Sicherheit

Ray-Lücke: CISA meldet aktive Angriffe auf KI-Rechenwerkzeug

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA hat die mit CVSS 9,4 bewertete Schwachstelle CVE-2025-62593 im KI-Framework Ray am 17. August 2026 offiziell als aktiv ausgenutzt eingestuft. Eine Lücke in der Browser-Abwehr erlaubt Codeausführung, sobald ein Entwickler eine präparierte Webseite besucht. Das Botnetz RondoDox nutzte den Fehler bereits zwei Tage vor der offiziellen Veröffentlichung aus.

Eine Hand greift aus einem Laptop-Bildschirm nach einem Server-Rack mit Ray-Logo-Aufkleber, daneben ein rotes CISA-Warnsiegel. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • CVE-2025-62593 (CVSS 9,4) betrifft alle Ray-Versionen vor 2.52.0, dem KI-Rechenframework von Anyscale.
  • Der Angriff kombiniert einen Bypass der Browser-Prüfung mit DNS-Rebinding gegen lokal laufende Ray-Instanzen.
  • Sicherheitsforscher von Oligo Security und Socket.dev meldeten die Lücke, veröffentlicht wurde sie am 26. November 2025.
  • Das Botnetz RondoDox nutzte laut Bitsight zwischen Mai 2025 und Februar 2026 insgesamt 174 verschiedene Schwachstellen aus.
  • Ray 2.52.0 schließt die Lücke und führt zusätzlich eine optionale Token-Authentifizierung ein.
  • Erst Anfang August stufte CISA eine ähnliche Schwachstelle im KI-Tool Langflow als aktiv ausgenutzt ein.

Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA hat die Schwachstelle CVE-2025-62593 im quelloffenen KI-Framework Ray am 17. August 2026 offiziell als aktiv ausgenutzt eingestuft. Ein Fehler in der Browser-Abwehr erlaubt Angreifern Codeausführung, sobald ein Entwickler mit laufendem Ray eine präparierte Webseite besucht – ganz ohne Download oder Klick auf einen Link.

Fehlerhafte Browser-Prüfung öffnet Tür für Fremdcode

Ray ist ein quelloffenes Framework des Anbieters Anyscale, mit dem Firmen maschinelles Lernen auf verteilten Rechen-Clustern trainieren – es kommt bei zahlreichen KI-Projekten als Unterbau zum Einsatz. Die im GitHub-Sicherheitshinweis dokumentierte Lücke trägt den Schweregrad 9,4 von 10 möglichen Punkten. Ray prüft normalerweise, ob eine Anfrage von einem Browser stammt, indem es kontrolliert, ob der User-Agent-Header mit „Mozilla” beginnt. Diese Prüfung lässt sich jedoch umgehen: In Firefox und Safari kann eine Webseite den Header per Fetch-API selbst setzen. Kombiniert mit einem DNS-Rebinding-Angriff – dabei täuscht eine bösartige Seite dem Browser vor, mit dem lokal laufenden Ray-Server identisch zu sein – lassen sich Befehle direkt an Schnittstellen wie /api/jobs/ senden und dort beliebiger Programmcode ausführen. Sicherheitsforscher von Oligo Security und der Plattform Socket.dev meldeten den Fehler, veröffentlicht wurde die Korrektur am 26. November 2025.

RondoDox greift schon vor der offiziellen Warnung an

Wie eine Analyse von Bitsight zeigt, nutzte das Botnetz RondoDox die Lücke bereits ab dem 24. November 2025 aus – zwei Tage vor der offiziellen Veröffentlichung. Das deutet darauf hin, dass die Betreiber aktiv Vorab-Veröffentlichungen von Sicherheitslücken beobachten und verfügbaren Beweis-Code umgehend einsetzen. Bemerkenswert: RondoDox schickte in seinen Anfragen den Header „Mozilla/5.0 (rondo2012@atomicmail.io)” – technisch unsauber, aber ausreichend, um die schwache Mozilla-Prüfung zu bestehen, auch ganz ohne den eigentlich vorgesehenen Umweg über einen fremden Browser. Das zeigt: Schon ein direkter Netzwerkzugriff auf eine ungeschützte Ray-Instanz kann theoretisch reichen. RondoDox gilt laut Bitsight als besonders aggressives Botnetz, das zwischen Mai 2025 und Februar 2026 insgesamt 174 unterschiedliche Schwachstellen ausnutzte, an einem einzigen Tag im Oktober 2025 waren es 49 zugleich. Mit der Aufnahme in den Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen bestätigt CISA nun offiziell, dass die Ray-Lücke Teil dieser aktiven Angriffswelle ist.

Anyscale schließt Lücke, ältere Ray-Attacke bleibt getrennt

Ray 2.52.0 behebt die Schwachstelle und ergänzt zusätzlich eine optionale token-basierte Authentifizierung als weitere Schutzschicht. Wer die Software für eigene KI-Projekte einsetzt, sollte umgehend aktualisieren und das Ray-Dashboard nicht ungeschützt aus dem offenen Internet erreichbar lassen. Der Patch steht kostenlos über den Python-Paketmanager pip sowie auf GitHub bereit, eine Lizenzänderung ist damit nicht verbunden. Von der aktuellen Lücke zu unterscheiden ist die separate Kampagne ShadowRay 2.0, die Angreifer laut Oligo Security seit November 2025 fahren: Sie nutzt eine ältere, 2023 gemeldete Schwachstelle mit fehlender Authentifizierung aus, um Ray-Cluster zu Kryptomining-Botnetzen umzubauen. Es ist zudem nicht der erste Fall in diesem Sommer, in dem CISA eine KI-Plattform als aktiv angegriffen einstuft – Anfang August erklärte die Behörde eine Lücke in der Automatisierungsplattform Langflow für aktiv ausgenutzt.

Offen bleibt, wie viele Ray-Installationen weltweit derzeit ungeschützt im Netz erreichbar sind. Entscheidend wird, ob Betreiber von KI-Infrastruktur Sicherheits-Updates künftig schneller einspielen, bevor Angreifer wie RondoDox verfügbaren Beweis-Code in automatisierte Angriffswerkzeuge umsetzen.

Häufige Fragen

Was ist Ray genau?

Ray ist ein quelloffenes Framework des Anbieters Anyscale, mit dem Firmen und Forschungsteams maschinelles Lernen über verteilte Rechen-Cluster trainieren und ausführen.

Sind auch Nutzer von KI-Chatbots wie ChatGPT betroffen?

Nein. Die Lücke betrifft ausschließlich Personen, die Ray selbst installiert haben und lokal oder im eigenen Netzwerk betreiben – nicht Endnutzer fertiger KI-Anwendungen.

Wie schützt man sich vor der Lücke?

Ein Update auf Ray 2.52.0 schließt die Lücke; zusätzlich empfiehlt sich, die optionale Token-Authentifizierung zu aktivieren und das Ray-Dashboard nicht öffentlich zugänglich zu machen.

Ist das dieselbe Lücke wie bei der ShadowRay-Kampagne?

Nein. ShadowRay 2.0 nutzt eine ältere, 2023 entdeckte Schwachstelle mit fehlender Authentifizierung – CVE-2025-62593 ist ein separater Fehler in der Browser-Abwehr.

Müssen US-Bundesbehörden jetzt handeln?

Ja. Die Aufnahme in CISAs Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen verpflichtet US-Bundesbehörden zu einer verbindlichen Patch-Frist; private Betreiber erhalten keine Frist, sollten aber ebenso zügig aktualisieren.

Quellen (4)
  1. CISA Adds One Known Exploited Vulnerability to Catalog
  2. GHSA-q279-jhrf-cc6v: Remote Code Execution in Ray
  3. RondoDox Botnet: From Zero to 174 Exploited Vulnerabilities
  4. ShadowRay 2.0: Active Global Campaign Hijacks Ray AI Infrastructure Into Self-Propagating Botnet

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