SpaceXAI hat am 8. Juli 2026 mit Grok 4.5 ein neues KI-Modell veröffentlicht, das ausdrücklich auf Programmier- und agentische Aufgaben zugeschnitten ist. Die Ankündigung fällt in eine Woche, in der auch OpenAI sein GPT-5.6 breiter ausrollt – gleich mehrere Frontier-Labore stellen damit fast zeitgleich öffentlich zugängliche Modelle vor. Wie Axios zuerst berichtete, verkündete Elon Musk den Start auf X und positionierte das Modell weniger als Consumer-Chatbot, sondern als Werkzeug für Software-Entwicklung.
Was SpaceXAI vorgestellt hat
Grok 4.5 ist die erste größere Modellveröffentlichung seit dem Börsengang von SpaceXAI, das aus dem im Februar 2026 übernommenen xAI hervorgegangen ist. Musk beschreibt das Modell als der Opus-Klasse ebenbürtig, dabei aber schneller, token-effizienter und günstiger. In internen Vergleichen soll es ungefähr auf dem Niveau von Anthropics Opus 4.7 liegen – nicht der aktuellsten Version 4.8.
Das Kontextfenster umfasst 500.000 Tokens und ist damit kleiner als bei der Vorgängergeneration; oberhalb von 200.000 Tokens greifen erhöhte Tarife. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit gibt SpaceXAI mit rund 80 Tokens pro Sekunde an.
Preis und Verfügbarkeit
Der API-Preis liegt bei 2 Dollar pro Million Input-Tokens und 6 Dollar pro Million Output-Tokens, gecachter Input kostet 0,50 Dollar. Damit unterbietet Grok 4.5 Anthropics Opus 4.8 (5 Dollar Input, 25 Dollar Output) deutlich und liegt nahe an OpenAIs günstigstem GPT-5.6-Tier. Wie InfoWorld berichtet, beziffert der Coding Agent Index von Artificial Analysis die Kosten pro Programmieraufgabe auf 2,49 Dollar – gegenüber 5,07 Dollar für GPT-5.5 in Codex und 11,80 Dollar für Claude Fable 5 in Claude Code.
Verfügbar ist das Modell über die SpaceXAI-Konsole, Grok Build und das Coding-Tool Cursor. In der EU war Grok 4.5 zum Start nicht freigeschaltet; die Verfügbarkeit wird für Mitte Juli erwartet.
Die Benchmark-Frage
Bei den Leistungsclaims lohnt ein genauer Blick. SpaceXAI hat vier Benchmarks veröffentlicht, und das Bild ist gemischt: Grok 4.5 gewinnt gegen Opus 4.8 bei DeepSWE 1.0 (62,0 gegen 55,75 Prozent) und Terminal-Bench 2.1 (83,3 gegen 78,9 Prozent), verliert aber bei DeepSWE 1.1 (53 gegen 59 Prozent) und SWE-Bench Pro (64,7 gegen 69,2 Prozent). Claude Fable 5 führt nach diesen Angaben alle vier Tests an.
Eine unabhängige Analyse von roo ordnet die Marketing-Sprache ein: Musks Formulierung „Opus-Klasse” sei etwas anderes als „schlägt Opus”, auch wenn Letzteres im Nachrichtenzyklus oft so wiedergegeben werde. Entscheidend ist zudem die Wahl der Test-Umgebung – auf anbietereigenen Harnessen schneidet Grok 4.5 besser ab als auf neutralen. Wichtig für die Einordnung: Keiner der vier Werte ist bislang unabhängig durch Dritte verifiziert; sie sind vorerst als Herstellerangaben zu lesen.
Nach den Daten von Artificial Analysis rangiert Grok 4.5 im Gesamt-Ranking auf Platz 4 hinter Fable 5, Opus 4.8 und GPT-5.5. Bemerkenswert ist die Effizienz: Das Modell verbraucht pro Aufgabe rund 14.000 Output-Tokens und damit etwa 60 Prozent weniger als Opus 4.8 – ein wesentlicher Grund für die niedrigen Kosten pro Aufgabe.
Die Cursor-Partnerschaft
Trainiert wurde Grok 4.5 gemeinsam mit dem KI-Coding-Tool Cursor. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen flossen dabei umfangreiche Nutzungsdaten aus dem Werkzeug ein – Interaktionen von Entwicklern mit Codebasen und Software-Tools. Investing.com berichtet darüber hinaus, SpaceX habe einer Übernahme von Cursor zu einer Bewertung von 60 Milliarden Dollar zugestimmt; diese Angabe ist unabhängig nicht bestätigt und sollte mit Vorsicht behandelt werden.
Einordnung
Grok 4.5 fügt sich in ein Muster ein, das SpaceXAI in den vergangenen Monaten verfolgt hat: Wettbewerber vor allem über Preis und Geschwindigkeit unter Druck setzen, statt einen klaren Spitzenplatz bei der reinen Leistung zu beanspruchen. Musk selbst hatte eingeräumt, dass das Unternehmen bei den Coding-Fähigkeiten zunächst hinterherhinkte. Mit einem aggressiven Preis, hoher Token-Effizienz und der engen Anbindung an Cursor zielt der Anbieter nun auf professionelle Entwickler-Workflows – ein Feld, in dem Anthropic mit Claude Code bislang stark positioniert ist. Ob die Benchmark-Claims standhalten, werden unabhängige Tests in den kommenden Wochen zeigen.


