Sicherheit

Anthropic lässt Firmenkunden KI-Daten in eigener Cloud speichern

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TL;DR Too Long; Didn’t read

Anthropic will Firmenkunden laut Reuters erlauben, die vorgeschriebenen 30 Tage Datenspeicherung künftig auf eigener statt auf Anthropics Cloud-Infrastruktur abzuwickeln. Die im Juni eingeführte Aufbewahrungspflicht für die Modelle Mythos und Fable bleibt bestehen, nur der Speicherort wechselt zum Kunden. Mehr als 100 Firmenkunden aus regulierten Branchen, darunter Salesforce, wirkten an der Entwicklung mit.

Ein Aktenschrank mit Anthropic-Logo wird auf einer Sackkarre von einem großen Rechenzentrum-Turm weggeschoben, hin zu einer kleineren Wolke mit einem Vorhängeschloss. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Firmenkunden könnten Pflichtdaten künftig selbst hosten statt sie bei Anthropic zu belassen.
  • Die im Juni gestartete 30-Tage-Speicherpflicht für Mythos und Fable bleibt inhaltlich unverändert.
  • Salesforce zählt zu über 100 Unternehmen, die an der Neuregelung mitwirkten.
  • OpenAI stellte einen Tag zuvor ein konkurrierendes System ganz ohne Datenspeicherung vor.
  • Ein technisches Whitepaper zu OpenAIs Ansatz soll im September 2026 folgen.
  • Anthropic selbst hat die Pläne bislang nicht offiziell bestätigt oder terminiert.

Anthropic bereite laut einem Bericht von Reuters eine Kursänderung bei der Datenspeicherung für Firmenkunden vor. Wer die im Juni eingeführte 30-Tage-Aufbewahrungspflicht für die Modelle Mythos und Fable erfüllen muss, soll die Daten künftig wahlweise auf eigener statt auf Anthropics Cloud-Infrastruktur ablegen können. Mehr als 100 Unternehmen aus regulierten Branchen wirkten an der Entwicklung mit.

Speicherort wechselt, Aufbewahrungspflicht bleibt bestehen

Am Grundprinzip ändert sich nichts: Firmenkunden, die Mythos oder Fable nutzen, müssen ihre Interaktionsdaten weiterhin 30 Tage lang aufbewahren, damit Anthropic Missbrauch und mögliche Cyberangriffe über die Modelle erkennen kann. Neu ist die Wahlmöglichkeit beim Speicherort: Statt die Daten zwingend auf Anthropics eigenen Servern liegen zu lassen, sollen Unternehmen sie künftig in ihrer eigenen, selbst kontrollierten Cloud-Umgebung ablegen können.

Für stark regulierte Branchen wie Finanzdienstleister oder Gesundheitsunternehmen ist das mehr als ein technisches Detail: Wer Kundendaten aus rechtlichen Gründen nicht bei einem externen Anbieter speichern darf, konnte die leistungsstärksten Claude-Modelle bislang kaum ohne Compliance-Risiko einsetzen. Anthropic bietet Enterprise-Kunden bereits heute Werkzeuge wie eine Compliance-API und Audit-Logs an; die neue Speicheroption würde dieses Angebot um die physische Kontrolle über die Rohdaten erweitern.

Juni-Regel zu Mythos und Fable löste Kritik aus

Ausgangspunkt der Debatte ist eine Ankündigung vom 9. Juni 2026: Damals führte Anthropic parallel zum Start der Modelle Fable 5 und Mythos 5 eine verpflichtende 30-tägige Datenspeicherung ein und begründete den Schritt mit der Notwendigkeit, neuartige Cyberangriffe über die Modelle frühzeitig zu erkennen. Für Unternehmen, die zuvor an Null-Speicherung gewöhnt waren, bedeutete das einen Bruch mit gewohnten Datenschutzzusagen – Kritik aus der Kundschaft blieb laut Reuters nicht aus.

Mehr als 100 Firmenkunden aus regulierten Branchen, darunter Salesforce, wirkten in den vergangenen Monaten an der Überarbeitung mit. Auch Konkurrenten positionieren sich derzeit mit Datenschutz-Versprechen: Mistral führte im August eine feste Trennung von EU- und US-Datenverarbeitung ein, und OpenAI-Chef Sam Altman sicherte deutschen Geschäftskunden im selben Monat eine verbindliche Null-Daten-Speicherung zu.

OpenAI kontert mit datenfreier Sicherheitsprüfung

Einen Tag vor den Berichten über Anthropics Pläne stellte OpenAI eine eigene Alternative vor: Private Safety Processing soll verdächtige Muster über mehrere Interaktionen hinweg automatisiert erkennen, ohne dass Mitarbeitende einzelne Prompts oder Antworten einsehen können. Das System sende laut OpenAI lediglich ein eng begrenztes Sicherheitssignal, die zugrunde liegenden Inhalte blieben unzugänglich. Eine Ausnahme bleibt der Fund von Material zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder, bei dem weiterhin Menschen eingeschaltet werden.

OpenAI plant ein technisches Whitepaper für September 2026 sowie perspektivisch eine Option, Daten verschlüsselt mit kundeneigenen Schlüsseln auf eigener Infrastruktur abzulegen. Der Wettbewerb zwischen beiden Ansätzen dreht sich damit um zwei unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage: Sicherheit durch garantierte Nicht-Speicherung oder Sicherheit durch kontrollierte Aufbewahrung beim Kunden selbst.

Entscheidend wird, ob Unternehmen mit der neuen Option tatsächlich die Kontrolle erhalten, die sie für strenge Compliance-Vorgaben benötigen, oder ob Anthropic über Zugriffsrechte zur Missbrauchserkennung weiterhin faktisch Einblick behält. Offen bleibt auch, wann genau das System startet und ob es außerhalb der USA verfügbar sein wird – Anthropic selbst hat sich zu den Berichten bislang nicht öffentlich geäußert.

Häufige Fragen

Wann startet die neue Speicheroption für Firmenkunden?

Ein festes Datum hat Anthropic öffentlich nicht genannt; laut Reuters ist der Start für später in diesem Jahr vorgesehen.

Betrifft die Ankündigung auch private Claude-Nutzer?

Nein, es geht ausschließlich um Firmenkunden, die die leistungsstärksten Modelle Mythos oder Fable im Enterprise-Rahmen einsetzen.

Entstehen für die eigene Cloud-Speicherung zusätzliche Kosten?

Dazu liegen keine Angaben vor; bislang ist unklar, ob die Option Teil bestehender Enterprise-Verträge wird oder gesondert bepreist wird.

Was unterscheidet Anthropics Lösung von OpenAIs Private Safety Processing?

OpenAI verzichtet komplett auf das Speichern von Prompts und Antworten, während Anthropic weiterhin 30 Tage Aufbewahrung verlangt – nur eben wahlweise außerhalb der eigenen Server.

Gilt die Regelung auch für Kunden in Deutschland und der EU?

Das ist offen. Weder zu einer regionalen Reihenfolge noch zu einer EU-spezifischen Verfügbarkeit hat Anthropic bislang Stellung genommen.

Quellen (4)
  1. Anthropic plans to change enterprise data retention policy, source says (Reuters)
  2. Anthropic lets companies store AI data in their own cloud – Techzine
  3. Offering Zero Data Retention for frontier models – OpenAI
  4. OpenAI chases Anthropic's biz customers with zero data retention pledge – The Register

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