Die taiwanische Sicherheitsfirma TeamT5 hat ermittelt, dass staatlich gelenkte chinesische Hackergruppen ihre Angriffszahl seit dem Routineeinsatz von KI-Chatbots mehr als verdoppelt haben. Mindestens vier Gruppen greifen dafür überwiegend auf das chinesische Sprachmodell DeepSeek zurück, eine weitere testete zusätzlich Anthropics Coding-Werkzeug Claude Code. Die Ergebnisse wurden am 24. August 2026 öffentlich.
TeamT5 identifiziert vier aktive Hackergruppen
Wie Bloomberg unter Berufung auf TeamT5 berichtet, hänge der Anstieg der Aktivität direkt mit der Übernahme von Routineaufgaben durch KI zusammen. Die Gruppe Grimfengxi lasse sich demnach Exploit-Code von DeepSeek schreiben, während Huapi ein chinesisches Sprachmodell – vermutlich ebenfalls DeepSeek – gegen das E-Mail-System eines taiwanischen Unternehmens eingesetzt habe.
Teleboyi habe ein KI-Modell damit beauftragt, rund 1.000 IP-Adressen zu sammeln und Firmendomains zu kartieren, eine Aufklärungsarbeit, die menschliche Analysten deutlich länger beschäftigt hätte. Am weitesten sei die Gruppe Slime22 gegangen: Sie habe Claude Code laufen lassen und sich dabei als autorisierter Sicherheitstester ausgegeben, um interne Schutzmechanismen des kompromittierten taiwanischen Technologieunternehmens zu umgehen. Die Angriffszahl habe sich dadurch mehr als verdoppelt – unabhängig nicht verifiziert, da TeamT5 seine Rohdaten bislang nicht öffentlich vorgelegt hat.
Die betroffenen Unternehmen und Behörden liegen überwiegend in Taiwan, das schon zuvor im Zentrum KI-gestützter Angriffe aus China stand: Im August kompromittierten autonome KI-Agenten innerhalb von vier Tagen 85 Regierungskonten und griffen auf Taiwans Atomaufsicht sowie mehrere Energieversorger über. Anders als bei jenem Fall, der offene Agenten-Frameworks wie Hermes und OpenClaw nutzte, greifen die von TeamT5 dokumentierten Gruppen auf kommerzielle Chat-Oberflächen und Coding-Werkzeuge zurück, die eigentlich für legitime Entwicklerarbeit gedacht sind.
DeepSeek gilt als Werkzeug mit wenigen Schranken
DeepSeek habe sich als bevorzugtes Werkzeug etabliert, weil es leistungsfähig und zugleich kaum durch Sicherheitsfilter eingeschränkt sei – so TeamT5-Chefanalyst Charles Li gegenüber Bloomberg. Hinzu komme der niedrige Preis: Die Gruppen könnten das Modell in großem Umfang einsetzen, ohne hohe Rechenkosten zu tragen.
Moonshots Modell Kimi K3 tauche in den dokumentierten Fällen dagegen nicht auf, weil die Gruppen es TeamT5 zufolge schlicht für zu teuer im Betrieb hielten. Der Befund reiht sich in eine Serie ähnlicher Fälle ein: Bereits im August griff ein einzelner Hacker mit dem Namen „knaithe” über das Open-Source-Framework Hermes Agent mehr als 460 internetzugängliche Systeme automatisiert an, blieb dabei aber überwiegend erfolglos. TeamT5 betont, dass der jetzige Befund staatlich gelenkte Gruppen betrifft und damit über Einzeltäter hinausgeht.
Auch andere staatsnahe Akteure bauen ihre KI-Nutzung systematisch aus: Die nordkoreanische Gruppe Kimsuky betreibt seit März 2026 eine eigene Offline-KI-Umgebung für Phishing und Malware, um keine Daten an externe Anbieter zu senden.
Entscheidend wird, ob Anbieter wie DeepSeek und Anthropic ihre Kontrollen für Konten aus Hochrisiko-Regionen verschärfen können, ohne den regulären Zugang für Entwicklerteams einzuschränken. Offen bleibt zudem, ob TeamT5 seine Rohdaten und Angriffsprotokolle veröffentlicht, damit andere Sicherheitsteams die Methoden unabhängig nachvollziehen können.


