OpenAI schaltet Werbung im kostenlosen ChatGPT ab Montag, dem 24. August 2026, für 31 europäische Länder frei – nach der vagen Ankündigung vom 15. August steht damit erstmals ein festes Datum. Betroffen sind ausschließlich die Tarife Free und Go, während Plus- und Enterprise-Kunden weiterhin werbefrei bleiben. Die Werbeeinnahmen sind laut OpenAI seit Anfang August bereits um 25 Prozent gestiegen.
31 Länder erhalten am Montag Zugriff auf Anzeigen
Zu den 31 Ländern zählen laut OpenAI unter anderem Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Österreich sowie die Benelux- und die skandinavischen Staaten; eine vollständige Auflistung aller 31 Namen veröffentlicht das Unternehmen bislang nicht. Der Rollout sei die bislang größte geografische Erweiterung des Werbeprogramms und hebe die Gesamtzahl bespielter Märkte weltweit auf 40, nach dem Start im Februar 2026 in den USA und der schrittweisen Ausweitung über Großbritannien, Mexiko, Brasilien, Japan und Südkorea. Anzeigen erscheinen nur in den Tarifen Free (kostenlos) und Go (acht Dollar im Monat); wer Plus, Pro, Business, Enterprise oder Education nutzt, sieht weiterhin keine Werbung. Wie bereits bei der Ankündigung von Mitte August zugesagt, bleibt die Anzeigenauswahl zum Start ohne Personalisierung: OpenAI nutzt nur Gesprächsthema, groben Standort und Gerätetyp, frühere Chats und gespeicherte Erinnerungen fließen nicht ein. Anzeigen seien klar als Werbung gekennzeichnet und von den eigentlichen ChatGPT-Antworten getrennt; Werbetreibende erhielten keinen Zugriff auf einzelne Unterhaltungen, die Auswahl der Anzeigen beeinflusse die Antworten des Chatbots nicht.
Werbeeinnahmen wachsen vor geplantem Börsengang
Die Werbeeinnahmen von OpenAI sind seit dem 1. August 2026 um 25 Prozent gewachsen, wie Marketing Brew berichtet und sich dabei auf ein Gespräch mit OpenAI-Werbechef Colin Fleming beruft, der seit rund 80 Tagen im Amt ist. Fleming beschreibt drei parallele Ziele: Nutzen für Endkundinnen und -kunden, Nützlichkeit für Werbetreibende und Umsatz für das Unternehmen. Als Zielgruppen für das Anzeigengeschäft nennt er ausdrücklich Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter, Entwicklerinnen und Entwickler sowie Geschäftsentscheiderinnen und -entscheider. Werbetreibende erhalten den Zugang zunächst über das hauseigene Ads-Solutions-Team sowie Agentur- und Technologiepartner; ein Selbstbedienungszugang über den sogenannten Ads Manager soll im späteren Sommer folgen. Der Zeitpunkt fällt in eine Phase, in der OpenAI einen Börsengang für das vierte Quartal 2026 anpeilt, mit einer angestrebten Bewertung von 852 Milliarden Dollar – unabhängig nicht verifiziert. ChatGPT zählt nach früheren Firmenangaben eine Milliarde wöchentlich aktive Nutzerinnen und Nutzer, von denen nach Angaben des Unternehmens rund ein Fünftel kommerzielle Kaufabsicht in ihren Gesprächen zeige. Anzeigen sollen damit auch das erst kürzlich aufgehobene Nachrichtenlimit für Gratis-Konten langfristig querfinanzieren.
EU-Kommission prüft Einstufung als große Suchmaschine
Zeitgleich mit dem Rollout prüft die Europäische Kommission laut Euronews, ob ChatGPTs Suchfunktion als „sehr große Online-Suchmaschine” im Sinne des Digital Services Act gilt. Die Einstufung würde ab 45 Millionen monatlichen Nutzerinnen und Nutzern in der EU greifen und brächte zusätzliche Transparenz- und Prüfpflichten mit sich, ähnlich den Auflagen, die die EU bereits Google bei KI-Konkurrenten auferlegt. Die Prüfung reiht sich damit in eine Serie von EU-Verfahren gegen große KI-Anbieter ein. Ob ChatGPT diese Schwelle bereits überschreitet, ist offen; OpenAI äußert sich dazu bislang nicht öffentlich. Für Werbung gilt zudem die Stellungnahme 08/2024 des Europäischen Datenschutzausschusses zu sogenannten Consent-or-Pay-Modellen, die verhindert, dass Nutzerinnen und Nutzer entweder personalisierter Werbung zustimmen oder zahlen müssen – ein Grund, warum Europa den Anzeigenstart erst nach sieben weiteren Märkten erhält und zunächst auf Personalisierung verzichtet. Zuständig bleibt weiterhin OpenAI Ireland Limited mit Sitz in Dublin unter Aufsicht der irischen Datenschutzbehörde; einzelne Nutzungsdaten für die Anzeigenauswahl würden nach spätestens 30 Tagen gelöscht.
Offen bleibt, ob die europäische Zurückhaltung bei personalisierter Werbung auf Dauer geringere Erträge je Nutzerin und Nutzer bedeutet als in den USA, wo OpenAI von Anfang an mit mehr Daten arbeiten durfte. Entscheidend wird auch, ob die Kommission ChatGPT tatsächlich als sehr große Suchmaschine einstuft – ein Schritt, der weitere Prüf- und Meldepflichten nach sich ziehen würde, für die OpenAI bislang keinen Zeitplan genannt hat.


