OpenAI hat das Präsentations-Start-up NextSlide übernommen und dessen Team in die ChatGPT-Entwicklung integriert. Gründer Ahmed Beshry bestätigte den Schritt am 8. August 2026 – nach eigenen Worten mit mehrmonatiger Verspätung, weil der Deal bereits früher im Jahr abgeschlossen worden war. Über den Kaufpreis schweigen beide Seiten.
NextSlide verwandelt Notizen in fertige Folien
NextSlide baute ein Werkzeug, das Stichpunkte, Notizen, Dokumente und Recherchematerial automatisch in fertige, editierbare Präsentationsfolien umwandelt – gedacht für Menschen ohne Design-Erfahrung. Beshry hatte das Unternehmen Mitte 2025 gegründet. Zuvor stand er als Mitgründer hinter dem Checkout-Start-up Caper AI, das Instacart 2021 übernahm. Wie TechCrunch berichtet, arbeitet das komplette NextSlide-Team künftig an ChatGPT-Funktionen. Das ist ein klassisches Acqui-Hire: Im Vordergrund stehen die Beschäftigten, nicht zwingend das eigenständige Produkt. Sein Ziel bleibe, visuelle Kommunikation zugänglicher zu machen und mehr Menschen zu helfen, ihre Ideen klar auszudrücken, so Beshry in der Ankündigung auf der NextSlide-Seite. Ob die bisherige NextSlide-Anwendung als eigenständiger Dienst bestehen bleibt oder vollständig in ChatGPT aufgeht, ließ das Unternehmen offen. Die Übernahme reiht sich in eine bestehende Linie ein: Bereits am 9. Juli 2026 hatte OpenAI mit ChatGPT Work eigene Präsentationsfunktionen vorgestellt, wenige Wochen später folgte die direkte ChatGPT-Seitenleiste in Microsoft PowerPoint. NextSlide bringt nun zusätzliches Fachwissen für Layout und Foliendesign ins Haus.
Verspätete Offenlegung nährt Zweifel an Transparenz
Auffällig ist der zeitliche Abstand zwischen Vertragsabschluss und Ankündigung: Beshry räumte selbst ein, die Neuigkeit komme ein paar Monate zu spät. Eine eigene Stellungnahme von OpenAI zu dem Deal liegt bislang nicht vor; einzige Quelle der Bestätigung ist Beshrys Ankündigung. Laut einer Analyse von Implicator.ai, die sich auf Crunchbase-Daten stützt, kaufte OpenAI seit 2023 mindestens 17 Unternehmen. Angaben zu Kaufpreis, Teamgröße oder dem weiteren Schicksal der übernommenen Produkte fehlen dabei meist – diese Zahl ist unabhängig nicht verifiziert. Als Beleg für das Muster nennt Implicator das Fintech-Start-up Hiro Finance, das OpenAI demnach am 13. April 2026 übernahm und rund eine Woche später wieder abschaltete. Ein ähnliches Schicksal ereilte den hauseigenen Browser ChatGPT Atlas, den OpenAI nach nur neun Monaten zum 9. August 2026 einstellte. Für Firmen, die produktivitätsnahe KI-Tools einsetzen, bedeutet das: Einzelprodukte kleinerer Anbieter können nach einer Übernahme kurzfristig verschwinden. Das zugrunde liegende Know-how lebt dabei oft im Mutterkonzern weiter.
Entscheidend wird, ob NextSlides Technik in den kommenden Monaten sichtbar in ChatGPT auftaucht oder in der breiten Funktionspalette des Assistenten untergeht. Offen bleibt zudem, wie OpenAI mit den übrigen der zuletzt 17 Übernahmen umgeht, deren Produkte bislang ohne offizielle Abschaltungs- oder Weiterführungsmeldung geblieben sind. Für Wettbewerber wie Canva oder Gamma, deren KI-Foliengeneratoren NextSlide bislang Konkurrenz machten, ist die Übernahme ein Signal, dass OpenAI den Präsentationsmarkt nicht dem eigenen Ökosystem überlassen will.


