomberg Beta und Evolution Equity Partners zeichnen die Runde erneut mit.
Wofür Clay das Kapital konkret einsetzen will, benennt die Ankündigung nicht im Detail. Die Bewertung des Unternehmens hat sich damit binnen 13 Monaten mehr als verdoppelt: Im August 2025 lag sie noch bei 3,1 Milliarden Dollar, im Januar 2026 stieg sie über ein von DST angeführtes Mitarbeiter-Aktienrückkaufprogramm auf 5 Milliarden Dollar. Clay reiht sich damit in eine Serie besonders hoch bewerteter Finanzierungsrunden für KI-Firmen ein – erst wenige Tage zuvor hatte der Programmier-Assistent Cognition eine Bewertung von 48 Milliarden Dollar erreicht.
Plattform bündelt KI-Agenten für Vertriebsrecherche und Kundenansprache
Die Plattform bündelt Kontaktdaten aus mehr als 200 externen Quellen und lässt Vertriebsteams Zielgruppen per Texteingabe in natürlicher Sprache definieren. Über die sogenannte Waterfall-Funktion durchsucht Clay mehrere Datenanbieter nacheinander, bis vollständige und aktuelle Kontaktprofile vorliegen. Datensätze aktualisiert die Software zudem automatisch, sodass Vertriebsteams keine veralteten Kontaktlisten mehr pflegen müssen. Anschließend erstellen KI-Agenten personalisierte E-Mails und Gesprächsleitfäden für die Kundenansprache und lassen sich für mehrstufige Vertriebs-Workflows konfigurieren.
Nach Angaben des Unternehmens nutzen mittlerweile mehr als 17.000 Teams die Software, darunter 80 Prozent der im Forbes-AI50-Ranking gelisteten Start-ups. Zu den genannten Kunden zählen die KI-Anbieter Anthropic, Google und OpenAI ebenso wie die Zahlungsdienstleister Stripe und Visa, der Industriekonzern Siemens sowie der Logistikkonzern UPS. Clay tritt damit auch als Zulieferer direkter Wettbewerber im KI-Geschäft auf. Nach Einschätzung von TechFundingNews positioniert sich Clay an der Schnittstelle zwischen klassischer Vertriebssoftware und autonomen KI-Agenten, einem nach eigener Analyse besonders wachstumsstarken Marktsegment.
Neue Berufsrolle Go-to-Market Engineer wächst rasant
Nach eigenen Angaben erreichte Clay Ende Dezember 2025 einen Jahresumsatz von 100 Millionen Dollar. Das Marktforschungsunternehmen Sacra schätzt den Wert für Mai 2026 auf rund 150 Millionen Dollar. Bis Ende des laufenden Quartals soll die Marke laut einem Bericht von SiliconANGLE auf 200 Millionen Dollar steigen – eine Zahl, die Clay in der eigenen Ankündigung nicht offiziell bestätigt und die damit unabhängig nicht verifiziert ist.
Parallel zur Finanzierungsrunde legt das Unternehmen einen mit einer Million Dollar ausgestatteten Stipendienfonds für die selbst geprägte Berufsrolle Go-to-Market Engineer auf. Der 2023 eingeführte Titel bezeichnet Fachkräfte, die Vertriebs- und Marketingprozesse mit KI-Agenten wie denen von Clay automatisieren; nach Unternehmensangaben organisieren sich inzwischen mehrere Tausend GTM-Engineers in knapp 100 sogenannten Clay Clubs weltweit. Clay reiht sich damit neben dem Rechts-KI-Anbieter Harvey, der am selben Tag 550 Millionen Dollar für sein Geschäft einsammelte, in eine wachsende Reihe branchenspezifischer KI-Anbieter mit Milliardenbewertung ein.
Entscheidend wird, ob Clay das frische Kapital tatsächlich in autonomere Agenten investiert, die komplette Vertriebskampagnen eigenständig steuern – nach eigenen Aussagen die nächste Ausbaustufe der Plattform. Offen bleibt, wie viele der derzeit mit Milliardenbewertungen ausgestatteten GTM-KI-Anbieter sich langfristig gegen etablierte CRM-Konzerne wie Salesforce behaupten, die selbst massiv in eigene KI-Agenten investieren.


