Googles KI-Assistent Gemini hat nach Angaben des Mutterkonzerns erstmals die Marke von einer Milliarde monatlich aktiven Nutzerinnen und Nutzern überschritten. Konzernchef Sundar Pichai bezeichnete die App als das am schnellsten wachsende Produkt in der 28-jährigen Firmengeschichte. Gemini ist damit erst der vierzehnte Google-Dienst, der diese Schwelle je erreicht hat.
Google meldet schnellstes Wachstum der Firmengeschichte
Der Sprung auf eine Milliarde Nutzerinnen und Nutzer kommt nur wenige Wochen nach der letzten offiziellen Zahl. Beim Quartalsbericht im Juli nannte Alphabet noch 950 Millionen monatlich aktive Gemini-Nutzer, im Oktober 2025 waren es laut PYMNTS erst 650 Millionen gewesen. Im Mai 2025 lag der Wert laut TechCrunch sogar erst bei 400 Millionen – die Nutzerzahl hat sich seither mehr als verdoppelt. Im offiziellen Blogbeitrag schreibt Google, Gemini sei der vierzehnte eigene Dienst, der die Milliardenschwelle je erreicht habe – nach etablierten Angeboten wie Suche, Gmail, Android, Maps, Chrome, Play und YouTube. Keines dieser Produkte habe die Marke so schnell genommen wie die KI-App. Auch schnellere und günstigere Modelle wie Gemini 3.6 Flash, die Google im Sommer eingeführt hat, dürften zum Nutzerzuwachs beigetragen haben: Mehr kostenlose Anfragen sind ohne Wartezeit möglich, der Ausgabepreis von Flash sank im Sommer von neun auf 7,50 Dollar je Million Token, und die KI ist inzwischen tief in Dienste wie Google Drive eingebettet.
Sprachsteuerung und Bilder prägen die tägliche Nutzung
Wie Menschen die App nutzen, hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschoben. 63 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer sprechen ihre Anfragen, statt sie zu tippen, bei stark eingebundenen Eltern liegt der Anteil noch höher. Täglich entstehen mehr als 150 Millionen Bilder über die App, ein deutlicher Anstieg gegenüber früheren Werten. Über Gemini lassen sich inzwischen Aktionen in mehr als 40 verknüpften Programmen automatisch auslösen, etwa das Versenden von Nachrichten oder das Anlegen von Terminen. Bei jeder fünften Interaktion mit der Live-Funktion binden Nutzerinnen und Nutzer zudem die Kamera oder eine Bildschirmfreigabe ein, um der KI direkt zu zeigen, worum es geht. Auf iOS zählt der Konzern mehr als 100 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer, auf Mac-Computern liegt die Zahl der Anfragen pro Kopf sogar doppelt so hoch wie auf anderen Plattformen. Die Zahlen deuten darauf hin, dass Gemini für viele längst kein reines Chat-Werkzeug mehr ist, sondern eigenständig Aufgaben im Hintergrund übernimmt.
Wachstum verschärft den Wettlauf mit ChatGPT
Der Meilenstein reiht sich in ein enges Rennen um die größte KI-Nutzerbasis ein. TechCrunch berichtet, dass OpenAIs ChatGPT die Marke von einer Milliarde monatlichen Nutzerinnen und Nutzern bereits im Juni 2026 überschritten hatte, gut zwei Monate vor Gemini. Zum Vergleich: Anthropics Assistent Claude kam laut PYMNTS zuletzt auf rund 56 Millionen monatliche Nutzerinnen und Nutzer weltweit, ein Bruchteil der Reichweite von Gemini und ChatGPT. Beide großen Anbieter zählen ihre Nutzerzahlen nach eigener Methodik, ein direkter Vergleich ist deshalb nur eingeschränkt möglich – unabhängig verifiziert sind die genannten Werte bislang nicht. Google profitiert dabei von einem Vorteil, den OpenAI nicht hat: Gemini ist über Suche, Android und Workspace in Produkte eingebaut, die ohnehin milliardenfach genutzt werden. Nutzerinnen und Nutzer begegnen der KI damit häufig, ohne die App aktiv zu starten. Für Unternehmen, die Google Workspace oder Android-Geräte im Einsatz haben, bedeutet das wachsende Angebot vor allem, dass ein KI-Assistent inzwischen ohne separate Anmeldung im Arbeitsalltag zur Verfügung steht.
Offen bleibt, wie viele der eine Milliarde Nutzerinnen und Nutzer für kostenpflichtige Zusatzfunktionen zahlen. Weder Pichais Ankündigung noch der Blogbeitrag des Konzerns nennen eine Zahl zu den Abos Google AI Pro und Ultra. Für die Umsatzseite des Geschäfts bleibt die Reichweite damit vorerst nur die halbe Geschichte. Der nächste Prüfstein dürfte im Oktober folgen, wenn Alphabet die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt und zeigen muss, ob aus Reichweite auch Umsatz wird.


