Sicherheit

Kimsuky baut Offline-KI-Stack für Phishing und Malware auf

2 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Die nordkoreanische Hackergruppe Kimsuky betreibt auf eigenen Angriffsservern seit mindestens März 2026 eine Offline-KI-Umgebung mit Ollama, GPT4All und Msty. Die südkoreanische Sicherheitsfirma Genians dokumentiert das am 10. August 2026 im Rahmen der Kampagne Operation GitPower. Die Gruppe verfasst damit Phishing-Köder und durchsucht gestohlene Dokumente, ohne Daten an externe KI-Anbieter zu senden. Ein eigenes trainiertes Modell fanden die Ermittler nicht.

Eine Hacker-Silhouette sitzt vor einem Serverschrank; ein isolierter Rechner ist durch eine durchtrennte Wolke von externen KI-Diensten getrennt, aus ihm wächst ein Angelhaken aus Chat-Sprechblasen. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Genians fand 73 MD5-Hashes, sieben IP-Adressen und 18 E-Mail-Adressen als Indikatoren der Kimsuky-Infrastruktur.
  • Auf den Servern liefen zusätzlich der Editor Cursor und die Spracherkennung Whisper von OpenAI.
  • Nordkoreanische Rechtschreibmuster in Tastatur-Logs sowie Astrill VPN deuten auf das Reconnaissance General Bureau hin.
  • Operation GitPower tarnt Schadcode als Bilddateien in öffentlichen GitHub-Repositories und lädt AsyncRAT alle 30 Minuten nach.
  • Genians stuft Kimsuky als in einer Lern- und Beschaffungsphase ein, nicht als Entwickler eigener KI-Modelle.
  • 2025 fälschte die Gruppe bereits südkoreanische Militärausweise mit KI-generierten Bildern für Phishing-Kampagnen.

Kimsuky hat nach Angaben der südkoreanischen Sicherheitsfirma Genians eine eigene Offline-Infrastruktur für generative KI aufgebaut. Auf den Angriffsservern der nordkoreanischen Spionagegruppe liefen die lokalen Sprachmodell-Werkzeuge Ollama, GPT4All und Msty, verbunden mit einer Datenbank für die Volltextsuche in gestohlenen Dokumenten. Genians veröffentlichte die Analyse am 10. August 2026 und ordnet den Fund der laufenden Kampagne Operation GitPower zu.

Genians findet komplette lokale KI-Werkzeugkette

Auf den untersuchten Systemen entdeckten die Analysten von Genians mehrere Schichten einer lokalen KI-Umgebung. Neben Ollama, dessen Startvorgang automatisch einen SSH-Schlüssel im Administratorkonto anlegt, fanden sich Installationsdateien von GPT4All samt einer RAG-Datenbank sowie der Desktop-Anwendung Msty. Hinzu kamen mehrere Installer des KI-Programmiereditors Cursor sowie Werkzeuge zur Spracherkennung, darunter Whisper und faster-whisper von OpenAI samt einer koreanischsprachigen Trainingsdatei.

In Entwicklerbibliotheken wie LLaMaSharp, Microsoft Semantic Kernel und Microsoft.Agents.AI sowie GPU-Beschleunigungspaketen für Nvidia-Grafikkarten sehen die Forscher eine durchgehende Kette von lokaler KI-Ausführung bis zu automatisierten Agenten. Ein eigenes trainiertes Sprachmodell oder größere Trainingsdatensätze fand Genians jedoch nicht. Die Gruppe befinde sich eigenen Angaben zufolge noch in einer Lern- und Beschaffungsphase, in der vorhandene KI-Werkzeuge zusammengeführt statt selbst entwickelt würden.

Operation GitPower tarnt Schadcode als Bilddateien

Der technische Rahmen der Kampagne setzt die seit 2023 bekannte FlowerPower-Angriffsserie fort und beginnt mit Spear-Phishing-E-Mails samt präparierten ZIP-Archiven. Öffnet ein Opfer die enthaltene LNK-Datei, startet ein rund 3.800 Zeichen langes PowerShell-Kommando, in das die Angreifer 300 Leerzeichen einfügten, um die eigentliche Schadfunktion vor automatisierten Scannern zu verbergen. Ein eigener Base64-Dekoder umgeht dabei Standardfunktionen, die Sicherheitssoftware häufig erkennt.

Parallel lädt das System eine echte PDF-Datei über die GitHub-Raw-API nach, während im Hintergrund ein alle 30 Minuten laufender geplanter Task die Fernzugriffssoftware AsyncRAT nachlädt. Als Tarnung dienen mehrere öffentliche GitHub-Repositories mit Dateien wie apple.png oder rabbit.png, die tatsächlich Schadcode enthalten. Genians veröffentlichte im Zuge der Analyse 73 MD5-Hashes, sieben IP-Adressen und 18 E-Mail-Adressen als Indikatoren für Sicherheitsteams.

Sprachliche Spuren verweisen auf Nordkorea

Mehrere technische Details ordnen die Kampagne laut Genians dem nordkoreanischen Reconnaissance General Bureau zu, dem auch Kimsuky untersteht. Aus rekonstruierten Tastatureingaben ergaben sich Schreibweisen, die der nordkoreanischen statt der südkoreanischen Rechtschreibung folgen. Hinzu kommen ein als „Arirang” bezeichnetes Gerät – eine in Nordkorea verbreitete Tablet-Marke –, eine chinesischsprachige Version der Bürosoftware WPS Office sowie die häufig mit nordkoreanischen Gruppen verknüpfte Software Astrill VPN und AnyDesk.

Bereits 2025 war Kimsuky mit ChatGPT-generierten Bildern gefälschter südkoreanischer Militärausweise in Phishing-Kampagnen aufgefallen. Auch andere nordkoreanische Gruppen greifen inzwischen gezielt auf KI-Infrastruktur zu: Erst Anfang August hatte CrowdStrike dokumentiert, wie die verwandte Gruppe Stardust Chollima gestohlene Zugänge zu kommerziellen KI-Diensten kapert. Nach Angaben von Reuters ließen sich die Zuordnung der Kampagne zu Kimsuky sowie einzelne technische Details zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht unabhängig verifizieren.

Entscheidend wird, ob sich der Trend zu offline betriebenen KI-Werkzeugen bei staatlich gelenkten Gruppen fortsetzt: Lokale Modelle unterlaufen genau jene Sicherheitsfilter, mit denen Anbieter wie OpenAI oder Anthropic Missbrauch über ihre Cloud-Dienste eigentlich verhindern wollen. Genians kündigte an, die Aktivitäten von Kimsuky weiter zu beobachten; ein konkretes Datum für eine Folgeanalyse nannte die Firma bislang nicht.

Häufige Fragen

Was ist die Kimsuky-Gruppe?

Kimsuky ist eine nordkoreanische Spionagegruppe, die dem Reconnaissance General Bureau untersteht und seit Jahren gezielt Diplomaten, Militär- und Kryptowährungsziele per Spear-Phishing angreift.

Warum nutzen Angreifer lokale statt Cloud-KI-Modelle?

Offline betriebene Modelle wie Ollama oder GPT4All laufen ohne Verbindung zu externen Anbietern und umgehen damit deren Missbrauchsfilter und Protokollierung.

Sind konkrete Opfer der aktuellen Kampagne bekannt?

Genians benennt in der Analyse keine einzelnen betroffenen Organisationen, sondern beschreibt die technische Infrastruktur und Indikatoren der Kampagne Operation GitPower.

Wie reagieren Anbieter wie OpenAI auf den Missbrauch offener KI-Werkzeuge?

Zu diesem konkreten Fall liegen bislang keine öffentlichen Stellungnahmen von OpenAI, Ollama oder GitHub vor.

Worin unterscheidet sich Operation GitPower von der FlowerPower-Kampagne?

Operation GitPower baut auf der seit 2023 bekannten FlowerPower-Infrastruktur auf, ergänzt sie laut Genians aber erstmals um eine breite Palette lokaler KI-Werkzeuge.

Quellen (3)
  1. Genians: Kimsuky Integrates AI into Attack Operations
  2. Reuters: North Korean hacking group builds AI tools for cyberattacks, report says
  3. The Hacker News: Kimsuky Builds Offline AI Stack to Boost Phishing and Automate Malware Development

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