Das US-Startup Abliteration.ai verkauft seit dem 29. August 2026 API-Zugriff auf ein KI-Modell, dem sämtliche Sicherheitsschranken fehlen. Grundlage ist Z.ais offenes Modell GLM-5.3, entschärft durch eine automatisierte Technik namens Abliteration. Laut einem Bericht von TechCrunch sitzen die ersten zahlenden Kunden vor allem in Großbritannien und Europa.
Automatisierte Technik entfernt Verweigerungsmuster im Modell
Grundlage des Angebots ist eine Technik namens Abliteration: Sie identifiziert die internen Aktivierungsmuster, die ein Sprachmodell zur Verweigerung einer Anfrage bewegen, und verändert gezielt die Modellgewichte, um genau diese Muster zu unterdrücken. Die zugrunde liegende Forschung ist laut einer Analyse auf arXiv bereits seit 2024 öffentlich zugänglich; neu an Abliteration.ai ist die Automatisierung zu einem Dienst, der ohne Fachwissen in Minuten läuft.
Das im Spätjahr 2025 gegründete und im März 2026 offiziell eingetragene Unternehmen bietet seit dem 29. August 2026 ein Produkt namens abliterated-model-large-v2 an – eine entschärfte Version von GLM-5.3. Der API-Zugriff kostet fünf Dollar pro Million ein- und ausgehender Token, alternativ steht laut Abliteration.ai ein kostenloser Basiszugang über den Browser bereit. Das Modell verarbeitet bis zu einer Million Token auf einmal – umgerechnet mehrere tausend Seiten Text in einem einzigen Durchgang.
Auf dem Sicherheits-Benchmark CyberGym löst das Modell laut Herstellerangaben 84,5 Prozent von 1.507 Testaufgaben, bei ExploitGym bearbeitet es in zwei Stunden 105 von 869 Aufgaben – Zahlen, die unabhängig nicht verifiziert sind. Der Anbieter richtet das Angebot ausdrücklich an Penetrationstests und Red-Teaming und wirbt zusätzlich mit einer Richtlinie ohne Speicherung von Anfragen und Antworten.
Frühe Kundschaft sitzt vor allem in Europa
Laut TechCrunch sitzen die ersten zahlenden Kunden vor allem in Großbritannien und im übrigen Europa, darunter Banken, Fluggesellschaften und Betreiber kritischer Infrastruktur, die eigene Systeme testen lassen. Eine Alters- oder Identitätsprüfung existiert nicht – Gründer Devon, der seinen Nachnamen aus beruflichen Gründen zurückhält, räumt gegenüber TechCrunch ein, dass Fragen zur Verantwortung ungeklärt bleiben.
Damit unterscheidet sich der Zugang deutlich von kontrollierten Angeboten wie OpenAIs Daybreak-Programm, das vergleichbare Hacking-Fähigkeiten nur geprüften Sicherheitsteams und Behörden freischaltet. Abliteration.ai selbst betreibt laut eigenen Angaben eine zusätzliche Moderationsebene für Kunden und verweigert etwa Anleitungen zum Suizid – daneben stehen bereits tausende weitere entschärfte Modelle offen auf Hugging Face zum Download bereit.
Das Unternehmen finanziert sich bislang aus Kundenumsätzen und verhandelt nach eigenen Angaben mit Risikokapitalgebern; eine feste Finanzierungsrunde gibt es noch nicht. Verträge mit großen Cloud-Anbietern sichern die Infrastruktur, auf der die entsperrten Modelle laufen. Eine Firmenanmeldung oder ein Nachweis des Verwendungszwecks ist für den Zugang nicht nötig – eine gültige Kreditkarte genügt.
Sicherheitsforscher warnen vor Missbrauch
Andrew Yoon von der Sicherheitsorganisation CivAI warnt gegenüber TechCrunch, die Technik verwandle ein Modell praktisch in einen „Soziopathen”, der jede Anfrage befolge. Im eigenen Test erhielt die Redaktion sowohl funktionsfähigen Schadcode zum Diebstahl von Chrome-Passwörtern als auch Anleitungen zur Kultivierung eines gefährlichen Krankheitserregers.
Andere Red-Teaming-Firmen äußern sich laut TechCrunch zurückhaltender: Sie bevorzugen gezieltes Fine-Tuning gegenüber komplett entschärften Modellen, weil dabei weniger Fähigkeiten verloren gehen. Einig sind sich Kritiker und Anbieter nur darin, dass entschärfte Modelle künftig häufiger für Angriffe missbraucht werden dürften.
Der Fall reiht sich in eine Serie von Sicherheitsvorfällen rund um KI-Systeme in diesem Sommer ein, von Sandbox-Ausbrüchen bei internen Modellen bis zu gekaperten Zugängen. Anders als bei jenen Vorfällen handelt es sich bei Abliteration.ai jedoch nicht um eine Sicherheitslücke, sondern um ein reguläres, kommerzielles Angebot.
Entscheidend wird, ob Cloud-Anbieter und Zahlungsdienstleister den Zugang zu solchen Diensten künftig einschränken, denn technische Gegenmittel gegen Abliteration existieren bislang kaum. Offen bleibt zudem, ob Z.ai als Hersteller des zugrunde liegenden Modells GLM-5.3 rechtliche oder technische Schritte gegen die kommerzielle Nutzung ankündigt.


