Anthropic lässt Claude-Code-Sitzungen ab sofort direkt miteinander kommunizieren: Seit Version 2.1.224 informiert eine Sitzung auf macOS oder Linux eine andere automatisch, sobald eine Änderung deren Aufgabe betrifft. Ausgetauscht wird dabei nie der vollständige Gesprächsverlauf oder Dateizugriff, sondern nur eine kurze Textnachricht über die neuen Werkzeuge ListAgents und SendMessage.
Zwei Werkzeuge übernehmen Suche und Zustellung
Claude findet passende Gegenstellen selbst: Das Werkzeug ListAgents zeigt alle erreichbaren Sitzungen mit ihrem Namen an, SendMessage liefert anschließend den Text an die gewählte Sitzung aus. Nutzerinnen und Nutzer rufen dafür keines der beiden Werkzeuge manuell auf – ein einfacher Hinweis wie „Sag der Sitzung im anderen Terminal, dass die Migration fertig ist” genügt, den Rest formuliert Claude eigenständig.
Läuft die Gegenstelle auf demselben Rechner, verläuft die Zustellung über einen lokalen Socket, ganz ohne Umweg über Anthropics Server. Befindet sich die andere Sitzung auf einem zweiten Computer oder läuft sie im Browser unter Claude Code on the web, kann die aktuelle Sitzung nur antworten, aber kein Gespräch selbst beginnen; die Nachricht läuft dann über Anthropics Infrastruktur und die Remote-Control-Verbindung des Zielgeräts.
Gedacht ist die Funktion für parallele Arbeit an ein und demselben Projekt: Eine Sitzung meldet einer zweiten, dass ein Datenbankfeld umbenannt wurde, oder ein lange laufender Testlauf schickt am Ende selbstständig eine Statusmeldung an die Sitzung, die darauf wartet. Wie OpenAI in der Kommandozeilen-Anwendung Codex zeigt, ist Kommunikation zwischen KI-Sitzungen kein Einzelfall mehr – dort verschlüsselt der Hersteller die Nachrichten zwischen Agenten zusätzlich, während Claude Code auf Klartext mit strikten Rechtegrenzen setzt.
Berechtigungen bleiben strikt an die einzelne Sitzung gebunden
Eine eingehende Nachricht zählt nicht als Zustimmung der Nutzerin oder des Nutzers. Sie könne laut Anthropic weder eine offene Berechtigungsanfrage bestätigen noch Einstellungen, die Datei CLAUDE.md oder sonstige Konfiguration verändern. Auch Befehle wie /compact, die im Nachrichtentext stehen, führt Claude Code nicht aus, sondern zeigt sie nur als reinen Text an. Verlangt die Nachricht eine Aktion, für die die empfangende Sitzung noch keine Freigabe hat, erscheint die gewohnte Berechtigungsabfrage wie bei jeder anderen Anweisung.
Wie eine Sitzung mit ankommenden Nachrichten umgeht, lässt sich über die Einstellung crossSessionInbound auf „annehmen”, „zurückhalten” oder „ablehnen” festlegen; ohne eigene Konfiguration entscheidet Claude Code anhand der Berechtigungsstufen beider Sitzungen. Zurückgehaltene Nachrichten muss die Nutzerin einzeln bestätigen, bevor sie zugestellt werden, und laufen nach fünf Minuten automatisch ab. Wiederholt sich eine Nachricht zwischen zwei Sitzungen zu schnell, drosselt Claude Code den Austausch automatisch, um Endlosschleifen zu vermeiden.
Die Funktion läuft ausschließlich mit Claude Code ab Version 2.1.224 auf macOS und Linux – unter Windows sowie bei den Anbieteranbindungen Amazon Bedrock, Google Cloud und Microsoft Foundry steht sie unabhängig von der installierten Version nicht zur Verfügung. Unternehmen können den Nachrichtenaustausch zudem über zentral verwaltete Einstellungen vollständig abschalten.
Entscheidend wird, ob Unternehmen die Funktion in ihre Sicherheitsrichtlinien für KI-Werkzeuge aufnehmen, bevor Entwicklungsteams sie im Alltag nutzen. Anders als bei Claudes Sprachmodus für Gmail, Kalender und Slack greift eine Sitzung hier nicht auf fremde Werkzeuge zu, sondern ausschließlich auf andere Instanzen desselben Programms auf demselben Rechner oder über die eigene Remote-Control-Verbindung – das Risiko bleibt damit vergleichsweise eng begrenzt. Offen ist, ob Anthropic den Nachrichtenaustausch künftig auch auf Windows oder auf die Cloud-Anbieter-Varianten ausweitet, für die er bislang nicht vorgesehen ist.


