Sicherheit

Anthropic gewährt Enisa Zugang zu Cyber-Modell Mythos 5

2 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Die EU-Agentur Enisa testet seit dem 10. September 2026 Anthropics Modell Mythos 5 auf Cyberfähigkeiten, fünf Monate nach dessen Ankündigung. Parallel prüft sie OpenAIs GPT-6 Astra, dessen Zugang binnen einer Woche folgte. Grundlage ist Artikel 55 des EU-KI-Gesetzes, der Regulierern erstmals einen eigenständigen Modellzugriff erlaubt. Der Zugang bleibt auf defensive Zwecke beschränkt.

Ein Prüfer mit blauer Weste voller EU-Sterne hält eine Lupe über zwei leuchtende Schaltkreis-Gehirne mit Anthropic- und OpenAI-Logo-Stickern, beschriftet mit „Mythos 5“ und „GPT-6 Astra“, dazwischen öffnet sich ein digitales Vorhängeschloss. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Enisa erhält am 10. September 2026 Zugriff auf Anthropics Mythos 5 – fünf Monate nach der Ankündigung im April.
  • OpenAIs GPT-6 Astra war für Enisa bereits binnen einer Woche nach dem Start am 3. September zugänglich.
  • US-Exportkontrollen blockierten Mythos 5 zeitweise weltweit, auch für Anthropics eigene Mitarbeitende außerhalb der USA.
  • Artikel 55 des EU-KI-Gesetzes erlaubt Regulierern erstmals eigene Tests an Modellen mit systemischem Risiko.
  • Dreißig EU-Abgeordnete aus sechs Fraktionen mahnten fehlende Cybersicherheitsregeln gegen KI-Hacking-Werkzeuge an.
  • Enisa erhält nicht die neueste Version Mythos 5.1 – eine eigene EU-Testplattform soll Ende 2026 stehen.

Die EU-Cybersicherheitsagentur Enisa testet seit dem 10. September 2026 Anthropics Modell Mythos 5 auf seine Fähigkeiten beim Aufspüren und Ausnutzen von Softwarelücken. Das bestätigte ein Sprecher der EU-Kommission. Parallel prüft die Behörde bereits OpenAIs GPT-6 Astra – ein Zugang, der binnen einer Woche nach dessen Start zustande kam, während Anthropic mehr als fünf Monate brauchte.

Anthropic öffnet den Zugang nach monatelangem Ringen

Anthropic hatte Mythos bereits im April 2026 vorgestellt und dabei erklärt, das Modell könne Menschen beim Aufspüren und Ausnutzen von Sicherheitslücken übertreffen. Zunächst blieb der Zugang auf rund fünfzig ausgewählte Organisationen im Programm „Project Glasswing” beschränkt, im Juni erweiterte Anthropic den Kreis auf etwa zweihundert Institutionen, darunter grundsätzlich auch die Nato. Enisa selbst wartete jedoch weiter: US-Exportkontrollen für besonders leistungsfähige KI-Modelle untersagten zwischenzeitlich weltweit jeden Zugriff durch nicht-amerikanische Organisationen – betroffen waren laut Berichten sogar Anthropics eigene Mitarbeitende außerhalb der USA. Nach der weltweiten Aufhebung dieser Beschränkungen am 30. Juni 2026 war Anthropics kleineres Modell Fable 5 zwar wieder frei zugänglich, Mythos 5 blieb jedoch weiterhin auf zugelassene US-Organisationen beschränkt. Erst nach „konstruktiver Zusammenarbeit” mit Anthropic habe die Kommission nun grünes Licht erhalten, erklärte Kommissionssprecher Thomas Regnier laut Euronews. Enisas Zugriff bleibt dabei ausdrücklich auf defensive Testzwecke begrenzt und reicht nicht bis zur aktuellsten Version Mythos 5.1 – auch das britische AI Security Institute bleibt von dieser neuesten Fassung ausgeschlossen.

Artikel 55 verschafft Regulierern erstmals eigenen Prüfzugriff

Rechtliche Grundlage ist Artikel 55 des EU-KI-Gesetzes, der für Modelle mit systemischem Risiko eigene Sicherheitsbewertungen der Behörden vorsieht, statt sich allein auf Angaben der Hersteller zu verlassen. Der Enisa-Zugang zu Mythos 5 und GPT-6 Astra gilt damit als einer der ersten konkreten Anwendungsfälle dieser Befugnis. Politischen Druck hatten zuvor dreißig Europaabgeordnete aus sechs Fraktionen aufgebaut: In einem Brief an Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen warnten sie laut TheNextWeb, die europäischen Cybersicherheitsregeln seien auf KI-gestützte Hacking-Werkzeuge nicht vorbereitet. Für den Aufbau einer dauerhaften Prüfinfrastruktur arbeitet die EU-Kommission zudem mit dem Joint Research Centre an einer eigenen, gesicherten Testumgebung, die bis Ende 2026 stehen soll.

Mythos gilt in der Branche als besonders leistungsfähig bei Angriffen auf IT-Systeme. Bereits im vorigen Monat hatte Anthropic nach einem Vorfall bei einem Sicherheitstest das Training mehrerer Modelle vorübergehend pausiert. Auch OpenAI stuft sein Konkurrenzmodell GPT-6 Astra offiziell in die höchste Risikostufe seines Preparedness Framework ein und beschränkt fortgeschrittene Hacking-Funktionen auf geprüfte Partner im Programm Daybreak. Beide Unternehmen begründen die engen Zugangsregeln damit, dass ein Werkzeug, das Sicherheitslücken zuverlässig findet, in falschen Händen ebenso gut Angreifern nutzen könnte.

Offen bleibt, ob Enisa ihre Testergebnisse veröffentlicht oder nur intern für die Aufsicht nutzt. Entscheidend wird zudem, ob die für Ende 2026 angekündigte Testplattform mit dem Joint Research Centre tatsächlich rechtzeitig steht und ob künftige Modellversionen wie Mythos 5.1 europäischen Prüfern dann automatisch offenstehen – oder erneut über Monate verhandelt werden müssen.

Häufige Fragen

Was genau darf Enisa mit Mythos 5 und GPT-6 Astra testen?

Enisa bewertet die Fähigkeiten beider Modelle beim eigenständigen Aufspüren und Ausnutzen von Softwarelücken. Der Zugang ist laut Berichten ausdrücklich auf defensive Testzwecke beschränkt, nicht auf offensive Nutzung.

Können Unternehmen in Deutschland oder der EU die Modelle jetzt ebenfalls testen?

Nein. Der aktuelle Zugang gilt nur für Enisa als Behörde im Rahmen von Project Glasswing beziehungsweise dem Daybreak-Programm. Eine breitere europäische Testinfrastruktur über das Joint Research Centre ist erst bis Ende 2026 geplant.

Warum brauchte Anthropic fünf Monate länger als OpenAI für die Freigabe?

Zeitweise geltende US-Exportkontrollen für besonders leistungsfähige KI-Modelle blockierten laut Berichten den Zugriff nicht-amerikanischer Organisationen auf Mythos 5 vollständig, was die Verhandlungen mit der EU-Kommission verzögerte.

Erhält Enisa auch Zugang zur neuesten Version Mythos 5.1?

Nach aktuellem Stand nicht. Sowohl Enisa als auch das britische AI Security Institute bleiben von der jüngsten Mythos-Version ausgeschlossen.

Was bedeutet Artikel 55 des AI Act für andere Anbieter von KI-Modellen?

Er verpflichtet Anbieter von Modellen mit systemischem Risiko grundsätzlich, Behörden wie Enisa eigene Sicherheitsprüfungen zu ermöglichen. Der aktuelle Fall gilt als erster sichtbarer Testlauf dieser Befugnis in der Praxis.

Quellen (4)
  1. Anthropic grants EU cybersecurity agency access to Mythos AI model (Euronews)
  2. EU cybersecurity agency is now testing Mythos 5 and GPT-6 Astra, the Commission says (TheNextWeb)
  3. EU cybersecurity agency gains access to Mythos 5 after a 3-month delay (Techzine)
  4. EU-Verordnung 2024/1689 (AI Act), Artikel 55 (EUR-Lex)

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