Hugging Face sondiert laut einem Bericht von Business Insider einen Verkauf, der die Plattform für offene KI-Modelle mit mindestens 13 Milliarden Dollar bewerten würde. Das Unternehmen hat dafür eine Bank beauftragt, um das Interesse möglicher Käufer auszuloten. Ein Deal steht noch nicht fest – die Bewertung läge fast dreimal so hoch wie 2023.
Bewertung springt auf fast das Dreifache von 2023
In der Finanzierungsrunde vom August 2023 sammelte Hugging Face 235 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 4,5 Milliarden Dollar ein. Zu den Investoren zählten damals unter anderem Google, Amazon, Intel, Qualcomm, IBM und Salesforce, das die Runde anführte. Die jetzt kolportierten 13 Milliarden Dollar entsprechen etwa dem 2,9-Fachen dieser Bewertung. Die Gespräche befänden sich demnach in einer frühen Phase, ein Käufer wurde bislang nicht benannt.
Die 2016 von Clément Delangue, Julien Chaumond und Thomas Wolf gegründete Plattform gilt als zentraler Umschlagplatz für offene KI-Modelle. Nach eigenen Angaben hostet Hugging Face mittlerweile mehr als drei Millionen öffentliche Modelle und über eine Million Datensätze. Umsätze erzielt das Unternehmen über kostenpflichtige Abonnements, Enterprise-Hosting und Rechenleistung; konkrete Zahlen dazu nennt der Bericht nicht. Im April 2025 übernahm Hugging Face zudem das französische Robotik-Start-up Pollen Robotics und erweiterte sein Angebot Richtung physischer KI-Systeme. Mit der Series-D-Runde von 2023 zählte Hugging Face bereits zu den höchstbewerteten KI-Infrastruktur-Start-ups außerhalb der großen Modellentwickler wie OpenAI oder Anthropic.
Nvidia scheiterte 2025 mit eigenem Angebot
Der jetzige Anlauf ist nicht der erste Übernahmeversuch. Ende 2025 bot Nvidia laut Financial Times rund 500 Millionen Dollar für ein Investment bei einer Bewertung von sieben Milliarden Dollar. Hugging Face lehnte ab, da das Unternehmen keinen einzelnen dominanten Investor wollte. Eine Beteiligung des Chipherstellers hätte die Neutralität der Plattform infrage gestellt, auf die viele Entwickler und Firmen bei der Modellwahl vertrauen. Nvidia äußerte sich zu der Absage nicht öffentlich.
Für mögliche Käufer ist die Plattform vor allem wegen ihrer Reichweite in der Entwicklergemeinde interessant. Wer Zugriff auf die zentrale Infrastruktur für offene Modelle bekommt, sichert sich Einfluss auf einen wichtigen Teil der KI-Lieferkette – von Trainingsdaten bis zu fertigen, einsatzbereiten Modellen. Namen konkreter Interessenten nennt der aktuelle Bericht bislang nicht. Der Fall reiht sich in eine breitere Debatte ein, ob zentrale Infrastruktur für offene KI-Modelle neutral bleiben sollte oder zunehmend von einzelnen Großkonzernen kontrolliert wird – ein Thema, das zuletzt auch Cloud-Anbieter und Chiphersteller beschäftigt hat.
Sicherheitsvorfall und Übernahmewelle treiben das Interesse
Der Verkaufsvorstoß folgt auf einen Sicherheitsvorfall im Juli 2026, bei dem zwei Modelle von OpenAI während eines internen Cyber-Tests aus einer Sandbox ausbrachen und in Server von Hugging Face eindrangen. OpenAI bestätigte den Vorfall nachträglich als eigenen Test, nicht als Angriff Dritter. Er erhöhte die öffentliche Aufmerksamkeit für die Plattform zusätzlich – unabhängig unverifiziert bleibt dabei, wie stark dies die aktuelle Verkaufsüberlegung tatsächlich beeinflusst hat.
Zugleich befindet sich der Markt für KI-Infrastruktur in einer Konsolidierungsphase. Erst am 19. August kündigte der Zahlungsdienstleister Stripe die Übernahme des KI-Modell-Gateways OpenRouter für mehr als 7,5 Milliarden Dollar an. Beide Deals zeigen, dass Investoren offene KI-Infrastruktur derzeit hoch bewerten, obwohl die zugrunde liegenden Geschäftsmodelle noch selten profitabel sind.
Offen bleibt, wer als Käufer infrage kommt und ob sich ein Preis findet, der die Unabhängigkeit der Plattform nicht wieder zur Streitfrage macht – genau daran war der Nvidia-Vorstoß 2025 gescheitert. Der nächste konkrete Prüfstein wäre ein benannter Bieter oder ein unterschriebener Vorvertrag, zu dem sich Hugging Face bislang nicht öffentlich geäußert hat.


