Anthropic hat den Sprachmodus des Chatbots Claude am 23. Juli 2026 deutlich erweitert. Wer mit Claude spricht, kann jetzt die leistungsstarken Modelle Opus und Sonnet nutzen und direkt Programme wie Gmail, den Kalender oder Slack bedienen. Im kostenlosen Konto funktioniert das mit einem Programm, bezahlte Pläne verbinden mehrere gleichzeitig.
Claude hört jetzt auch mit Opus und Sonnet zu
Der Sprachmodus von Claude lief bisher nur mit Haiku, dem schnellsten, aber einfachsten der drei Claude-Modelle. Für kurze Fragen reichte das, bei komplexeren Themen stieß Haiku schneller an Grenzen als die stärkeren Modelle Opus und Sonnet im normalen Textchat. Genau das ändert sich laut dem offiziellen Blogbeitrag von Anthropic jetzt: Ein gesprochenes Gespräch startet automatisch mit dem Modell, das zuletzt im Textchat ausgewählt war, und lässt sich mitten im Gespräch über eine Modellauswahl auf ein anderes umstellen. Wer Claude also schon für anspruchsvollere Aufgaben im Textchat nutzt, bekommt dieselbe Qualität künftig auch beim Sprechen.
Deutsch gehört zu den elf unterstützten Sprachen, darunter auch Französisch, Spanisch, Italienisch und Japanisch. Claude erkennt die gesprochene Sprache dabei nicht automatisch, sie muss einmalig in den Einstellungen festgelegt werden. Neu ist außerdem, dass sich Claude während des Sprechens mit angeschlossenen Programmen verbinden kann, um dort tatsächlich etwas nachzuschlagen oder zu erledigen, statt nur allgemein zu antworten.
Ein Zuruf genügt für E-Mail, Kalender und Slack
Im Arbeitsalltag zeigt sich der eigentliche Nutzen an den angebundenen Programmen. Laut Anthropic reicht Claude im Sprachmodus jetzt in Gmail, den Google-Kalender, Google Docs, Slack, Canva und Notion hinein. Vor jedem Zugriff auf eines dieser Programme fragt Claude ausdrücklich um Erlaubnis, neue Verbindungen lassen sich einmalig unter den Connector-Einstellungen einrichten.
Ein Beispiel aus dem Büroalltag: Eine Sachbearbeiterin sitzt im Zug zu einem Kundentermin und lässt sich von Claude per Sprache die neuesten E-Mails zu einem Projekt zusammenfassen. Anschließend bittet sie Claude, für die Rückmeldung an die Kundschaft einen Termin im Kalender einzutragen und eine kurze Notiz dazu an das Team in Slack zu schicken. Getippt wird dabei nichts. Ähnlich funktioniert inzwischen auch Gmails eigene Schreibhilfe beim Verfassen von Entwürfen, allerdings ohne die gesprochene Bedienung über mehrere Programme hinweg. Wer mit Claude Cowork bereits größere Aufgaben automatisiert, sollte wissen: In Cowork selbst funktioniert der neue Sprachmodus nicht, dort bleibt nur das reine Diktieren von Text möglich.
So aktiviert sich der Sprachmodus – und das kostet er
Der Sprachmodus ist Teil aller Claude-Pläne und lässt sich ohne separate Installation ausprobieren.
- Mit einem Claude-Konto auf dem Handy, am Desktop oder im Browser anmelden.
- Im Chatfenster auf das Schallwellen-Symbol tippen, um ein Gespräch zu starten.
- Bei Bedarf unter den Einstellungen die gewünschte Sprache wie Deutsch auswählen.
- Programme wie Gmail oder den Kalender einmalig über die Connector-Einstellungen verbinden.
- Während des Gesprächs die Erlaubnis bestätigen, sobald Claude ein verbundenes Programm nutzen möchte.
Im kostenlosen Konto steht laut der Hilfeseite von Anthropic das Modell Haiku zur Verfügung, dazu ein einzelnes verbundenes Programm. Für Opus, Sonnet und mehrere gleichzeitig verbundene Programme braucht es einen bezahlten Plan, etwa Claude Pro ab rund 18 Euro im Monat. Die Funktion läuft auf Web, Desktop sowie den Apps für iOS und Android, ist aber laut Anthropic vor allem für die Nutzung unterwegs auf dem Handy gedacht. Die gesprochenen Gespräche zählen dabei zum normalen Nutzungslimit des jeweiligen Plans.
Offen bleibt, wie reibungslos sich mehrere Programme gleichzeitig per Sprache bedienen lassen. Anthropic weist selbst darauf hin, dass die gleichzeitige Nutzung mehrerer verbundener Programme zu einer kurzen Verzögerung führen kann und sich nicht jedes Ergebnis vollständig auf dem Bildschirm anzeigen lässt. Für Kunden- oder Firmendaten in Gmail, Kalender oder Slack gilt zudem: Bevor ein Programm verbunden wird, lohnt ein Blick in die eigenen internen Vorgaben zum Umgang mit KI-Diensten, denn Unternehmen können den Sprachmodus über die zentrale Verwaltung auch komplett abschalten.


