Der südaustralische Premierminister Peter Malinauskas hat am Montag eine Royal Commission ins Leben gerufen, die als erste derartige Untersuchung eines australischen Bundesstaats Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz prüfen soll. Drei internationale Kommissare untersuchen ab Oktober Folgen für Arbeitsplätze, Schulen und Kliniken und legen bis zum 1. Juli 2027 einen Bericht vor. Die Kommission kostet rund drei Millionen australische Dollar.
Kommission prüft Arbeitsmarkt, Bildung und Rechenzentren
Eine Royal Commission ist im australischen Rechtssystem eine mit weitreichenden Untersuchungsbefugnissen ausgestattete Kommission, die die Regierung für besonders bedeutsame gesellschaftliche Fragen einsetzt – etwa Zeugenladungen und Akteneinsicht eingeschlossen. Malinauskas kündigte an, drei Kommissarinnen und Kommissare über eine internationale Ausschreibung zu suchen; die genauen Untersuchungsaufträge will die Regierung nach eigenen Angaben erst in vier bis sechs Wochen veröffentlichen. Die Landesregierung wählt die drei Fachleute bewusst international aus, um neben rechtlicher und wirtschaftspolitischer Expertise auch technisches Fachwissen einzubinden.
Wie der australische Sender SBS berichtet, soll die Kommission ab Oktober prüfen, wie Künstliche Intelligenz Arbeitsplätze verändert, welche Folgen sie für Schulen und Universitäten hat und wie sich der Energie- und Wasserverbrauch der dafür nötigen Rechenzentren auf die Infrastruktur des Bundesstaats auswirkt. Auch der Gesundheitssektor und die Kreativwirtschaft gehören zum Auftrag. Der Abschlussbericht soll bis zum 1. Juli 2027 vorliegen, die veranschlagten Kosten liegen bei rund drei Millionen australischen Dollar (unabhängig nicht verifiziert) – umgerechnet etwa 1,7 Millionen Euro.
Malinauskas trifft OpenAI und Anthropic vor der Ankündigung
Der Ankündigung ging eine Reise des Premierministers in die USA voraus. Dort besuchte er den Hauptsitz von OpenAI in San Francisco und unterzeichnete nach Angaben der Epoch Times eine Absichtserklärung mit OpenAI-Mitgründer und -Präsident Greg Brockman. Zudem traf Malinauskas Anthropic-Mitgründer Tom Brown sowie Vertreter von Apple.
Der Premier begründete den Schritt damit, dass unkontrollierte Künstliche Intelligenz ein erhebliches Risiko für das gesellschaftliche Gefüge darstelle und der Staat die Regeln mitgestalten müsse, statt die Entwicklung allein privaten Unternehmen zu überlassen. South Australia positioniert sich damit als erster australischer Bundesstaat, der eine derart umfassende, eigens für KI eingerichtete Untersuchungskommission startet – nationale Gesetze zu Künstlicher Intelligenz existieren in Australien bislang nicht in vergleichbarer Form. Die Landesregierung will mit der Kommission auch prüfen, welche wirtschaftlichen Chancen ansässige KI-Start-ups im Bundesstaat haben. Südaustralien wirbt bereits in anderen Zukunftsbranchen wie Raumfahrt und Verteidigungstechnik um Ansiedlungen; die Landesregierung sieht die KI-Kommission auch als Signal an weitere Unternehmen der Branche.
Forscher zweifeln an Wirkung einzelner Bundesstaaten
Die Reaktionen aus der Wissenschaft fallen gemischt aus. Anton van den Hengel vom Australian Institute for Machine Learning in Adelaide begrüßte die Initiative und verwies auf die bereits vorhandene Start-up-Szene des Bundesstaats, die von einer klaren Untersuchung profitieren könne. Zurückhaltender äußerte sich Toby Walsh vom KI-Institut der University of New South Wales: Er begrüße zwar die genauere Prüfung, bezweifle aber, dass ein einzelner australischer Bundesstaat eine global operierende Technologie wirksam regulieren könne – ähnliche Bedenken, wie sie auch bei rein nationalen Alleingängen gegenüber EU-weiten oder bundesweiten Regeln immer wieder diskutiert werden. Beide Wissenschaftler sind an der Kommission nicht direkt beteiligt; ihre Einschätzungen fielen unmittelbar nach der Ankündigung.
Bislang regelt Australien Künstliche Intelligenz vor allem über branchenspezifische Richtlinien und ein freiwilliges KI-Sicherheitsrahmenwerk der Bundesregierung; ein umfassendes KI-Gesetz nach dem Vorbild der EU, deren Transparenzpflichten aus der KI-Verordnung seit dem 2. August 2026 gelten, existiert nicht. Beobachter werten die südaustralische Initiative deshalb auch als Testlauf dafür, ob einzelne Bundesstaaten das entstehende regulatorische Vakuum füllen könnten.
Offen bleibt vor allem, wie viel Gewicht ein Bericht ohne Gesetzeskraft am Ende entfaltet: Eine Royal Commission kann Empfehlungen aussprechen, doch über deren Umsetzung entscheidet allein das Parlament von South Australia. Entscheidend wird deshalb, wen die Regierung als Kommissarinnen und Kommissare beruft und ob deren Auftrag über symbolische Standortpolitik hinausreicht. Die Benennung in den kommenden vier bis sechs Wochen dürfte erste Hinweise liefern, in welche Richtung die südaustralische KI-Politik tatsächlich steuert.


