Der Zahlungsdienstleister Stripe kauft das KI-Modell-Gateway OpenRouter für mehr als sieben Milliarden Dollar, wie Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet. Der Preis liegt nahe am Fünffachen der 1,3-Milliarden-Dollar-Bewertung, die OpenRouter erst im Mai bei einer Finanzierungsrunde erhielt. Offiziell bestätigt haben beide Unternehmen den Deal bislang nicht.
Bewertung springt binnen weniger Monate aufs Fünffache
OpenRouter sammelte seit der Gründung 2023 nach eigenen Angaben mehr als 150 Millionen Dollar Kapital ein, zuletzt im Mai 2026 in einer Serie-B-Runde über 113 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 1,3 Milliarden Dollar. Angeführt wurde die Runde unter anderem von Sequoia, Andreessen Horowitz, Menlo Ventures und Alphabets Wagniskapitalarm CapitalG. Nur drei Monate später soll der Kaufpreis nun bei über sieben Milliarden Dollar liegen – eine Zahl, die unabhängig nicht verifiziert ist. Das Wall Street Journal berichtete bereits im Juli über Gespräche zu einem möglichen Preis von rund zehn Milliarden Dollar; mehrere andere große Technologiekonzerne hätten demnach ebenfalls Interesse an einer Übernahme geprüft, bevor sich offenbar Stripe durchsetzte. Ein Sprecher von Stripe erklärte gegenüber TechCrunch, das Unternehmen kommentiere grundsätzlich keine Gerüchte oder Spekulationen; auch OpenRouter äußerte sich nicht. Stripe selbst wird nach einer eigenen Finanzierungsrunde in diesem Jahr mit rund 159 Milliarden Dollar bewertet und wickelt für OpenRouter schon heute die Zahlungsabwicklung der Kundschaft ab.
Start-up verspricht Zugriff auf 400 Modelle ohne Bindung
OpenRouter verbindet nach eigenen Angaben acht Millionen Entwickler über eine einzige Schnittstelle mit mehr als 400 KI-Modellen unterschiedlicher Anbieter, statt dass Firmen für jeden Anbieter einzelne Zugänge und Abrechnungen verwalten müssen. Kundinnen und Kunden zahlen nutzungsbasiert pro Token zu den Preisen der jeweiligen Modellanbieter, dazu kommt laut OpenRouters eigener Dokumentation eine Gebühr von 5,5 Prozent auf Guthabenkäufe; ein Abonnement ist nicht nötig, einzelne Modelle sind sogar mit Ratenlimit kostenlos nutzbar. Gründer Alex Atallah hatte zuvor den NFT-Marktplatz OpenSea mitgegründet und ihn 2022 verlassen, bevor er im selben Jahr OpenRouter startete. Er bezeichnete sein Unternehmen wiederholt als das KI-Pendant zu Stripe: Firmen sollen so nicht von einem einzelnen Modellanbieter abhängig werden. Genau dieses Problem beschäftigt auch andere Unternehmenslenker – Microsoft-Chef Satya Nadella warnte im Juli vor einer ähnlichen Kostenfalle bei der Nutzung kommerzieller KI-Modelle und riet zu wechselbaren Anbieter-Schichten. In einem Podcast-Gespräch mit dem Investor Harry Stebbings erklärte Atallah bereits vor Bekanntwerden des aktuellen Berichts, sein Team werde die eigene Vision unabhängig vom Ausgang möglicher Verkaufsgespräche weiterverfolgen, weil ein offener, anbieterunabhängiger Zugang zu KI-Modellen für das gesamte Ökosystem entscheidend sei.
Deal reiht sich in Serie milliardenschwerer KI-Zukäufe ein
Die Übernahme fällt in eine Phase, in der Zahlungs- und Infrastrukturanbieter verstärkt in die KI-Wertschöpfungskette vordringen. Erst Anfang August übernahm OpenAI das Präsentations-Start-up NextSlide, während Anthropic parallel Investorentreffen für einen möglichen Börsengang im Herbst führt, begleitet vom selben Bankenkonsortium aus Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan Chase. Für Stripe wäre der Zukauf der bislang größte Schritt in Richtung KI-Infrastruktur und würde das Kerngeschäft der Zahlungsabwicklung um ein Gateway erweitern, über das täglich Anfragen an Dutzende Modellanbieter fließen. Zu einer möglichen Integration in Stripes Zahlungsprodukte gibt es bislang keine Angaben; OpenRouter bliebe nach bisherigem Kenntnisstand für Kundinnen und Kunden zunächst unverändert nutzbar, ein Rollout-Datum für Änderungen ist nicht bekannt. Der Dienst ist als webbasiertes Gateway ohne bekannte regionale Einschränkung erreichbar, auch Unternehmen in Deutschland und der übrigen EU greifen bereits heute über Web-Oberfläche oder API zu. Fraglich bleibt die Neutralität des Gateways schon länger: Mit Alphabets CapitalG sitzt bereits jetzt ein Investor eines konkurrierenden Modellanbieters im Kapitaltisch, ein Zahlungskonzern als neuer Eigentümer würde die Unabhängigkeitsfrage zusätzlich verschärfen.
Offen bleibt, wann der Deal offiziell besiegelt wird und ob der Kaufpreis bis dahin – wie von Fortune berichtet – noch nachverhandelt wird. Der eigentliche Knackpunkt liegt aber darin, ob Konkurrenten wie Google oder Anthropic ein künftig von einem Zahlungskonzern kontrolliertes Gateway langfristig noch als neutralen Vermittler für ihre eigenen Modelle akzeptieren.


