KI-Wirtschaft

EuroHPC beauftragt Bull mit KI-Supercomputer für 388 Millionen Euro

2 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Die EU-Forschungsorganisation EuroHPC JU hat den französischen Technologiekonzern Bull mit dem Bau des KI-Supercomputers LUMI-AI für 387,8 Millionen Euro beauftragt. Das System soll ab der zweiten Hälfte 2027 im finnischen Kajaani die zehnfache KI-Rechenleistung des bisherigen LUMI-Systems liefern. Sechs Staaten und die EU teilen sich die Kosten je zur Hälfte. Es ist bereits der sechste KI-Fabrik-Vertrag, den EuroHPC JU europaweit vergeben hat.

Ein Supercomputer-Rechnerschrank mit AMD-Logo-Aufkleber steht in einer verschneiten finnischen Kiefernlandschaft, aus einem Rohr fließt warmes Wasser in ein Fernwärmerohr Richtung Stadt, darüber ein Ring aus zwölf gelben EU-Sternen. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • 387,8 Millionen Euro Vertragswert, je zur Hälfte von EuroHPC JU und sechs Staaten finanziert.
  • Zehnfache KI-Rechenleistung gegenüber dem bisherigen LUMI-System versprochen.
  • AMD-Chips (Instinct MI430X, Epyc) statt Nvidia-Hardware treiben das System an.
  • Standort CSC-Rechenzentrum Kajaani, Finnland; Betrieb ab zweiter Jahreshälfte 2027.
  • Sechster KI-Fabrik-Vertrag, den EuroHPC JU europaweit vergeben hat.
  • Konsortium aus sechs Staaten; Deutschland gehört nicht dazu.

Die EU-Forschungsorganisation EuroHPC JU hat den Bau des KI-Supercomputers LUMI-AI in Auftrag gegeben. Der französische Technologiekonzern Bull errichtet die Anlage für 387,8 Millionen Euro im finnischen Kajaani, ab der zweiten Jahreshälfte 2027 soll sie die zehnfache KI-Rechenleistung des bisherigen LUMI-Systems liefern.

Bull liefert das System mit AMD-Chips und Flüssigkühlung

Der französische Konzern, eine Tochter von Atos, baut LUMI-AI auf Basis der neuen BullSequana-XH3500-Architektur. Herzstück sind AMD-Grafikprozessoren vom Typ Instinct MI430X sowie AMD-Prozessoren der sechsten Epyc-Generation mit 256 Kernen; Speicher liefert IBM, für die Netzwerktechnik sorgt Bull gemeinsam mit Nokia. Gegenüber dem bisherigen LUMI-System soll die neue Anlage die zehnfache KI-Rechenleistung und fast die doppelte klassische Hochleistungsrechenkapazität erreichen – unabhängig geprüft sind diese Herstellerangaben bislang nicht.

Die Kühlung erfolgt über eine patentierte Direktflüssigkühlung mit warmem Wasser, das laut Betreiberangaben anschließend in das Fernwärmenetz der Stadt Kajaani eingespeist werde. Der Standort liegt im neuen CSC-Rechenzentrum im Gewerbegebiet Renforsin Ranta, direkt neben dem Quantencomputer LUMI-IQ – die Anlage soll damit klassisches Höchstleistungsrechnen, KI-Training und Quantencomputing an einem Ort bündeln. Der Betrieb soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen, ein festes Startdatum nennt der Betreiber noch nicht.

Sechs EU-Staaten teilen sich die Kosten mit Brüssel

Betrieben wird LUMI-AI vom Konsortium LUMI AI Factory, dem Finnland, Tschechien, Dänemark, Estland, Norwegen und Polen angehören. Die 387,8 Millionen Euro Vertragssumme tragen EuroHPC JU und die sechs Staaten je zur Hälfte. Deutschland gehört dem Konsortium nicht an.

Für EuroHPC JU ist LUMI-AI bereits der sechste Vertrag über eine sogenannte KI-Fabrik – ein bestehendes Höchstleistungsrechenzentrum, das für KI-Training aufgerüstet wird. Das Programm läuft parallel zu einer zweiten, deutlich größeren EU-Initiative: Ende Juli hatte die Organisation die Ausschreibung für bis zu sieben neue KI-Gigafabriken mit einem erwarteten Investitionsvolumen von mehr als 30 Milliarden Euro gestartet, größtenteils privat finanziert. Über die Standorte entscheidet die EU-Kommission voraussichtlich erst Anfang 2027; auch ein deutsches Bewerber-Konsortium hofft dabei auf einen Zuschlag.

Offen bleibt, ob Unternehmen außerhalb der sechs Konsortialstaaten später Zugang zu der Rechenleistung erhalten oder ob sie überwiegend Forschungseinrichtungen und Firmen aus Finnland, Tschechien, Dänemark, Estland, Norwegen und Polen vorbehalten bleibt. Entscheidend für Deutschlands eigene KI-Ambitionen wird unterdessen, ob die separate Gigafabriken-Ausschreibung wie geplant Anfang 2027 zu einem Zuschlag führt – bislang ist ein Großteil der dafür nötigen privaten Milliarden noch nicht gesichert.

Häufige Fragen

Was ist die LUMI AI Factory?

Ein Zusammenschluss aus Finnland, Tschechien, Dänemark, Estland, Norwegen und Polen, der gemeinsam mit EuroHPC JU bestehende Supercomputer-Standorte für KI-Training aufrüstet. LUMI-AI ist das nächste System dieses Konsortiums.

Wer trägt die Kosten für LUMI-AI?

EuroHPC JU und die sechs Konsortialstaaten teilen sich die 387,8 Millionen Euro je zur Hälfte. Deutschland gehört nicht zu den Geldgebern.

Wann kann LUMI-AI genutzt werden?

Der Betrieb soll in der zweiten Hälfte 2027 aufgenommen werden, ein genaues Startdatum hat EuroHPC JU bislang nicht genannt.

Worin unterscheidet sich LUMI-AI von den geplanten EU-KI-Gigafabriken?

Die Gigafabriken sind ein separates, deutlich größeres EU-Programm mit mehr als 30 Milliarden Euro überwiegend privatem Kapital, über dessen Standorte die EU-Kommission voraussichtlich erst Anfang 2027 entscheidet. LUMI-AI erweitert dagegen ein bereits bestehendes Rechenzentrum.

Können deutsche Unternehmen die Rechenleistung von LUMI-AI nutzen?

Öffentliche Angaben dazu liegen nicht vor; EuroHPC-Ressourcen stehen in der Regel primär Forschungseinrichtungen und Firmen aus den Konsortialstaaten offen. Deutschland verfolgt parallel eine eigene Bewerbung um eine EU-KI-Gigafabrik.

Quellen (3)
  1. Bull to deliver LUMI-AI supercomputer (LUMI-Konsortium)
  2. Bull Selected to Deliver Europe's €387.8 Million LUMI-AI Supercomputer in Finland (GlobeNewswire)
  3. AMD to Power €387.8M LUMI-AI System for European Research and Industry (HPCwire)

Dein KI-Update für die Arbeitswoche

Einmal pro Woche das Wichtigste aus der KI-Welt – plus ein Praxis-Tipp zum direkt Ausprobieren. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

← Zurück zum Blog