Google lässt ausgewählte Gemini-Nutzer in Indien seit dem 26. September 2026 testweise direkt bei Flipkart einkaufen. Ein neuer Kaufen-Button führt sie ohne Umweg zur markenbrandeten Kasse des Online-Händlers, vorerst nur für Smartphones, Elektronik und Zubehör. Ein breiterer Start ist für Oktober vor der indischen Festival-Saison vorgesehen.
Button führt direkt zur Flipkart-Kasse
Wie zuerst TechCrunch berichtete, taucht der Kaufen-Button bislang nur bei einer kleinen Auswahl von Produkten in Gemini und dem KI-Suchmodus AI Mode auf. Tippen Testnutzerinnen und -nutzer darauf, gelangen sie direkt zur Kasse von Flipkart, ohne die Google-Anwendung zu verlassen oder erneut nach dem Artikel suchen zu müssen. Betroffen sind derzeit nur Smartphones, weitere Elektronik und Mobilzubehör; andere Warengruppen nennt Google für die Testphase nicht. Ein Sprecher des Konzerns erklärte lediglich, man teste „immer neue Funktionen, um Menschen den Kontakt zu Unternehmen zu erleichtern”. Für den größeren Rollout im Oktober nannte Google kein festes Datum, verwies aber auf die bevorstehende Festival-Saison rund um Diwali, in der indische Haushalte traditionell einen Großteil ihrer Elektronik-Käufe tätigen. Google ist seit 2024 mit rund 350 Millionen Dollar an Flipkart beteiligt, das mehrheitlich dem US-Handelskonzern Walmart gehört.
Ein offener Standard soll Käufe über KI-Chats regeln
Technische Grundlage des Tests ist das Universal Commerce Protocol, ein offener Standard, den Google im Januar 2026 vorstellte. Er soll festlegen, wie KI-Anwendungen wie Gemini und die Google-Suche mit den Systemen von Händlern kommunizieren – von der Produktsuche über den Warenkorb bis zur eigentlichen Bezahlung. Mitentwickelt haben ihn unter anderem Shopify, Etsy, Target und Walmart. Unterstützt wird er zudem von mehr als 20 weiteren Unternehmen, darunter die Zahlungsdienstleister Mastercard und Stripe sowie der europäische Modehändler Zalando. Für Google steht bei dem Vorstoß viel auf dem Spiel: Der KI-Assistent Gemini erreichte im August erstmals mehr als eine Milliarde monatliche Nutzerinnen und Nutzer und damit eine Reichweite, die sich für Händler zunehmend attraktiv rechnet. Ob sich aus dieser Reichweite auch tatsächliche Käufe statt bloßer Produktempfehlungen ergeben, ist die zentrale Frage, an der bereits ein Konkurrent gescheitert ist.
OpenAIs früherer Anlauf scheiterte an schwacher Nutzung
OpenAI hatte mit Instant Checkout bereits im September 2025 einen vollständig in ChatGPT integrierten Kaufabschluss gestartet, zunächst mit Etsy-Händlern und angekündigter Shopify-Anbindung für mehr als eine Million Geschäfte. Der Dienst blieb jedoch weit hinter den Erwartungen zurück: Wie CNBC berichtete, gingen von Millionen Shopify-Händlern weniger als 15 mit dem Feature live. Walmart maß zudem eine Konversionsrate, die fast dreimal schlechter ausfiel als ein einfacher Klick zur eigenen Webseite – eine Zahl, die unabhängig nicht verifiziert ist. OpenAI stellte Instant Checkout im März 2026 ein und verlegte den Schwerpunkt zurück auf reine Produktempfehlungen, während der eigentliche Kauf wieder auf der Seite der Händler stattfindet. Der Konzern experimentiert seither mit anderen Erlösquellen, etwa gesponserten Agenten in ChatGPT, verzichtet aber bislang auf einen zweiten Anlauf beim direkten Checkout.
Entscheidend wird, ob Googles Umweg über eine markenbrandete Partnerkasse das Grundproblem löst, an dem OpenAIs vollständig integrierter Checkout scheiterte: das Vertrauen der Händler in die Kontrolle über den eigentlichen Kaufabschluss. Hält Google den angekündigten Oktober-Termin, liefert Indiens Festival-Saison den ersten echten Belastungstest für diesen Ansatz in großem Maßstab – mit Folgen auch für die Frage, ob KI-Assistenten weltweit zu einem ernsthaften Vertriebskanal für Händler werden.

