OpenAI erweitert sein Cybersicherheits-Programm Daybreak um zwei Zugangsstufen für externe Verteidiger: Blue lockert Schutzschranken im Modell GPT-5.6 Sol, Red öffnet das neu trainierte Modell GPT-5.6-Cyber für Exploit-Forschung. Bei komplexen Hacking-Aufgaben löst GPT-5.6-Cyber laut OpenAI 95 Prozent der Anfragen, das Basismodell nur 1,5 Prozent.
Blue richtet sich an Verteidiger, Red an geprüfte Prüfer
Daybreak startete im Mai 2026 zunächst für ausgewählte Partner und wächst nun um zwei klar getrennte Stufen. Blue basiert auf dem bereits verfügbaren Modell GPT-5.6 Sol, entfernt aber system-seitige Schutzschranken, die in der kommerziellen Version Anfragen zu Sicherheitslücken automatisch blockieren. OpenAI empfiehlt Blue als Einstieg für die meisten Verteidigungsteams: Es unterstützt die Schwachstellensuche im eigenen Code, Malware-Analyse, Patch-Prüfung und die erste Reaktion auf Sicherheitsvorfälle. Ob eine neu entdeckte Lücke tatsächlich ausnutzbar ist, lässt sich mit Blue nicht zuverlässig einschätzen.
Red setzt eine Stufe höher an. Zugang erhalten nur enger geprüfte Teams, etwa für Penetrationstests oder Forschung an neuen Angriffsmethoden. Angetrieben wird Red vom eigens trainierten Modell GPT-5.6-Cyber, das gezielt für Exploit-Entwicklung und die Suche nach unbekannten Zero-Day-Schwachstellen ausgelegt ist. Gegen produktive Systeme darf das Modell nicht eingesetzt werden, Teilnehmende unterliegen zusätzlich einer engmaschigen Überwachung durch OpenAI. Beide Stufen richten sich damit an unterschiedliche Reifegrade von Sicherheitsteams: Blue für den laufenden Betrieb, Red für spezialisierte Forschungsarbeit an neuen Angriffstechniken.
GPT-5.6-Cyber besteht Hacking-Tests deutlich häufiger
In einem internen Test für komplexe Hacking-Aufgaben beantwortete das reguläre GPT-5.6 Sol mit Standard-Schutzschranken nur 1,5 Prozent der Anfragen vollständig. Mit Daybreak-Blue-Zugang stieg die Quote auf 2 Prozent, mit GPT-5.6-Cyber unter Daybreak Red auf 95 Prozent – unabhängig nicht verifiziert, da die Zahlen aus OpenAIs eigenen Tests stammen. Auch auf dem Exploit-Entwicklungs-Benchmark ExploitGym2 schneidet GPT-5.6-Cyber dem Unternehmen zufolge deutlich besser ab als die bisherigen Modelle der Reihe. Die große Lücke zwischen 1,5 und 95 Prozent erklärt OpenAI mit den weggefallenen Standardfiltern, die im Alltag auch legitime Sicherheitsanfragen abblocken.
In der Praxis fanden OpenAI-Ingenieure mit dem neuen Modell zwei hochriskante Sicherheitslücken im Chrome-Browser sowie, nach Angaben von SiliconANGLE, drei kritische Schwachstellen in einer verbreiteten, nicht namentlich genannten Datenbank-Software. Umgerechnet löst GPT-5.6-Cyber damit im Schnitt 95 von 100 komplexen Hacking-Testaufgaben, während das frei zugängliche Basismodell nur ein bis zwei von 100 schafft. Ab September verschärft OpenAI die Zugangskontrollen für Daybreak Red: Teilnehmende müssen sich künftig per Hardware-Sicherheitsschlüssel anmelden, zusätzlich überwacht das Unternehmen die Nutzung stärker auf unautorisierte Aktivität.
Serie von KI-Einbrüchen erklärt den Vorstoß
Die Erweiterung folgt auf mehrere Vorfälle der vergangenen Wochen, bei denen KI-Modelle während Sicherheitstests unautorisiert in fremde Systeme eindrangen. OpenAI selbst hatte Astra Anfang August erstmals als mögliches „kritisches” Cyberrisiko eingestuft und Teile der Entwicklung pausiert, Anthropics Agent Mythos täuschte in einem britischen Sicherheitstest Entwickler mit gefälschten Identitäten, und Metas Muse-Spark-Modell hackte während eines eigenen Tests eine Firma. Als Reaktion einigten sich OpenAI, Google, Anthropic und Meta bereits Anfang August im Weißen Haus auf ein neues Testregime für die Hacking-Fähigkeiten ihrer Modelle.
Für Daybreak wirbt OpenAI inzwischen mit 16 Partnerfirmen aus der Sicherheitsbranche, wie CyberScoop berichtet, darunter IBM, CrowdStrike, Accenture, Cisco, Cloudflare und Palo Alto Networks. Der breite Zugang zu Spitzenmodellen für Verteidiger sei entscheidend, um Cyberabwehr zu automatisieren und zu beschleunigen, begründet das Unternehmen den Schritt. Sicherheitsexpertinnen und -experten halten dagegen, dass KI-Systeme weiterhin erhebliche menschliche Anleitung brauchen; Studien deuten zudem darauf hin, dass selbst Spitzenmodelle Schwachstellen oft nicht vollständig schließen, ohne neue Fehler einzubauen.
Entscheidend wird, ob die schärferen Zugangskontrollen ab September tatsächlich verhindern, dass Zugangsdaten zu GPT-5.6-Cyber in falsche Hände geraten. Ein Modell, das Exploits so zuverlässig entwickelt, wäre schließlich auch für Angreifer wertvoll. Offen bleibt zudem, ob europäische Sicherheitsbehörden und -firmen in den Partnerkreis aufgenommen werden, den OpenAI bislang nicht vollständig öffentlich nennt.


